Viele Menschen flanieren durch die Fußgängerzone in der Heidelberger Altstadt (Foto: SWR, Patrick Figaj)

Heidelberg vor der Kommunalwahl Touristen-Perle muss zukunftsfähig bleiben

Heidelberg ist vor allem eines: Ein Touristenmagnet. Millionen Menschen zieht es jedes Jahr an Schloss und Neckar. Doch die Stadt ist eng, der Verkehr dicht. Und die Aufgaben für den Gemeinderat groß.

Tradition und Moderne - zwei Worte, oft in Kombination genutzt, in Heidelberg treffen sie den Kern der Stadt: Hier prallen Welten aufeinander. Alt und Neu, Fremd und Alteingesessen - dicht nebeneinander. Und so prägen diese Eigenschaften auch die politische Landschaft - der Heidelberger Gemeinderat ist bekannt dafür, lang, ausführlich und detailreich Projekte zu diskutieren.

Universitätsstadt Heidelberg

Nachgedacht wird in der Universitätsstadt Heidelberg ohnehin viel und gerne: Die Ruprecht-Karls-Universität war nach dem Krieg die zweite Hochschule, an der wieder gelehrt wurde. Knapp 40.000 Studierende lernen heute hier.

Dauer

Infrastruktur für das 21. Jahrhundert

Was die zahlreichen Touristen, die mit Reisebussen unterwegs sind, vielleicht nur am Rande mitbekommen, ist für die Menschen, die in Heidelberg leben, zentral: Der Stadtverkehr. Die Großbaustelle rund um den Heidelberger Hauptbahnhof ist nur eine Baustelle - im wahrsten Sinne des Wortes - für die Stadt.

In den kommenden Jahren wird sich der Gemeinderat in Heidelberg weiter viel mit dem Verkehr auseinandersetzen müssen.


Die ersten Elektrobusse fahren bereits. Das ist aber nur ein Schritt in eine neue Zeit für den öffentlichen Nahverkehr. Nur ein Mix aus verschiedenen Konzepten wird Menschen in Heidelberg in Zukunft ihre Mobilität erleichtern.

Heidelberg - Eng, beliebt, weltoffen

Blick durch die Altstadtgassen Heidelbergs (Foto: SWR)
Der Blick durch die verwinkelten Gassen ist ein Highlight. Doch hier zeigt sich deutlich, dass Heidelberg Altes und Neues verbinden muss. Die Stadt ist eng. Neue Konzepte müssen gefunden werden... Bild in Detailansicht öffnen
Sehnsuchtsort Heidelberg - Tausende besuchen jedes Jahr das Heidelberger Schloss. Ein Anblick, der einen direkt in den Reiseführer versetzt... Patrick Figaj Bild in Detailansicht öffnen
Auch an der Altstadt führt kaum ein Weg vorbei. Die Heiliggeist-Kirche im Zentrum der Stadt: Ein Ausgangspunkt für Entdeckungstouren durch den historischen Stadtkern... Bild in Detailansicht öffnen
Beliebt ist Heidelberg vor allem bei Studenten. Sie suchen nicht nur einen renommierten Ort zum Studieren, sondern auch Lebensqualität spielt eine große Rolle. Allerdings plagt viele Anwohner der nächtliche Lärm feiernder Menschen in der Altstadt... Figaj Bild in Detailansicht öffnen
Der Heidelberger Gemeinderat stimmt über die Sperrzeiten in der Altstadt ab Bild in Detailansicht öffnen
Vor allem in Sachen Verkehr gibt es viele Probleme zu lösen: Das Neuenheimer Feld ist ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt für Medizin und Forschung. Aber nicht ausreichend gut an den Rest der Stadt angeschlossen... Bild in Detailansicht öffnen
Uniklinik, Deutsches Krebsforschungszentrum, Mathematikon, das Max-Planck-Institut - das sind nur einige Institutionen, die im Neuenheimer Feld zu Hause sind. Ein sogenannter Masterplan soll das Areal neu gestalten und auch ein grundsätzliches Problem lösen: Die unterschiedlichen Ansichten zwischen Universität Heidelberg und Gemeinderat über den Verkehr der Zukunft vor Ort. Bild in Detailansicht öffnen
Forschung und Medizin: Die Wissenschaft ist in Heidelberg fest verwurzelt. Rolf Vennenbernd Bild in Detailansicht öffnen
Baustellen gibt es genug in der Stadt: Die Großbaustelle am Hauptbahnhof, die neuen Aufgaben auf ehemaligen Militärflächen, die Bahnstadt, in der nach wie vor gebaut wird... Bild in Detailansicht öffnen
Die Bahnstadt ist nur ein Ansatz, mehr Wohnraum in Heidelberg zu schaffen. Der Platz - darüber hinaus bezahlbarer Wohnraum - ist rar. Moderne Architektur soll vor allem junge Familien nach Heidelberg ziehen. Doch Stadtentwicklung ist ein schwieriges politisches Feld. Hier besteht noch reichlich Handlungsbedarf... Patrick Figaj Bild in Detailansicht öffnen
In den vergangenen Jahren eine besondere Herausforderung: Zehntausende Flüchtlinge wurden in Heidelberg auf Patrick-Henry-Village (PHV) registriert. Schon bald sollen Flüchtlinge an anderer Stelle aufgenommen werden. Die Stadt braucht die Fläche für ihre Entwicklung. Patrick Figaj Bild in Detailansicht öffnen
Am 21. Juli soll es in Heidelberg einen Bürgerentscheid über die Verlagerung des RNV-Betriebshofs auf den Großen Ochsenkopf geben. Noch ein Thema im Wahlkampf 2019. Bild in Detailansicht öffnen
Der Stadtteil Emmertsgrund - eine Großsieldung aus den 1970er Jahren. Nicht alles in Heidelberg ist wie für ein Postkartenmotiv gemacht. Hier gibt es Handlungsbedarf, um die soziale Infrastruktur aufzuwerten. Joe Zinßmeister Bild in Detailansicht öffnen

