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Kein dominierendes Thema, aber drängende Probleme: Im Kommunalwahlkampf in Ulm geht es um steigende Mieten, fehlenden sozialen Wohnungsbau und die Verkehrssituation in der Stadt.

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In Ulm wird seit Jahren großflächig gebaut. Der Bau der Straßenbahnlinie 2 hatte daran einen großen Anteil. Doch selbst nach Abschluss dieser Arbeiten beruhigt sich die Lage nicht. Zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt entsteht ein neues Wohn- und Geschäftsquartier, die "Sedelhöfe". Der Bahnhof selbst wird umgebaut, die Bahnstrecke Wendlingen-Ulm sorgt immer wieder für Sperrungen im Bahnverkehr.

Ein Blick in die Wahlprogramme der im Gemeinderat vertretenen Parteien zeigt, dass weitere Bauprojekte gefordert werden, etwa die Sanierung der Fußgängerzone und der Ausbau der Wilhelmsburg hoch über der Stadt.

Ein Blick auf die Baustelle für das Sedelhof-Quartier in Ulm im April (Foto: SWR, Patrick Lee)
Offizieller Baubeginn für die "Sedelhöfe" war im Jahr 2016 Patrick Lee

Ein wichtiges Thema, das sich die Parteien auf die Fahnen geschrieben haben, ist der soziale Wohnungsbau. Es fehlt an bezahlbaren Wohnungen, wie anderswo auch steigen die Immobilienpreise seit Jahren. Die geplante, schnellere ICE-Verbindung nach Stuttgart ist einer der Gründe.

Auch die aktuelle Verkehrssituation wirkt sich auf den Wahlkampf aus. In Zeiten, in denen ein kleiner Auffahrunfall den Berufsverkehr in der ganzen Stadt lähmen kann, gibt es viele Vorschläge. Sie reichen von einer dritten Straßenbahnlinie über eine intelligente Verkehrssteuerung bis zum Ausbau des Radverkehrs.

Für Radler gab es schon Verbesserungen, doch es gibt noch viel zu tun. Im jüngsten Fahrradklimatest des ADFC hat Ulm gerade mal die Schulnote 4 bekommen.

Ansichten der Ulmer Innenstadt (Foto: SWR, Maren Haring)
Die jüngste Fahrradstraße ist die Heimstraße in Ulm. Hier haben Radfahrer Vorrang, die Stadt bemüht sich um den weiteren Ausbau des Radnetzes Maren Haring

Heiß diskutierte Verkehrsberuhigung

Schon seit einiger Zeit weist die Stadt immer mehr Tempo-30-Zonen aus. Die Verkehrsberuhigung der Innenstadt wird heiß diskutiert. Die Durchfahrt am historischen Rathaus ist testweise gesperrt, seitdem ringen Befürworter und Gegner des Versuchs miteinander.

Innenstadt soll grüner werden

Die Begrünung der Innenstadt ist ebenfalls Thema in mehreren Wahlprogrammen: Der BUND hatte Ulm bescheinigt, in ganz Baden-Württemberg auf einem der letzten Plätze zu sein, wenn es um Bäume in der Stadt geht.

Ulm in Bildern Ein verrückter Hund, die Bundesfestung und der Münsterturm

Ansichten der Ulmer Innenstadt (Foto: SWR, Maren Haring)
Übrig gebliebene Bauwerke der Bundesfestung sind im ganzen Ulmer Stadtgebiet zu sehen, wie hier der Untere Donauturm am Donauufer. Die Gebäude werden heute zum Teil von Vereinen genutzt. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen
Der wohl beliebteste Stadtpark in Ulm, die Friedrichsau, ist seit mehr als 200 Jahren das Naherholungsgebiet für die Ulmer. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen
Eine von drei zentralen Brücken, die Ulm und Neu-Ulm verbinden: die Gänstorbrücke. Sie ist sanierungsbedürftig und seit Monaten nur noch zweispurig zu befahren. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen
Das Ulmer Münster ist von vielen Punkten aus zu sehen. Hier lukt es am Donauufer zwischen den Bäumen hervor. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen
Der "Red Dog for Landois" von Keith Haring war ursprünglich im westfälischen Münster zu sehen, machte in Karlsruhe Zwischenstation und ist seit nun zehn Jahren vor der Kunsthalle Weishaupt zu bewundern. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen
Das historische Rathaus in Ulm. Die Straße davor sorgt seit Wochen für Streit, sie ist versuchsweise für den Durchgangsverkehr gesperrt. Anwohner und Geschäftsinhaber hatten sich über die massive Verkehrsbelastung beklagt. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen
Offizieller Spatenstich war 2016, doch die Baustelle für die Sedelhöfe hat eine längere Geschichte: 2013 hatte der Abriss der Gebäude begonnen, doch der Investor stieg aus. Bis ein neuer gefunden wurde, stand die Baustelle still. Patrick Lee Bild in Detailansicht öffnen
Ein weiteres Ulmer Projekt: Die Fahrradstraßen. Die Heimstraße ist erst 2019 umgewidmet worden. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen
Und zwischen hohen Gebäuden lukt wieder das Münster hervor. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen
Das Stadthaus in Ulm, gestaltet vom berühmten Architekten Richard Meier. Vor Baubeginn war der Baustil umstritten, inzwischen ist das Gebäude akzeptiert und Ort vieler Ausstellungen. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen
Der Bauzaun am hinteren Teil des Ulmer Münsters steht dort seit mehr als 25 Jahren. Eigentlich könnte er schon abgebaut sein, doch der Münsterbaumeister fürchtet, dass "Wildpinkler" auch vor einer frisch sanierten Kirchenmauer nicht Halt machen. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen
Und da ist der obere Teil des Münsterturms in voller Größe. Fotografen haben schon viel versucht, um Turm und Münsterplatz auf das Bild zu bekommen. Das klappt selten. Der höchste Kirchturm der Welt misst gut 161 Meter. Maren Haring Bild in Detailansicht öffnen

