STAND

Stuttgart wächst. Die Zahl der Senioren nimmt zu, aber auch die Zahl junger Familien. "Wohnraum" ist seit Jahren das beherrschende Thema – und es wird immer dringender.

Derzeit liegt die Einwohnerzahl bei 633.500, bis 2030 könnte nach jüngsten Prognosen die 650.000er-Einwohnermarke erreicht werden. Während preiswerte Wohnungen eigentlich nur noch im Bekanntenkreis zu finden sind, steigen die Preise für Eigentumswohnungen immer weiter.

Dauer

Kaum Platz zum Wohnen

Bei 4.000 Euro pro Quadratmeter liegen die Einstiegspreise. Die Mieten für Altbaubestandswohnungen sind derzeit bei 13 - 16 Euro pro Quadratmeter bei einer Neuvermietung angekommen. Wer kann, zieht in den Speckgürtel der Landeshauptstadt, in die Landkreise Rems-Murr, Böblingen, Ludwigsburg, Esslingen oder Göppingen.

Dauer

Neue Tarife sollen Entlastung bringen

Die jüngste Tarifzonenreform ist ein Hebel, um das Einpendeln zur Arbeit in Stuttgart attraktiver zu machen. Stuttgart braucht Wohnungen: Mietwohnungen, Eigentumswohnungen - nur - es gibt sie nicht. Vor allem bezahlbare Wohnungen sind Fehlanzeige. Im sozialen Wohnungsbau entstanden 2018 nur 185 neue geförderte Wohnungen. Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hat in seinem Wahlkampf 2012 versprochen, den Wohnungsmarkt zu entspannen. So richtig gelungen ist das bislang nicht.

Das Dieseldebakel

Dauer

Stuttgart hat als einzige Stadt in Deutschland ein flächendeckendes Diesel-Fahrverbot für ältere Autos. Der Streit um die schlechte Luft und den Diesel spaltet die Stadt. Rund 70.000 Autofahrer in der Region und in der Landeshauptstadt mit Euro-4-Diesel und schlechter sind davon betroffen. Hinzu kommen Besucher und Touristen, die gerne kommen würden, aber nicht mehr dürfen.

Euro-4-Diesel entzweit die Stadtgesellschaft

Die Stilllegung des teuer angeschafften Autos per Gesetz empfinden viele als Enteignung durch die Hintertür. Nicht zuletzt, weil dieses Eisen so heiß ist, kommt eine neue Partei eigens dafür in den Kommunalwahlkampf "Keine Fahrverbote in Stuttgart". Seit Wochen demonstrieren die Betroffenen am Neckartor. Seit der Wahltermin näher rückt, gesellen sich auch Politikvertreter zu den Unzufriedenen. Das Dieselfahrverbot wurde noch vor dem Wahlkampf gelockert. Außerdem versuchen es die Verantwortlichen bei Stadt und Land mit Fassadenfarbe als Stickoxid-Killer. Zusätzliche Fahrbahnen für Busse, Tarifzonenreform, Firmentickets und 38 weitere Messstellen sollen verhindern, was der Supergau nach der Wahl wäre: Fahrverbot für Euro-5-Diesel. Eine Entscheidung soll erst nach der Wahl fallen.

Stau statt Shopping

Dauer

Gelitten hat aber schon heute der Ruf der Einkaufsstadt Stuttgart. Vom Bodensee und aus München seien die Kunden nach Stuttgart gefahren, schwärmt noch mancher Einzelhändler. Heute klagen viele Ladeninhaber. Grund ist auch hier das Internet, das Millionenumsätze aus Stuttgart abzieht. Das Quartier um die Calwerstraße war einst Vorzeigeflaniermeile des gehobenen Bedarfs, dort leeren sich die Reihen. Die Calwer Passage war einst Vorzeige-Flaniermeile, jetzt wird sie abgerissen. Die Einzelhändler leiden unter dem Onlinehandel, den hohen Parkgebühren, den Staus, den schwierigen Zufahrtswegen und den Fahrverboten. Alle weiteren Pläne, den Verkehr um die versprochenen 20 Prozent zu reduzieren, sind ein Menetekel für den Einzelhandel. Die Kunden bleiben aus - der Schuldigen sind viele.

STAND
AUTOR/IN