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Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat im Kabinett den Entwurf für ein neues Weinrecht vorgestellt. Sie will EU-Recht umsetzen, Vermarktungschancen für Winzer und Orientierung für Verbraucher schaffen.

Im Kern soll mit dem neuen Weingesetz das deutsche Qualitätssystem an die EU-Regeln angepasst werden: je genauer die Herkunftsangabe, desto höher die Qualität. Ein Lagenwein ist demnach ein Spitzenerzeugnis und steht über regionalen und Ortsweinen. Die Branche selbst kann sich Regeln für die einzelnen Gruppen selbst setzen.

Langer Disput in der Weinbranche

Schon seit Jahren soll diese Änderung kommen, aber ein langer Streit zwischen Winzern auf der einen und Kellereien sowie Genossenschaften auf der anderen Seite hat die Sache verzögert.

Umstritten war die Rolle von Großlagen und Bereichen, die von Kellereien gerne genutzt werden und - für den Verbraucher nicht unterscheidbar - wie Lagennamen daherkommen. Hier soll jetzt das Wort "Bereich" beziehungsweise "Region", etwas kleiner gedruckt, vorangestellt werden. Ein Kompromiss, auf den sich die Branche intern unter Mühen geeinigt hat.

Mit zwei weiteren Begriffen auf dem Weinetikett - "Bereich" und "Region" - soll das neue Weingesetz mehr Klarheit schaffen. (Foto: dpa Bildfunk, Malte Christians)
Mit zwei weiteren Begriffen auf dem Etikett - "Bereich" und "Region" - soll das neue Weingesetz mehr Klarheit auf deutschen Weinflaschen schaffen. Malte Christians

"Reform nicht dringend notwendig"

Andreas Wagner, Weingutinhaber aus Essenheim bei Mainz, sieht in der Reform weder Vorteile noch Nachteile. "Ich denke mit dem Kompromiss können wir alle leben,“ sagt der Winzer im SWR. Allerdings sei die Reform "nicht dringend notwendig gewesen."

"Für den Weintrinker ist letztlich entscheidend, wie schmeckt das, was ich ins Glas bekomme."

Andreas Wagner, Weingutinhaber aus Essenheim

"Die Chancen in einem Markt, egal ob national oder international, hat wenig mit dem Recht und mit der Bezeichnung eines Weines zu tun", glaubt der Winzer. Jede Region weltweit habe ihre Eigenarten.

Neues Weingesetz - was dahinter steht

Nach der EU-Regel, die seit 2012 gilt, ist die Qualität umso höher, je genauer die Herkunftsangabe auf dem Etikett formuliert ist. Nach dem alten deutschen Weinrecht galt grundsätzlich auch immer noch die Regel, dass die Qualität vom Zuckergehalt der Trauben abhängt - also je mehr Zucker, desto besser. Das ist aber schon lange kein Kriterium mehr für Qualität.

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Wie merken die Verbraucher das neue Weingesetz?

Vieles von dem, was jetzt kommt, ist am Markt längst umgesetzt. Faktisch haben viele Betriebe das neue System schon auf ihren Etiketten umgesetzt, sodass Verbraucher den Unterschied oft nicht feststellen werden.

Weintrinker kennen dieses System von Gutswein, Ortswein und Lagenwein im Grunde bereits. Bei den Gutsweinen steht die Rebsorte im Mittelpunkt, bei den Ortsweinen die Rebsorte und ein Ort, und beim Lagenwein eine bestimmte Lage, auf der auch nur ein paar klassische Rebsorten angebaut werden dürfen.

"Bereich" oder "Region"

Was jetzt neu dazukommt, sind zwei kleine Worte auf dem Etikett - entweder "Bereich" oder "Region". Wenn eines davon auf dem Etikett steht, handelt es sich bei diesem Wein eben nicht um einen Lagenwein, obwohl so etwas wie eine Lage hinterherkommt.

Das ist ein Kompromiss, der die Bedenken der Kellereien aufgreift. Sie wollen ihre alten Großlagen und Bereichsnamen nicht verlieren, die sie nach eigenen Angaben im Markt erfolgreich nutzen. Deswegen hat man diesen Weg gewählt. Klarer wird es für den Verbraucher dadurch nicht. Aber das war wohl der Weg zur Einigung.

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