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Der Tod von George Floyd dominiert das Netz. Unter #BlackLivesMatter und #BlackoutTuesday posten Millionen Nutzer ihre Wut - auch weil diese Form des Protests wenig erfordert.

Es handele sich um eine "niederschwellige" Form des Widerstands, erläutert die Politikwissenschaftlerin Marianne Kneuer im SWR. Sie hat an der Uni Hildesheim den Forschungsbereich "Internet und Politik" aufgebaut.

Kein intensives Engagement erforderlich

Die Gründe das Netz zum Verbreiten von Protest-Botschaften zu nutzen, lägen auf der Hand. Das "Posten" oder "Teilen" von Nachrichten sei zeitlich nicht sehr aufwendig – ein Häkchen als "Like" schnell gesetzt. "Es braucht also kein intensives Engagement, um sich im Netz solidarisch zu erklären."

Viralität als Pluspunkt von Protest im Netz

Kampagnen in den sozialen Netzwerken hätten außerdem den Vorteil, dass Botschaften viral gingen und über Ländergrenzen hinweg Beachtung fänden. "Eine größere Menge von Nutzerinnen und Nutzer wird angesprochen", erläutert die Politikwissenschaftlerin. "Möglichst viele Leute können sich für oder gegen etwas aussprechen."

Der Protest in den sozialen Netzwerken biete allerdings keine Garantie, dass die angeprangerten Missstände behoben und die Probleme gelöst würden. Deshalb würden Aktionen in den meisten Fällen sowohl auf der Straße als auch im Netz stattfinden.

Soziale Netzwerke dienen der Organisation

Die sozialen Netzwerke spielten bei der Kommunikation eine große Rolle. Das Netz sei ein wichtiges "Organisationsmedium", in dem der Protest geplant werde. Die Aktionen fänden dann aber wieder auf der Straße statt, was man nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd beobachten könne.

Brutaler Einsatz

Floyd war nach einem brutalen Polizeieinsatz gestorben. Ein Beamter hatte ihn minutenlang ein Knie in den Nacken gedrückt. Auch als der 46-Jährige flehte, er bekomme keine Luft mehr, ließ der Polizist nicht von ihm ab. Passanten filmten das Vorgehen. Das Video führte weltweit zu Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt .

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