Farben, Köpfe, Wörter im Kommunalwahlkampf 7 Wahlplakate unter der Lupe

Köpfe, Sprüche oder Farben - welche Plakate funktionieren im Kommunalwahlkampf? SWR Aktuell hat einen Publizistikprofessor und eine junge Studentin um eine Analyse gebeten.

Kommunalwahlkampf in Rheinland-Pfalz 7 Wahlplakate unter der Lupe

Kommunalwahlplakat der Freien Wähler in Mainz (Foto: SWR)
Da passt kein Blatt zwischen den Wissenschaftler und die Studentin: "Das klingt super umständlich, die ganzen Trennstriche machen das Lesen schwierig", kommentiert Veyhelmann. Oder in Worten von Daschmann: "Ein Wort mit 21 Buchstaben ist auf einem Plakat der Overkill." Er erkennt zudem den klassischen Versuch, den Wähler durch Steuergeschenke zu gewinnen. Für die Studentin bleibt durch die hochgehaltene rote Karte vor allem ein negativer Eindruck hängen. Bild in Detailansicht öffnen
"Dieses Plakat wirkt wie ein trauriger Versuch, möglichst viel Sympathie zu wecken, ohne sich politisch festzulegen", meint die Studentin. Sie stört sich auch am Herz: "Süß - aber dadurch wirkt es noch weniger vertrauenswürdig." Kandidaten-Plakat – für Daschmann eigentlich die beste Lösung, aber die Farbwahl findet er hier eher unglücklich: Das schwarze Hemd wirke dominant, der blaue Hintergrund verblasse. "Das schadet dem Kandidaten." Und schließlich komme das Rot als SPD-Farbe viel zu kurz. Bild in Detailansicht öffnen
Ein klassisches Themenplakat, bei dem sich der Publizistikprofessor fragt: "Versteht jeder, dass es wohl um den Bau einer weiteren Rheinbrücke geht?" Offenbar nicht, denn die junge Studentin sagt: "Der Slogan hat auf mich keine Aussagekraft. Was genau ist mit 'Brücken bauen' gemeint? Zwischen Menschen?" Das Bildmotiv findet Daschmann ebenfalls nicht gelungen: "Warum thematisiert man die fehlende Brücke mit dem Bild einer vorhandenen?" Bild in Detailansicht öffnen
Daschmann redet nicht lange um den heißen Brei: "Leider völlig daneben", meint er. Der philosophisch anmutende Satz sei zu tiefgründig und komplex für ein Plakat. Die Botschaft werde nicht ankommen. Die marktschreierische Standard-Farbe helfe da auch nicht. Und: "Herrn Puderbach – Pardon! hätte man gewiss vorteilhafter in Szene setzen können." Das sieht die Studentin genauso, ihr gefällt hingegen der Slogan: "Der trifft einen Nerv der Mainzer." Bild in Detailansicht öffnen
Auf diesem Plakat ist viel grün - der Wiedererkennungswert ist groß, so die einhellige Meinung von Daschmann und Veyhelmann. Auf die Studentin wirkt die jugendliche Sprache allerdings etwas "Möchtegern" und sie fragt sich: "Spricht die Partei damit auch die ältere Generation an, die ja einen Großteil der Wähler ausmacht?" Daschmann hat Zweifel, ob man die Botschaft versteht. Er empfiehlt, eher die eigenen zukünftigen Pläne als zurückliegende vermeintliche Leistungen zu plakatieren. Bild in Detailansicht öffnen
"Mehr Effekt geht kaum....", meint Daschmann. "Auch wenn es den meisten langweilig und bieder erscheinen mag, ist dieses Plakat das beste aller exemplarisch ausgewählten." Es mache den Kandidaten bekannt und lasse ihn im ersten Eindruck sympathisch erscheinen. Der jungen Studentin ist Sympathie zu wenig: "Was will die ÖDP erreichen?" Veyhelmann nimmt einen grauen Mann vor grauem Hintergrund wahr und entziffert die Botschaft: "Wenn Du uns wählst, wählst du eine in die Jahre gekommene Generation." Bild in Detailansicht öffnen
Gestalterisch aussagekräftig, das meinen beide Plakat-Tester. Meuthen werde in weitblickender Feldherrnpose inszeniert, so Daschmann. Bei der Studentin löst das ein Gefühl von Bedrohung aus. Mit Blick auf den Inhalt sagt Daschmann: "Der Wolf im Schafspelz". Das meint auch die Studentin: "Jeder kann in 'Freiheit'‘ hineininterpretieren, was er möchte." Während viele Wähler unter Freiheit ein freies Europa verstünden, bedeute der Begriff für die Rechten eine Freiheit von Europa, ergänzt Daschmann. Bild in Detailansicht öffnen

Für den Mainzer Publizistikprofessor Gregor Daschmann ist die Sache klar: "Im Kommunalwahlkampf sind Plakate mit Köpfen ein Muss." Der Grund: Es gebe sonst kaum Plattformen, auf denen die Kandidaten medial stattfinden.

Die Menschen wüssten einfach gerne, wie die Personen aussehen, die sie wählen. Seine Analyse zeigt aber, dass es mit einem Portrait-Foto nicht einfach getan ist.

Publizistikprofessor Gregor Daschmann und Studentin Anna Veyhelmann (Foto: SWR)
Was sieht der Medienexperte, was die potenzielle Wählerin?

Während Daschmann die Plakate als Kommunikationsexperte beurteilt, geht die 24-jährige Studentin Anna Veyhelmann aus Mainz mit dem Nutzer-Blick an die Sache ran. Das Ergebnis ist erstaunlich.

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