Eine lebenswerte Stadt

Die Ulmer sind alles in allem ganz zufrieden mit ihrer Stadt. Eine Studie des Prognos Institutes im Auftrag des ZDF hatte 2018 ergeben, dass Ulm eine der lebenswertesten Städte Deutschlands ist. Unter mehr als 400 Kreisen und Städten belegt Ulm den 10. Platz. Freizeit und Natur wurden besonders gelobt.

Blick auf das Donaufest am Ulmer und Neu-Ulmer Ufer bei Nacht (Foto: Donaubüro Ulm/Neu-ulm)
Alle zwei Jahre zieht das Internationale Donaufest tausende Besucher an (Archivbild) Donaubüro Ulm/Neu-ulm

Die Donau ist Dreh- und Angelpunkt vieler Freizeitaktivitäten, vom Joggen am Uferweg bis zum Grillen in der Friedrichsau, dem großen Stadtpark an der Donau. Alle zwei Jahre wird das Internationale Donaufest gefeiert. Dann präsentieren sich an beiden Ufern alle zehn Anrainerstaaten. Jedes Jahr gibt es den "Schwörmontag". Beim berühmten "Nabada" am Nachmittag dieses Stadtfeiertages schwimmen Themenschiffe und Musikkapellen auf Booten die Donau hinunter, begleitet von hunderten Schlauchbooten, den "wilden Nabadern".

Tausende Teilnehmer auf der Donau beim Ulmer Nabada am Schwörmontag (Foto: SWR, Philipp Link-Ehnert)
Zum Schwörmontag gehört auch das berühmte "Nabada", der Wasserumzug auf der Donau (Archivbild) Philipp Link-Ehnert

Ulm und Neu-Ulm

Zu ihrer bayerischen Schwesterstadt Neu-Ulm, die am anderen Donauufer liegt, hat Ulm eine wahrlich geschwisterliche Beziehung. Es gibt viele gemeinsame Projekte. Millionenschwere Investitionen in die Ratiopharm Arena oder auch ins Donaubad werden gemeinsam gestemmt. Doch manches trennt die Städte auch, nicht zuletzt die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Bundesländern.

Wissenschaftsstadt auf dem Eselsberg

Seit dem Zweiten Weltkrieg hat Ulm einen grundlegenden Wandel erfahren. Am deutlichsten wird das in der Entwicklung der Wissenschaftsstadt auf dem Eselsberg. Mit der Ansiedlung von Wirtschaftsunternehmen und Wissenschaft an einem Standort gelang der Übergang vom bis in die 1980er Jahre dominierenden verarbeitenden Gewerbe zu Wissenschaft und Forschung. Heute arbeiten am Ulmer Eselsberg fast 12.000 Menschen.

Die Universität Ulm mit ebenfalls fast 12.000 Studierenden ist hier angesiedelt. Sie ist eine der jüngsten Unis im Land, 2017 feierte sie ihr 50-jähriges Bestehen.

Die Kultureinrichtungen reichen vom Theater Ulm über das erste türkische Theater Süddeutschlands, das "Theater Ulüm" bis zum traditionsreichen Ulmer Zelt. Dort treten jedes Frühjahr etwa sieben Wochen lang Bands, Kabarettisten und Schauspieler auf. Neu ist das "Verschwörhaus": Es lässt sich als Forschungsstätte beschreiben, die die Stadt Ulm für die Bürger eingerichtet hat.

Hauptattraktion für die meisten Touristen ist das Ulmer Münster mit dem höchsten Kirchturm der Welt. Der Turm wurde später fertiggestellt als der gotische Kirchenbau und feierte 2015 sein 125-jähriges Bestehen.

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