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Weltweit waren im Jahr 2019 mehr Menschen auf der Flucht als je zuvor: Fast 80 Millionen Menschen haben die Vereinten Nationen gezählt. Anlässlich des Weltflüchtlingstages fordern Hilfsorganisationen und Politiker mehr Hilfe - vor allem auch wegen der Corona-Pandemie.

Krieg, Gewalt, Angst vor Verfolgung, Armut oder Hunger - es gibt viele Gründe aus der Heimat zu flüchten. Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen, UNHCR, hat für das vergangene Jahr einen neuen Rekordwert verzeichnet. Demnach waren 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht - rund ein Prozent der Weltbevölkerung.

Maas fordert Schutz und Versorgung von Flüchtlingen

Außenminister Heiko Maas (SPD) sagte zum Weltflüchtlingstag, angesichts der Corona-Pandemie seien Schutz und Versorgung von Flüchtlingen Notwendigkeiten, die oft über Leben und Tod entschieden. Er wies darauf hin, dass weniger als zehn Prozent aller Flüchtlinge in Europa lebten. Die große Mehrheit finde Zuflucht in ihren Nachbarländern, die häufig selbst unter Krisen und Armut litten.

Die deutsche Flüchtlingspolitik ist durch die Krise von 2015 geprägt. Jetzt kommt auch noch die Corona-Krise dazu:

Corona wird wohl weitere Fluchtbewegungen auslösen

Die Corona-Pandemie könnte die Situation nochmals verschärfen, so der Chef des UNHCR, Filippo Grandi. Wenn die Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren, werde das Flucht und Migration verstärken.

"Ich habe keinen Zweifel, dass die wachsende Armut und der Mangel an Lösungen sowie die Fortsetzung von Konflikten zu mehr Bevölkerungsbewegungen führen wird - in den Regionen und darüber hinaus, nach Europa etwa."

UNHCR-Chef Filippo Grandi

Auch Bundesratspräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich besorgt über die Folgen der Pandemie für Geflüchtete. Er forderte, trotz der Beschränkungen aufgrund der Corona-Krise, Menschlichkeit und Empathie "nicht einzudämmen".

Deutschland soll EU-Ratspräsidentschaft nutzen

Der Bundeszuwanderungs- und Integrationsrat appelliert an die Bundesregierung die anstehende deutsche EU-Ratspräsidentschaft zu nutzen und eine europäische Flüchtlingspolitik auf den Weg zu bringen. Damit solle die EU "gemeinsam Verantwortung für Geflüchtete" übernehmen. Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft beginnt am 1. Juli.

Angesichts der dramatischen Verhältnisse in griechischen Flüchtlingslagern, rufen außerdem Kirchenvertreter, wie der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki, dazu auf, insbesondere unbegleitete Minderjährige und alte Menschen von dort aufzunehmen und ihnen "einen sicheren Hafen zu bieten".

"Auf den griechischen Inseln Samos, Lesbos und Kos hausen Menschen seit Monaten in erbärmlichen Lagern - traumatisiert, krank, der Corona-Pandemie nahezu schutzlos ausgeliefert."

Erzbischof Rainer Maria Woelki

Deutschland will 243 Kinder aufnehmen

Die Bundesregierung hatte in der vergangenen Woche zugesagt, 243 kranke Kinder mit ihren Familien in den kommenden Wochen nach Deutschland zu holen. Mitte April waren 47 Kinder und Jugendliche von den griechischen Inseln nach Deutschland gekommen.

Auch Finnland, Portugal, Irland und Frankreich haben laut Innenministerium zugesagt, Minderjährige aus griechischen Lagern aufzunehmen.

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