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Die Grünen verstehen es geschickt, Hoffnung und ein gutes Gewissen zu stiften, meint Martin Rupps. Sie wissen, wie man Menschen fängt.

Eine Freundin, Michelle, hat ein Geschäft für Damenmode geführt, das sie wegen des langen Lockdowns schließen musste. Seit Montag schult sie zur Pflegefachkraft um. Ich habe hohen Respekt vor Michelles Entscheidung, weil sie in ein zwar neuerdings beklatschtes, aber nicht angemessen bezahltes Berufsfeld geht. Ein wichtigeres als andere, denn die Zahl von Pflegefällen nimmt stetig zu.

Wir haben meines Erachtens dringlichere, ganz wörtlich näher liegende Probleme als den Klimaschutz. Wir steuern vielleicht auf eine Klimakatastrophe zu, aber mit der Pflegekatastrophe dürfen wir fest rechnen. Und mit der Altersarmutskatastrophe. Und, und, und. Wie kann es dann sein, dass die Grünen mit abstrakten Politikzielen wie dem Klimaschutz so viel Erfolg haben? Wer grün wählt, will uns Annalena Baerbock und Co. glauben machen, rettet die Städte, das Klima, ja die Welt.

Mich sorgt der starke Magneteffekt solcher Heilsversprechen, deren Erfüllung bzw. Nicht-Erfüllung in einer fernen Zukunft liegt. Union und SPD begünstigen diesen Effekt, weil sie das grüne Original schlecht kopieren, statt auf voraussehbare Gefahren in anderen Politikbereichen hinzuweisen und Gegenmittel zu entwickeln. Die ehemaligen Volksparteien kann nur retten, dass sie sich auf die Probleme unserer vergreisenden Gesellschaft – Rente, Krankheit, Pflege – besinnen.

Die Grünen verstehen es geschickt, Hoffnung und ein gutes Gewissen zu stiften. Mit den Grünen an der Macht, lautet die Botschaft, bleibt die Erde heil. Wählt grün, so leistet Ihr Euren menschenmöglichen Beitrag dafür! Es ist die Logik von Menschenfängern. Sie beherzigen die Erkenntnis des französischen Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry: "Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen. Sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer."

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