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Weniger Müll verursachen und mehr Produkte und Stoffe wiederverwerten: Bei Glas und Papier klappt das gut, schwieriger ist es bei Plastikverpackungen. Wir zeigen, woran das liegt.

In Deutschland wird Verpackungsmüll schon lange getrennt von anderem Abfall gesammelt. Trotzdem funktioniert das Kunststoffrecycling nicht gut.

Schwierig: Zu viele verschiedene Kunststoffarten in Verpackungen

Kunststoffrecycling funktioniert, wenn Stoffe sortenrein sind, also etwa bei Polyethylenterephtalat, kurz PET, aus dem viele Getränkeflaschen hergestellt sind. Diese Einweg-Pfandflaschen kommen über die Pfandautomaten sortenrein zurück. Bei vielen Verpackungen ist das aber nicht der Fall. Zum Beispiel, wenn ein Becher aus einem anderen Plastik hergestellt ist als der Deckel - oder es ist eine Barriereschicht enthalten.

Ein anderer Grund, warum es beim Verwerten von Kunststoffen noch hakt: Für das Rezyklat - also das Material, das entsteht, wenn alter Kunststoff geschreddert und aufbereitet wird - gibt es keinen richtigen Markt. Es ist teurer, Verpackungen aus solchem Rezyklat herzustellen, als wenn man neuen Kunststoff dafür einsetzt. Der Rezyklateinsatz macht zurzeit daher nur neun Prozent aus.

11 gebrauchte Handys und Smartphones aufgereiht vor Holzhintergrund (Foto: Adobe Stock/Reshoot)
Nicht nur Mobiltelefone auch elektrische Kleingeräte sollten beim Wertstoffhof abgegeben werden. Adobe Stock/Reshoot

Elektroschrott-Verwertung läuft mäßig bis gut

Von gesammeltem Elektroschrott gehen rund 80 Prozent ins Recycling. Allerdings werden gerade Kleingeräte oft nicht zu den Wertstoffhöfen gebracht - darunter Rasierer, Elektrozahnbürsten oder Föne.

Dazu kommt: Was dort ankommt, könnte noch besser „ausgeschlachtet“ werden. Das betrifft vor allem Computer, Smartphones, Bildschirme. Darin sind seltene Erden, Tantal, Gallium enthalten - wertvolle Rohstoffe, aber jeweils nur in geringen Mengen. Der Aufwand, diese Schätze herauszulösen, ist derzeit noch hoch.

Weniger Probleme gibt es bei Eisen, Stahl, Kupfer und Aluminium - diese Stoffe fallen reichlich an und werden auch zum Recyceln genutzt.

Unterschätzt: Die Menge an Bauabfällen

Boden, Steine, Bauschutt - das sind Materialien, die wiederverwertet werden können. Diese Baustoffe machen mehr als die Hälfte des gesamten Abfallbergs in Deutschland aus. Recyceln lohnt sich: Das passiert auch mit knapp 80 Prozent, das Material geht meist in den Straßenbau.

Allerdings müssen noch Anreize geschaffen werden, Recycling-Baustoffe breiter einzusetzen. Hier ist noch Überzeugungsarbeit nötig. Baden-Württemberg fördert beispielsweise R-Beton, Recycling-Beton. Wiederverwerten von Bauschutt ist hier besonders sinnvoll. Denn bei der Beton-Produktion entstehen viele klimaschädigende Gase.

Das Ziel: Kein Müll - No waste, zero waste

Unterm Strich keinen Müll mehr zu haben, wäre das Ziel einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Aber ein Deutschland ohne Abfall ist derzeit noch eine Vision.

Abfall als Wertstoff zu nutzen - dabei gibt es auch Grenzen, was die jeweiligen Materialien angeht. Glas kann im Kreislauf unbegrenzt wiederverwendet werden. Bei Kunststoff etwa werden die Molekülketten aber immer kürzer, und das Rezyklat verliert an Qualität.

Was Verbraucher tun können

Verbraucher können ihren Teil dazu beitragen, indem sie Produkte kaufen, die augenscheinlich einfach verpackt sind und möglichst nur aus einem Stoff bestehen. Damit wären sie besser zu recyceln als Produkte in komplexen Verpackungen aus mehreren Teilen.

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