STAND
AUTOR/IN

Die beiden Türme des stillgelegten Atomkraftwerks Philippsburg sind seit Donnerstag Geschichte. Damit haben die Anwohner wieder freie Sicht, doch nicht alle freuen sich darüber. Es ist auch Wehmut dabei.

Am Donnerstagmorgen standen etliche Schaulustige dabei, als die beiden Türme in sich zusammensackten. Ein durchaus emotionaler Moment für viele.

"Mein Herz zerreißt, das war meine Kindheit."

Anwohnerin in Philippsburg

"Die Türme waren ein Teil von uns."

Anwohner in Philippsburg

"Habe das Kraftwerk auch mit Heimat verbunden."

Anwohner in Philippsburg

Warum Menschen an den veralteten Türmen hängen, erklärt die Geographin Susanne Kost im SWR so: "Die Anwohner sahen die Türme vielleicht auch als Willkommensgruß, ohne im Hinterkopf zu haben, dass das eigentlich ein Atomkraftwerk ist." Als Beispiel nennt Kost die Rückkehr aus dem Urlaub. "Wenn man nach Hause kommt, merkt man es immer daran, wenn man eine besondere Landmarke sieht." Insofern könne man verstehen, dass Menschen es bedauerten, dass die Türme verschwunden sind.

Für die Verantwortlichen war das AKW schlicht nicht mehr von Nutzen

Dass Menschen den Türmen hinterher trauerten, könnte ihrer Ansicht nach aber auch noch einen anderen Grund haben. "So ein Baukörper kann auch ein besonderer Merkpunkt in der Region sein. Darüber machen sich viele Verantwortlichen oft keine Gedanken." Laut Kost folgen Entscheidungsträger stattdessen oft einer gewissen Logik. "Das Kraftwerk ist gebaut worden, um Strom zu erzeugen, dann wurde es nicht mehr gebraucht, wurde abgeschaltet und jetzt gesprengt."

Was man hätte anders machen können

Für Kost lohnt sich hier der Blick ins Ruhrgebiet. "Die Industriekultur ist da sozusagen ein richtiger Markenname geworden. Viele der Industriekulturstätten stehen noch und sind heute tolle Veranstaltung-s und Begegnungsstätten." Oder, so Kost im SWR weiter, das ehemalige Kernkraftwerk in Kalkar am Niederrhein, bekannt unter dem Nahmen der schnelle Brüter. Der sei nie ans Netz gegangen und sei heute ein Freizeitpark.

Mehr zum Thema

Das Ende einer Ära Die Kühltürme in Philippsburg sind gesprengt

Um 6:05 Uhr am Donnerstagmorgen hat in Philippsburg (Landkreis Karlsruhe) die Sprengung der beiden AKW-Kühltürme stattgefunden. Das hat die EnBW mitgeteilt.  mehr...

Erneuerbare Energien ersetzen Atomkraft Konverter statt Kühltürme - so geht es in Philippsburg mit dem Strom weiter

Nach Abschalten des Atomkraftwerks und Sprengen der landschaftsprägenden Kühltürme wird an ihrer Stelle ein Konverter für Strom aus Windkraft gebaut. Er kommt mit Ultranet aus dem Norden.  mehr...

Das Ende einer Ära Die Geschichte des Kernkraftwerks Philippsburg

Am Silvesterabend 2019 ist das Kernkraftwerk in Philippsburg (Kreis Karlsruhe) endgültig vom Netz gegangen. Die Sprengung der beiden Kühltürme steht symbolhaft für die wechselhafte Geschichte der Kernenergie.  mehr...

STAND
AUTOR/IN