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Das übliche Festtags-Programm mit Besuchen und Kirchgängen fällt dieses Jahr aus. Martin Rupps ahnt: Das wird hart - und erfordert Vorbereitung.

Am Montag habe ich einen Korb bekommen. Meine 81-jährige Mutter hat mich zu Weihnachten ausgeladen. Auch die Brüder mit ihren Familien. Meine Mutter ist eine kluge Frau, sie wägt Wünsche und Risiken genau ab. Sie hat im Corona-Jahr ihr Leben über ihre Wünsche gestellt.

Besuch bei den Eltern kann diesmal ein Risiko sein

Jedes Weihnachtsfest mit meinen hochbetagten Eltern kann das letzte mit ihnen sein. Dieses Jahr gilt jedoch: Mit ein bisschen Pech sorge ich mit meinem Besuch dafür, dass es genau so kommt.

Am Weihnachtsbaum hängt ein Mund-Nasen-Schutz (Foto: Imago, imago images/MiS)
Am Weihnachtsbaum hängt ein Mund-Nasen-Schutz Imago imago images/MiS

So belastend diese Zeit ist, führt sie doch für viele zu klärenden Gesprächen mit Eltern, Verwandten und Freunden. Sie versichern sich der Bedeutung füreinander in einer Weise, wie sie es beim üblichen Weihnachtsbesuch vielleicht nicht tun. Nicht ich selbst, aber meine Gedanken werden an Weihnachten bei meinen Eltern sein, in größerer Dankbarkeit als sonst. Und der besonderen Hoffnung, beide am nächsten Heiligabend noch zu haben.

Dieses Weihnachten, die Corona-Situation macht es unausweichlich, werden mehr Alleinstehende als sonst alleine feiern, mehr Paare zu zweit bleiben, mehr Familien ohne Oma und Opa. Es gibt kein Entkommen durch Weihnachtsfeiern bei sozialen Einrichtungen und Kirchengemeinden.

Was tun, wenn Familien getrennt feiern müssen?

Darin sehe ich – auch für mich persönlich – die besondere Herausforderung der kommenden Feiertage. Es reicht dieses Mal nicht, glaube ich, Weihnachten einfach auf sich zukommen zu lassen. Es wäre der direkte Marsch in die Depri-Falle.

Weihnachten 2020 braucht Pläne und Vorhaben, braucht Vorbereitung dieser Vorhaben. Unfreiwillig haben wir im Lockdown Zeit dafür. 2020 müssen wir im übertragenen Sinn nicht nur einen, sondern gleich mehrere Weihnachtsbäume aufstellen und schmücken. Es kann spannend sein, aus der Not eine Tugend zu machen.

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