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Welt-Herz-Tag Neue Behandlungsmethoden

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache. Doch die Herzmedizin macht rasante Fortschritte und setzt auf Unterkühlung der Patienten.

Ärzte im Operationssaal mit Patienten

Neue Operationsmethoden verbessern die Chancen von Herzpatienten

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die häufigste Todesursache. Doch es gibt auch gute Nachrichten: der akute Herzinfarkt lässt sich besser behandeln als noch vor zehn Jahren - die Ärzte können deutlich mehr Patienten retten als früher.

Insgesamt macht die Herzmedizin rasante Fortschritte: so setzen Notfallmediziner zum Beispiel verstärkt auf die gezielte Unterkühlung von Patienten nach einer Wiederbelebung. Und Chirurgen können mittlerweile per Katheter auch defekte Herzklappen bei hochbetagten Patienten reparieren.

Wenn das Herz nach einem Infarkt stillsteht, zählt jede Minute

Ein Mann liegt bewusstlos am Boden. Eine Frau kniet daneben und telefoniert mit dem Mobiltelefon

Schnelle Hilfe kann Leben retten

Doch auch Patienten, die schnell auf die Intensivstation kommen, überleben oft nur mit bleibenden Schäden. Denn auch nach Tagen sterben noch Zellen im Gehirn ab. Deshalb fordert der Deutsche Rat für Wiederbelebung nun verstärkt den Einsatz einer gezielten Kältetherapie: "Wir haben verschiedene Studien, die uns gezeigt haben, dass das Abkühlen des Patienten nach der Reanimation diesen programmierten Zelltod reduzieren oder auch ganz verhindern kann."

Kühlung verringert Koma-Rate - Eisbeutel reichen nicht

Christian Storm leitet das erste Deutsche Exzellenzzentrum für Herzstillstand an der Charité in Berlin; bei seinen Patienten hat er durch kontrollierte Kühlung die Koma-Rate halbiert. Doch so gute Ergebnisse sind nur möglich, wenn die Temperatur per Computer permanent überwacht wird - zum Beispiel über einen Venenkatheter: "Das heißt also, Sie können unmittelbar innerhalb der Blutbahn zu einer Abkühlung diesen Katheter nutzen oder sie können von außen Klebefolien oder Pads auf die Haut des Patienten aufkleben und damit zu einem Wärmeentzug von der Haut führen, das heißt, auch das ist ein sehr gutes und technisch ausgereiftes Kühlsystem."

Auf 32 bis 34 Grad sollen die Patienten für 24 Stunden herunter gekühlt werden. Manche Kliniken versuchen das nur mit Eisbeuteln - das reicht aber nicht aus: "Es ist so, dass wir natürlich uns wünschen, dass es mehrere Zentren gibt in Deutschland. Das wird es auch in Zukunft geben - da bin ich überzeugt und die haben die Aufgabe dann, ihre umliegenden kleinen Häuser zu motivieren, die Kühlbehandlung einzuführen und zu professionalisieren."

Neue schonende Operationsmethoden

Ein Arzt verwendet bei einem Patienten einen Defibrillator.

Neue Methoden - weniger radikale Eingriffe

Damit eine Wiederbelebung gar nicht erst nötig wird, haben Herzchirurgen neue, schonende Operationsmethoden entwickelt - so können sie defekte Herzklappen inzwischen auch über einen Katheter reparieren. Professor Raffi Bekeredjian von der Kardiologischen Uniklinik Heidelberg erklärt, wie das geht: "Wir brauchen im Prinzip nur ein kleines Loch in der Leiste, gehen dann mit einem relativ dicken Katheter in die linke Herzkammer, dort wird dann ein kleiner Klipp, der ungefähr ein Zentimeter groß ist, geöffnet, und die beiden Segel der Mitralklappe werden durch diesen Klipp eingefangen und zusammengeführt."

Herz ändert seine Geometrie zum Guten

Eine Computeranimation zeigt den Ablauf eines Herzinfarktes

Langfristige Folgen noch offen

In einer Studie mit Hochrisikopatienten ging es den Kranken rasch besser; dabei haben die Ärzte eine verblüffende Veränderung beobachtet: "Dass nämlich das Herz sich insgesamt in seiner Geometrie verändert. Das heißt, dass die Herzkraft zunimmt und auch dass die Herzgröße abnimmt, was ein gutes Zeichen ist für diese Patienten."

Trotzdem empfiehlt Raffi Bekeredjian diese Katheter-Methode ausschließlich für Patienten, bei denen eine Operation am offenen Herzen zu gefährlich wäre: "Es macht keinen Sinn einen Patienten, der kein hohes Operationsrisiko hat, einer solchen Methode zu unterziehen, die noch relativ jung ist und von der wir natürlich nicht wissen, wie verhält sich die Situation in zehn, fünfzehn Jahren, nachdem man solch einen Klipp eingesetzt hat."

Online: Dimi Triantafillu