Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

"blah blah blah" auf der Weltklimakonferenz. Ein Kommentar

Greta Thunbergs tödlicher Erfolg

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Die "Fridays for Future"-Bewegung hat ihren Zenit überschritten, meint Martin Rupps. Denn nichts ist so tödlich für eine Bewegung wie der Erfolg.

Spätestens jetzt weiß die Welt, dass die Formulierung "blah, blah, blah" auch im Englischen vorkommt. Klimaaktivistin Greta Thunberg zog mit diesen Worten eine Halbzeitbilanz des Weltklimagipfels in Glasgow. Auch ihre deutsche Mitstreiterin Luisa Neubauer hört dort nur "mehr oder weniger leere Reden". Nach meinem Eindruck wird der Ton der "Fridays for Future"-Protagonistinnen schärfer. Beim UN-Klimagipfel 2019 in New York stellte Greta Thunberg noch eine rhetorische Frage ("How dare you?!", "Wie könnt Ihr es wagen?!") mit großem Widerhall. Jetzt klingen ihre oft wiederholten Zornesausbrüche nicht mehr so frisch.

Greta Thunberg schaut in die Kamera (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Mit notorischer Kritik werden "Fridays for Future"-Protagonistinnen wie Greta Thunberg nicht mehr lange Gehör finden, meint Martin Rupps Picture Alliance

Die neue Gereiztheit könnte mit der kritischen Phase zusammenhängen, in der sich ihre Klimaschutzbewegung befindet. Greta Thunberg hat mit ihrer Bewegung in rasant kurzer Zeit die Welt verändert. Die Fürsorge für den Planeten steht auf der Agenda aller Staaten und bleibt es auch. Das neue Bewusstsein ist keine Sache nur der Jungen, sondern durchdringt alle Generationen. Doch für eine Bewegung ist nichts so tödlich wie der Erfolg. Sie kann ein Thema von der Straße in die Parlamente tragen. Das ist eine große Leistung – aber das war's dann auch.

Nach meinem Eindruck erleidet die "Fridays for Future"-Bewegung gerade dasselbe Schicksal wie die Studentenbewegung, die Anti-Atomkraft-Bewegung und die sogenannte Friedensbewegung: Operation gelungen, Patient tot! Solche Gruppen haben "einen Höhepunkt in einer bestimmten Zeit", sagt im SWR Gespräch Philipp Gassert, der an der Universität Mannheim zu Protestbewegungen forscht. "Die Aktivistinnen und Aktivisten werden älter und andere Themen tauchen auf." Ihre Bindekraft etwa für freitägliche Schul-Demos lässt nach.

Greta Thunberg, Luisa Neubauer und andere stehen vor der Frage, ob sie notorische Kritiker bleiben oder selbst in politische Ämter gehen wollen. Mit Zornesausbrüchen schaden sie inzwischen der wichtigen Sache.

Glasgow

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