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Die Große Koalition hat sich mit einer Wasserstoffstrategie lange schwer getan. Im Corona-Konjunkturpaket sind jetzt sieben Milliarden Euro für den teuren Energieträger vorgesehen.

Das Bundeskabinett hat eine Wasserstoff-Strategie beschlossen. Damit sich der klimafreundliche Energieträger durchsetzt, sollen in den nächsten Jahren sieben Milliarden Euro investiert werden. Ziel ist es, Wasserstoff aus erneuerbaren Energien vor allem in der Industrie zu etablieren.

Deutschland soll Weltmarktführer der Wasserstoff-Technik werden

Etliche Politiker und Wissenschaftler sehen in Wasserstoff den Allzweck-Energieträger der Zukunft. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek bezeichnet ihn sogar als "das Erdöl von morgen". Sie will Deutschland mit der Wasserstoffstrategie zum globalen Vorreiter machen und zum Weltmarktführer in der Technik. Die sieben Milliarden aus dem Konjunkturpaket sollen jetzt mit für den Durchbruch von Wasserstoff sorgen.

Ziel ist unter anderem, bis spätestens 2040 Elektrolyse-Kapazitäten von zehn Gigawatt aufzubauen. Zudem soll die Produktion gefördert werden durch Abgabe-Befreiungen für Wind- und Solarstrom, mit dem Wasserstoff aus Wasser erzeugt werden soll.

Wasserstoff ist vielseitig verwendbar - Markt fehlt aber noch

Wasserstoff ist deshalb so interessant, weil er vielseitig verwendbar ist. Die Industrie braucht das Gas, es kann als Kraftstoff genutzt werden und als Energiespeicher. Wenn der Wasserstoff mithilfe von Sonnen- und Windenergie erzeugt wird, ist er auch ein Klimaschützer und kann die CO2-Emissionen von Industrie und Verkehr deutlich verringern. 

Da Wasserstoff aber nicht einfach als Rohstoff zur Verfügung steht und nur gebunden vorkommt, muss er zuerst gewonnen werden. Das ist teuer und verbraucht derzeit selbst noch viel zu viel Energie. Die Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung soll deshalb sowohl den technischen Ausbau fördern als auch die Voraussetzungen schaffen, dass überhaupt ein Markt für Wasserstoff entsteht. 

Wasserstoff-Technik läuft schon in Linienbussen

Im Rhein-Main-Gebiet sind etwa elf Linienbusse unterwegs, darunter auch in Mainz. Sie fahren mithilfe von Wasserstoff völlig emissionsfrei und nahezu lautlos. Entsprechende Züge sollen folgen. 

Das Konzept ist auch für Lkw interessant. Große Fahrzeuge erreichen dank Wasserstofftank eine deutlich höhere Reichweite. Das Gas reagiert in Brennstoffzellen mit Luftsauerstoff, die erzeugen dann Strom für einen Elektromotor.

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Wichtig für die Energiewende: Überschüssige Energie zwischenlagern

In Mainz gibt es ein Pilotprojekt, in dem aus Windenergie Wasserstoff erzeugt wird. Er kann entweder zum Tanken der Wasserstoff-Busse genutzt oder aber gespeichert werden. Dieses Speichern ist für die Energiewende entscheidend, um überschüssige Energie aus Wind und Sonne quasi als Wasserstoff zwischenzulagern, bis sie tatsächlich im Stromnetz gebraucht wird. 

Zudem kann Wasserstoff etwa 95 Prozent der CO2-Emissionen sparen, die in der Stahlindustrie anfallen. Wenn in den Hochöfen Wasserstoff statt Koks genutzt wird, entsteht beim Schmelzen von Eisenerz nicht länger massenweise Kohlendioxid - sondern lediglich Wasser. 

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