Nadelöhr Neuenheimer Feld

Aber die Stadt muss den Verkehr entzerren, vor allem im Neuenheimer Feld. Hier forschen und arbeiten Spitzenmediziner und Wissenschaftler, Menschen aus ganz Deutschland lassen sich an den Einrichtungen der Uniklinik behandeln. Der Campus befindet sich etwas außerhalb des Stadtzentrums. Wie der Verkehr auf dem und abseits des Wissenschaftsstandorts gelenkt werden kann, ist eine Aufgabe, in der die Stadt aktuell Perspektiven in Form eines sogenannten Masterplans entwickelt. Und die Öffentlichkeit soll schon bald an diesem Prozess beteiligt werden.

Willkommen in Heidelberg

Heißt es nicht nur für Touristen. Die Stadt versucht mit einer neuen Wohnungspolitik zum Beispiel neue Bewohner in die Bahnstadt zu ziehen. Ein Millionenprojekt.
Zehn Jahre - 2009 - liegt der erste Spatenstich für den jüngsten Heidelberger Stadtteil zurück. 10.000 Menschen sollen hier, in einem der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands, einmal leben. Im Zentrum steht nachhaltiges Bauen. Damit wirbt Heidelberg auch international. Damit der Stadtteil aber auch angenommen wird, muss sich in den kommenden Jahren noch einiges tun. Denn die Stadt wächst - und das im Vergleich sehr schnell.

Blick in die Heidelberger Bahnstadt (Foto: SWR, Patrick Figaj)
Die Bahnstadt ist nur ein Ansatz, mehr Wohnraum in Heidelberg zu schaffen. Den Platz - darüber hinaus bezahlbarer Wohnraum - ist rar. Moderne Architektur soll vor allem junge Familien nach Heidelberg ziehen. Doch Stadtentwicklung ist ein schwieriges politisches Feld. Hier besteht noch reichlich Handlungsbedarf... Patrick Figaj

Willkommen geheißen hat Heidelberg auch zehntausende Flüchtlinge, die hier auf einem ehemaligen Militärgelände (Patrick-Henry-Village / PHV) zentral registriert wurden. Die Stadt Heidelberg will diese Fläche erschließen.

Deshalb soll künftig an anderer Stelle - einer Fläche mit dem Namen "Wolfsgärten" - ein neues Registrierungszentrum entstehen. Das ist in Heidelberg nicht unumstritten.

Projekte für eine lebenswerte Zukunft

Vieles ist in Heidelberg denkbar - und wird heute schon gedacht:

Wie könnten Radschnellwanderwege entlang des Neckars in Zukunft aussehen, wie die Metropolregion miteinander verknüpfen? Welche Möglichkeiten gibt es, das Leben noch enger mit dem Neckar zu verzahnen? Wie könnten alte Militärflächen so genutzt werden, dass möglichst viele Menschen gerne neu nach Heidelberg kommen, um hier zu leben? Und wie können alte Stadtteile mit neuen Projekten verknüpft werden, sodass sich alle Einwohner der Stadt mitgenommen fühlen? All das sind Fragen, mit denen sich auch der kommende Gemeinderat auseinandersetzen müssen wird.

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