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SWR-Wirtschaftsredakteur Michael Wegmer (Foto: SWR, Michael Wegmer)
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Katharina Fortenbacher-Jahn, SWR Aktuelle Wirtschaft (Foto: SWR, SWR)

Ob Notebooks, Spielzeug oder Sportartikel: Vielfach stockt der Nachschub aus China. Händler befürchten sogar, dass ausgerechnet im Weihnachtsgeschäft manche Produkte knapp werden.

Die chinesische Wirtschaft erholt sich nach dem Corona-Einbruch weiter. Während vielerorts noch Corona-Beschränkungen gelten, ist die Produktion dort schneller wieder angelaufen. Doch jetzt stockt es auf dem Weg zu den Kunden.

"Made in China" in der Pandemie besonders gefragt

Viele Produkte, die in der Corona-Pandemie benötigt werden kommen vor allem aus China. Der Verkauf chinesischer Produkte ins Ausland hat von Oktober auf November um 21,1 Prozent zugelegt - deutlich mehr als Beobachter erwartet hatten. Neben dem Bedarf an medizinischen Produkten wie Schutzmasken steigt auch die Nachfrage nach Elektronik, zum Beispiel fürs Homeoffice. Dazu kommen alltägliche Produkte und das Weihnachtsgeschäft, von Kühlschränken über Fahrräder bis zu Spielzeug.

Einzelhändlern fehlt im Weihnachtsgeschäft der Nachschub

Einzelhändler in Deutschland hoffen nach schwierigen Zeiten auf mehr Kunden. Doch gerade jetzt im Weihnachtsgeschäft können sie ihren Kunden womöglich gar nicht alle Wünsche erfüllen, weil Produkte nicht rechtzeitig da sind.

Im Sommer sei noch schwer abzusehen gewesen, wie viel bestellt werden muss, darauf weist der Experte für Onlinehandel, Nils Seebach, im Gespräch mit dem SWR hin. Jetzt sei der Nachholbedarf groß und das bringe die Logistik an die Grenzen.

Engpässe könne es bei im Grunde allen Produkten geben. Zu Notebooks, Computern und Bildschirmen hat Oliver Hellmold, Chef des Online-Händlers Notebooksbilliger, dem Handelsblatt gesagt, die Ware sei überall knapp. Es sei fraglich, ob die Vorräte bis Weihnachten reichten. Der Geschäftsführer des Fahrrad-Versands Rose Bikes, Markus Diekmann, spricht von einem riesigen Problem.

Massive Probleme auf allen Teilstücken beim Transport

Das Nadelöhr zwischen der Produktion in China und der großen Nachfrage ist im Moment der Transport. Viele Waren kommen schlicht überhaupt nicht los. Denn auf den Weltmeeren fehlt es zur Zeit an freien Containerkapazitäten, erklärt Thomas Gitzel, Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank. Die Schiffe seien bis obenhin voll, hat Thorsten Meincke, Vorstand für Luft- und Seefracht bei der Bahn-Spedition Schenker dem Handelsblatt gesagt. Alles was schwimme sei unterwegs.

Weihnachtsbaum mit Geschenke darunter (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand)
Weihnachtsbaum mit Geschenke picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand

Dazu kommt: per Flugzeug kann derzeit auch viel weniger transportiert werden. Fast die Hälfte der Lademöglichkeiten ist weggefallen. Denn es fehlt der sonst genutzte Stauraum in Passagierflugzeugen, die wegen der Corona-Krise nicht wie üblich unterwegs sind.

Ein Transport auf der Schiene kann die Engpässe nicht auffangen. Die Züge aus China sind nach Angaben von DB Schenker voll beladen. Zudem sei die Verteilung in Europa bis hin zum Endkunden schwierig, erklärt Nils Seebach.

"Auf allen Teilstücken der Reise eines Produktes von Asien zu uns nach Europa gibt es zurzeit massive Probleme."

Nils Seebach, Experte für E-Commerce, im Gespräch mit dem SWR

Abhängigkeit von China wird spürbar

Die aktuellen Engpässe machen für Handelsexperten deutlich, wie stark die Abhängigkeit von Asien gewachsen ist. Die Herstellerkapazitäten seien in Europa abgebaut und in China wieder aufgebaut worden, sagt Seebach.

"Eigentlich steckt in jedem Produkt, das wir nutzen, ein Teil aus China."

Nils Seebach, Experte für E-Commerce, im Gespräch mit dem SWR

Ein großes Problem sei, dass die Logistik und die Lagerkapazitäten nicht stark genug ausgebaut worden seien. "Just in Time" habe sich in der Krise als sehr schlechtes Mantra herausgestellt.

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