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Die Reform des 50 Jahre alten Weinrechts soll für mehr Transparenz über die Trauben-Herkunft sorgen. Die Praxis regelt das bereits ohne Gesetz, meint SWR-Weinexperte Werner Eckert.

Mit einer Herkunftspyramide, ähnlich der Lösung des Verbands deutscher Prädikatsweingüter, will Bundesministerin Julia Klöckner dem Verbraucher die Auswahl und Winzern die "Herkunftsprofilierung" erleichtern. Ob die zwei Begriffe – "Region" und "Bereich" – mehr auf dem Weinetikett für mehr Durchblick sorgen, stellt der Experte in Frage.

Käufer will einfach schnell erkennen, ob ihm der Wein schmecken könnte

Paragraphen sind keine guten Verkäufer. Mit dem neuen Weingesetz wird der Absatz deutschen Weins nicht verbessert. Es könnte bestenfalls den Erfolgreichen am Markt einen gewissen Schutz bieten. Aber nicht einmal das tut es. Der Wein muss schmecken – und der Mensch am Regal will einen Eindruck vermittelt kriegen, was er da geschmacklich erwarten darf, auch wenn er nicht probieren kann. Das klappt erstaunlicherweise schon seit geraumer Zeit: Egal, was gerade im Weingesetz steht.

Die Weinbranche hat bereits eigene Lösungen gefunden

Die Menschen haben begriffen: Rebsorte, Geschmacksangabe und Preis – das vermittelt schon ein recht gutes Bild. Die deutsche Weinwirtschaft hat damit trotz des überholten alten Rechts schon bisher Erfolge gehabt, die man als Ministerin auch nicht schlechtreden muss: Wenn Absatz und Export der Menge nach zurückgehen, dann begrüßen viele Winzer das. Denn das knappere Angebot ist durch bessere Preise mehr als ausgeglichen worden.

Der Rest ist schon nur noch für die Fortgeschrittenen. Und die haben mal was von Gutswein, Ortswein und Lagenwein gehört. Also vom Grundsatz: Je enger die geografische Herkunft, desto besser der Wein – wenigstens theoretisch. Der wird jetzt auch in Deutschland rechtsverbindlich – wenigstens theoretisch.

Kellereien können mit "Region" und "Bereich" Großlagen beibehalten

Denn die Kellereien haben das in der Praxis für ihre Zwecke aufgebohrt: Riesengebiete dürfen weiter in einen Tank verrührt und als enge geografische Herkunft vermarktet werden. Da steht dann nur "Region" oder "Bereich" davor. Verschämt etwas kleiner. Die alten Großlagen sind gerettet. Das macht das neue Gesetz so nutzlos wie das alte – nur gut, dass Paragraphen sowieso so schlechte Verkäufer sind.

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