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Mit gut 85.000 Einwohnern ist Villingen-Schwenningen als badisch-württembergische Doppelstadt bemüht, Doppelstrukturen abzubauen. Eines der wichtigen Themen vor der Kommunalwahl.

Schaffung von Kindergartenplätzen, Schulsanierungen, Vollsanierungen von Straßen im durchschnittlichen Intervall von 35 Jahren, Ausbau von Wasserwirtschaft und Breitband – Villingen-Schwenningen stecke in einem Investitionsstau von etwa 1,2 Milliarden Euro, hat Oberbürgermeister Jürgen Roth (CDU) in der jüngsten Gemeinderatsitzung vorgerechnet. Diese immense Herausforderung wird nicht in kurzer Zeit zu meistern sein, aber Roth will Stück für Stück diese Themen gemeinsam mit dem neuen Gemeinderat angehen und lösen.

In Bildung und Mobilität investieren

Die Kreisstadt Villingen-Schwenningen ist ein Oberzentrum und ein Hochschulstandort im Schwarzwald-Baar-Kreis, doch Bildung fängt bei den Kleinen an. In Bau und Ausstattung von Kindergärten und Kitas zu investieren und die Sanierung von Schulen voranzutreiben, steht deshalb nicht nur auf der oberbürgemeisterlichen Rechnung, sondern auch auf dem Forderungskatalog von Parteien sowie von Bürgerinnen und Bürgern.

Villingen-Schwenningen hat zwar eine gut aufgestellte Industrie, was entsprechende Gewerbesteuern ins Stadtsäckel sprudeln lässt, dennoch drückt der Invstitionsstau gehörig die Laune. Die Stadt hat zum Teil wirklich äußerst marode Straßen. Mit einer Schütte voll Makadam oder Split ist da nichts mehr zu machen. Da hilft nur noch eine Generalsanierung. Abgesehen davon beklagen so ziemlich alle Einzelhändler der Stadt die Parkplatzsituation und lehnen angedachte Erhöhungen der Parkgebühren konsequent ab.

In bürgerschaftliche Zufriedenheit investieren

Computermodell mit Gebäuden und Fahrzeugen (Foto: SWR, Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen)
Computermodell eines neuen Verwaltungszentrums der Doppelstadt Villingen-Schwenningen Stadtverwaltung Villingen-Schwenningen

Aktuell ist die Verwaltung in Villingen-Schwenningen auf rund zwölf Standorte verteilt. Der Plan zum Bau eines Verwaltungszentrums mit zentralem Ratssaal ist bis zuletzt ein Streitthema geblieben. So gibt es jetzt Pläne, die beiden großen Rathäuser in Villingen und Schwenningen weiter beizubehalten, die übrige Verwaltung mit rund 340 Mitarbeitern sowie einen Sitzungssaal (für 40 Gemeinderäte plus Verwaltung) aber in ehemalige Mannschaftsgebäude auf einem früheren Kasernengelände umzusiedeln. Die Gebäude im Stadtteil Villingen müssten dafür umfassend saniert werden. Das Stadtarchiv würde dort aber keinen Platz finden, da muss ein extra Neubau her. Nach einer Machbarkeitsstudie wird der Umbau 41 Millionen Euro kosten. Der 2012 in einem Bürgerentscheid abgelehnte zentrale Rathaus-Neubau hätte nach Schätzungen rund 46 Millionen gekostet. Dass das Thema "Verwaltungszusammenlegung und Digitalisierung" zum zufriedenstellenden Nutzen der Bürgerschaft wichtig ist, liegt auf der Hand und wird das neue Ratsgremium sicherlich intensiv weiterbeschäftigen.

In gemeinsame Identität investieren

Menschen auf einem Platz vor einer Kirche (Foto: SWR, Hardy Faißt)
Menschen auf dem Villinger Münsterplatz am Tag der Oberbürgermeister-Wahl in der Doppelstadt Villingen-Schwenningen Hardy Faißt

Seit Januar 2019 ist Jürgen Roth neuer Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen. Er war zuvor Bürgermeister der Gemeinde Tuningen. Roth ist Mitglied der CDU. Er setzt sich ein für eine lebendige Ehrenamtsstruktur sowie  für eine starke, gemeinsame Identität. Die Doppelstadt soll zu EINER Stadt zusammenwachsen, zu EINER Marke. Das war stets auch das Ziel seines Vorgängers Rupert Kubon, der nach zwei Legislaturperioden aus persönlichen Gründen nicht mehr zur Wahl angetreten war. Inwieweit es auch das Anliegen der Bevölkerung ist und für wie wichtig es von ihr eingeschätzt wird, bleibt abzuwarten. Villingen und Schwenningen sind seit 46 Jahren eine Stadt. Allerdings fühlt sich "der Villinger" immer noch als Villinger und "der Schwenninger" eben nach wie vor als Schwenninger. Die Städte liegen bis heute nicht nur geographisch ein Stück weit aus- beziehungsweise nebeneinander. Ein weiteres Thema im politisch-kulturellen Aufgaben-Katalog des neu zu wählenden Gemeinderates.

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