Abgestorbene Fichten in der Nähe von Engelskirchen-Ründeroth  (Foto: imago images, IMAGO / Manngold)

Vorstellung des Waldzustandsberichtes

Wie sehr leiden der Wald und seine Besitzer?

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Dem Wald in Deutschland und im Südwesten ging es auch im letzten Jahr nicht gut. Das zeigt der neue Waldzustandsbericht. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) will Waldbesitzern Hilfen zukommen lassen. Ob das reicht, ist fraglich.

Hitze und Trockenheit führen zu schadhaftem Holz – und das wieder zu einem wirtschaftlichen Schaden für die Waldbesitzer, erklärt Denny Ohnesorge, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Holzwirtschaftsrats, im SWR:

Waldbesitzer haben wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe

"Es gibt Schätzungen, die von mehreren Milliarden Euro ausgehen. In diesem Schaden ist der Erlösverlust durch niedrige Holzpreise enthalten, aber auch durch Totalausfälle – denn viele der durch den Borkenkäfer geschädigten Wälder sind noch gar nicht geerntet worden. Das heißt, das Holz steht dort im Wald und verliert an Wert. Hinzu kommen dann noch die Kosten für die Wiederaufforstung der Wälder." Der Schaden sei tatsächlich sehr, sehr groß.

Dass den Waldbesitzern Hilfen zukommen sollen, sei zu begrüßen. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Holzwirtschaftsrates glaubt aber nicht, dass diese ausreichen werden: "Der Klimawandel wird die weiteren Systeme verändern. Ich muss auch sagen, wir sind von der Schnelligkeit dieser Auswirkungen auf den Wald überrascht. Uns ist klar, dass die Wälder umgebaut werden müssen, weil es einfach wärmer wird in Deutschland – aber wir haben einfach damit gerechnet, dass wir etwas mehr Zeit haben."

Appell an Politik: Den Umbau des Waldes dauerhaft unterstützen

Dies bedeute, dass es eine Daueraufgabe sei, die Waldbesitzer dabei zu unterstützen, den Wald aktiv umzubauen. Hierzu müssten unter anderem neue, klimaresistentere Baumarten gepflanzt werden, die auch in der Holzindustrie gut verwertet werden können. "Man kann da sicherlich sehr viel mehr machen, aber das kostet Zeit und vor allem auch finanzielle und personelle Ressourcen. Die Anstrengungen müssen auf jeden Fall größer werden."

Die Veränderungen des Waldes beobachtet auch Thomas Waldenspuhl, der Leiter des Nationalparks Schwarzwald. Im SWR sagte er:

"Der Wald leidet massiv unter den Klimaeinwirkungen. Diese Trockenheit und diese daraus resultierende Anfälligkeit der Bäume – die ist massiv. Wir gehen hier in eine Zukunft rein, die wir nicht mehr steuern und berechnen können. Und das ist sehr gravierend."

Wie Fichte, Tanne und Buche leiden

Die drei gängigen Baumarten in Deutschland - Fichte, Tanne und Buche - seien davon massiv beeinflusst, "insbesondere die Fichte durch die sehr hohen Temperaturen und langen Trockenzeiten 2018, 2019 und 2020. Die ist sehr anfällig geworden, weil das für die Borkenkäfer, die die Fichte angreifen, ein Paradies ist."

Bei der Tanne gäbe es Probleme, da sie ein "Tiefwurzler" ist: "Im tieferen Boden ist auch nicht mehr genügend Feuchtigkeit." Die Buche komme als Laubbaum etwas besser mit dem Klima zurecht, habe aber auch schon Probleme.

In 100 Jahren sei auf Grund hoher Temperaturen und unregelmäßiger Niederschläge eine massive Veränderung zu erwarten: "Das Problem ist, dass damit eine Gefährdung unserer Lebensgrundlage vorhanden ist." Die Artenvielfalt und die Biodiversität sei massiv gefährdet.

"Das heißt, die Bilder, die wir im Kopf haben vom Wald, werden sich langfristig ändern."

Waldzustandsbericht: Schlechtestes Ergebnis seit 40 Jahren

Schwarz auf weiß nachlesen lässt sich der Befund im jetzt vorgestellten Waldzustandsbericht. Den gibt es seit den 1980er Jahren, und nie zuvor waren die Ergebnisse so schlecht: Acht von zehn Bäumen sind krank, heißt es darin. Nie zuvor waren so viele der untersuchten Bäume abgestorben. Damit bestätigt der bundesweite Befund die Negativ-Rekorde, die auch schon die Waldzustandsberichte für Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ergeben hatten: Auch im Südwesten ist der Wald stark geschädigt. Die Hauptursache: drei Dürrejahre in Folge.

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Die Trockenheit sorgt bei den Bäumen für Stress. Fichten, zum Beispiel im Hunsrück oder dem Schwarzwald, werden anfällig für den Borkenkäfer. Kiefern, vor allem in Rheintal, sind so schwach, dass sie den schmarotzenden Misteln kaum etwas entgegenzusetzen haben. Buchen werfen immer früher ihre Blätter ab und leiden in der Folge unter Nährstoffmangel. Auch Esche oder Ahorn haben Pilzkrankheiten kaum etwas entgegenzusetzen.

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Hoffnungsschimmer: Eiche, Spitzahorn, Elsbeere und Hainbuche

Doch zwischen all den toten und kranken Bäumen, gibt es auch einige wenige, die Hoffnung machen. Zum Beispiel im Hardtwald, sagt Bernd Schneble vom Forst Baden-Württemberg. "Die Eiche ist eine Baumart, die sich gut bewährt hat. Der Spitzahorn wächst. Die Elsbeere wächst. Die Hainbuche macht uns keine Probleme. Also von daher muss man sagen, es ist nicht so, dass es keine Bäume geben würde."

Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg setzen auf Tanne und Eiche

Das gilt auch landesweit: Sowohl in Rheinland-Pfalz als auch in Baden-Württemberg bestätigen die Waldzustandsberichte, dass die Eiche vergleichsweise gut dasteht. In Baden-Württemberg auch die Tanne. Solche Hinweise können entscheidend sein. Denn für den Wald der Zukunft ist es wichtig, Bäume mit Zukunft zu finden, die dem Klimawandel und extremem Wetter trotzen können. Doch bis die gefunden und nachgewachsen sind, dürften noch Jahrzehnte vergehen.

Kurzfristig wird sich am schlechten Zustand des Waldes erstmal nichts ändern. Und das, obwohl in den vergangenen Wochen viel Regen und Schnee auf die ausgetrockneten Böden gefallen ist. Denn viele Schäden im Wald zeigen sich erst mit langer Verzögerung. Die drei Trockenjahre werden noch lange nachwirken.

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