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Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat die von Bund und Ländern beschlossenen Lockerungen der Corona-Maßnahmen an den Weihnachtstagen kritisiert.

"Medizinisch-epidemiologisch ist es Wahnsinn, an Weihnachten wieder aufzumachen." Mit diesen harten Worten reagierte Montgomery im SWR auf die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz. Das Virus kenne kein Weihnachten und kein Ramadan. Es suche sich seine Opfer täglich da, wo es sie finde, sagte Montgomery.

Er könne verstehen, dass die Menschen an Weihnachten Kontakte bräuchten. Hier müsse jedoch eine "saubere Balance" gefunden werden, so der Chef des Verbandes.

Todesfalle Weihnachts- und Silvesterfeiern?

Montgomery ist sich sicher, dass die Infektionszahlen nach den Feiertagen wieder ansteigen werden. Und weiter: "Zwei bis drei Wochen nach Weihnachten werden die Todeszahlen hochgehen. Weihnachten wird damit zu einem Fest mit einem Todesrisiko für manche Menschen", befürchtet der Weltärztepräsident. Das könne man in Kauf nehmen, wenn sich die Bevölkerung danach von selbst weiter möglichst intensiv an die Distanzregeln halte. Man müsse ja Weihnachten nicht genauso feiern wie früher.

Kritisch äußerte sich Montgomery daher zur Entscheidung von Bund und Ländern, die Lockerungen bis zu Silvester auszudehnen. Er begründete seine Kritik damit, dass "eine ganze Menge Alkohol mit im Spiel ist und dass man sich in der Silvesternacht in den Armen liegt." Das seien "wunderbare Infektionsquellen". Da freue sich das Virus und "jubelt".

Kritik am Sonderweg in Schleswig-Holstein

Überhaupt nicht nachvollziehen kann Montgomery das Verhalten des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU). Der hatte angekündigt, nicht alle Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz umsetzen zu wollen. Das unterminiere die Gemeinsamkeit von Bund und Ländern, sagte Montgomery. "Das ist Politik von der Steinzeit. Wir müssen zusammenhalten, anders überwinden wir dieses Virus nicht."

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