Karlsruhe vor der Kommunalwahl Baustellen in der Fahrradstadt

Was ist typisch für Karlsruhe? Klar: Baustellen und Fahrräder. Die Untertunnelung der Stadtbahn prägt seit Jahren das Gesicht der Stadt, genau wie die vielen Fahrräder. Und es gibt noch weitere Baustellen...

Dauer

Karlsruhe, die Fächerstadt. Die Baustellenstadt. Die Fahrradstadt. Karlsruhe hat viele Namen und viele Gesichter. Die Grafik zeigt, dass Karlsruhe eine junge Stadt ist. Die größte Altersgruppe sind die 15- bis 30-Jährigen.

Auch die Herkunft der Menschen mit ausländischen Wurzeln ist bunt gemischt. Insgesamt haben 19,1 Prozent der Menschen, die in Karlsruhe leben, einen ausländischen Hintergrund. Dabei hat sich der Anteil der rumänischen Bevölkerung in Karlsruhe seit 2007 mehr als verfünffacht.

Karlsruhe als Planstadt

Markgraf Karl-Wilhelm ließ sich Karlsruhe als "Fächer" planen und bauen. In der Innenstadt laufen deshalb viele Straßen strahlenförmig zum Schloss hin. Daher kommt der Beiname "Fächerstadt".

Es wird gegraben, gebuddelt und gebaggert

Die Baustellen hingegen prägen Karlsruhe erst, seitdem mit dem Bau der sogenannten Kombilösung begonnen wurde. Das Großprojekt des Jahrzehnts: die Untertunnelung der Stadtbahn und der Kriegsstraße, ein Milliardenprojekt, das in der Anfangsphase von vielen Bürger abgelehnt wurde, mittlerweile aber breite Unterstützung im Gemeinderat hat. Die Folgen sind ständig neue Baustellen, ständig neue Umleitungen, immer wieder Stau.

Die Karlsruher Kombilösung

Sperrung Kriegsstrasse (Foto: SWR)
Erst kürzlich wurde eine Unterführung der Kriegsstraße, eine der Hauptverkehrsadern in Karlsruhe, gesperrt. Bild in Detailansicht öffnen
So soll der Karlsruher Marktplatz einmal aussehen: oben ist Platz zum Flanieren, unten fahren die Bahnen. Kasig Bild in Detailansicht öffnen
Die Tunnelröhre für die Stadtbahn ist bereits gegraben. Bild in Detailansicht öffnen
Mittlerweile liegen auch schon die ersten Gleise darin. Imago Tim Carmele Bild in Detailansicht öffnen
Die Haltestellen der Karlsruher Kombilösung nehmen Gestalt an. Bild in Detailansicht öffnen
Sie sollen weit, hell und großzügig wirken. Bild in Detailansicht öffnen

Fahrradfreundlichste Stadt Deutschlands

Wenn man also in Karlsruhe schnell von A nach B will, sollte man das Auto besser stehen lassen. Am einfachsten ist man hier mit dem Fahrrad unterwegs, trotz oder gerade wegen der Baustellen. Und das machen auch viele Karlsruher, egal bei welchem Wetter, hier sieht man immer Menschen auf Fahrrädern. Mitte April wurde die Stadt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in ihrer Größenordnung zur fahrradfreundlichsten Stadt Deutschlands gekürt. Politisch haben nicht nur die Grünen für die Fahrradfreundlichkeit gesorgt. Kommunalpolitiker aller Fraktionen fahren mit dem Fahrrad ins Rathaus.

Fahrradstraße in Karlsruhe (Foto: dpa Bildfunk, Uli Deck)
Uli Deck

Aber auch wenn Fahrradstraßen in Karlsruhe mittlerweile zum Stadtbild dazugehören, ist noch längst nicht alles gut. Zugeparkte Radwege und die Führung von Radwegen entlang der Baustellen sind nur zwei Kritikpunkte vieler Fahrradfahrer.

Neues Wildparkstadion für KSC

Sportlich sind die Voraussetzungen in Karlsruhe bald erstklassig, zumindest was den Fußball betrifft. Die Stadt baut dem derzeitigen Drittligisten Karlsruher SC ein neues Fußballstadion, nach jahrzehntelangem Hin und Her. Der Verein will die Kosten für das neue Wildparkstadion nach und nach abbezahlen, das funktioniert aber nur, wenn er aufsteigt. Das Projekt wird in einer außergewöhnlichen politischen Konstellation vorangetrieben: Verhandlungspartner sind SPD-Oberbürgermeister Frank Mentrup und der CDU-Politiker Ingo Wellenreuther als Präsident des KSC, beide waren Kontrahenten im OB-Wahlkampf 2013. Von den großen Fraktionen im Gemeinderat unterstützen CDU und SPD den Neubau, die Grünen hatten schon früh Einwände aufgrund der Größenordnung.

 Die Südkurve im Karlsruher Wildparkstadion wird abgerissen. (Foto: Imago, imago images / Carmele/tmc-fotografie.de)
Im Wildparkstadion haben die Bauarbeiten begonnen. An gleicher Stelle wird ein neues Stadion gebaut. Imago imago images / Carmele/tmc-fotografie.de

Streit um Europahalle

Auch für andere Sportarten nimmt die Stadt Geld in die Hand, wenn auch nicht so viel. Stichwort: Europahalle. Die Sport- und Veranstaltungshalle fasst 9.500 Zuschauer - eigentlich. Denn seit 2014 dürfen hier nur noch Veranstaltungen mit maximal 200 Personen stattfinden, aus Brandschutzgründen. Und das ist seitdem ein großes Thema im Karlsruher Gemeinderat. Vor wenigen Wochen einigte man sich auf eine 30-Millionen-Euro-Sanierung, die nicht nur den Leichtathletik-Wettbewerb "Indoor-Meeting" zurück in die Europahalle holen soll, sondern auch wieder Basketballspiele und kulturelle Großveranstaltungen mit bis zu 4.800 Besuchern. Es bestand Einigkeit über die Fraktionsgrenzen hinweg, die Entscheidung für die Sanierung fiel einstimmig.

Alkoholverbot auf dem Werderplatz

Ein weiteres Thema im Gemeinderat war die Situation auf dem Werderplatz. Der Platz in der Karlsruher Südstadt ist ein beliebter Treffpunkt von Alkohol- und Drogenabhängigen, ein sozialer Brennpunkt. Gleichzeitig trifft man sich hier am Wochenende zum Ausgehen.

Alkoholverbot auf dem Werderplatz (Foto: SWR)

Um den Platz als kulturelles Zentrum der Südstadt zu erhalten, hat der Gemeinderat nun zum ersten Mal ein Alkoholverbot auf einem öffentlichen Platz ausgesprochen. Außerdem gibt es bald einen sogenannten Drogenkonsumraum, in dem Schwerstabhängige unter Aufsicht und unter hygienischen Bedingungen mitgebrachte Drogen konsumieren können. Der Entscheidungsprozess im Gemeinderat war langwierig und intensiv. Das Projekt wird von einer breiten Mehrheit getragen und gilt hier als Musterbeispiel für kommunale Sozialpolitik.

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