Die Wolfsgärten grenzen direkt an die A5.  (Foto: SWR)

Bürgerentscheid im April

Heidelberger "Wolfsgärten" als Flüchtlingsankunftszentrum?

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Sind die Wolfsgärten ein geeigneter Standort als Ankunftszentrum für Flüchtlinge in Heidelberg? Das Thema ist umstritten. Das Land sucht dringend nach einer Alternative zur ehemaligen US-Siedlung Patrick-Henry-Village. Eine Bürgerinitiative ist gegen die Pläne. Ein Bürgerentscheid soll Klarheit schaffen.

Die zentrale Landes-Erstaufnahmestelle für Geflüchtete (LEA) war jahrelang in der ehemaligen US-Wohnsiedlung Patrick-Henry-Village untergebracht - aber nur übergangsweise. Auf dem Areal soll aber bald ein neues Stadtviertel für 15.000 Menschen entstehen, die dort leben oder arbeiten.

Das Ankunftszentrum muss dann weichen - weil das Land strenge Vorgaben macht, sagt Heidelbergs Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck.

Land hat großes Interesse am Standort Wolfsgärten

Das Land Baden-Württemberg hat großes Interesse, das Wolfsgärten-Gelände als festen Standort für sein Flüchtlings-Ankunftszentrum zu nutzen. Das hat laut Stadt Heidelberg jetzt Ministerpräsident Kretschmann (Grüne) in einem Brief an Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) bestätigt.

Wolfsgärten Heidelberg  (Foto: SWR)
Hier sollte das neue Ankunftszentrum hin verlegt werden: Das Wolfsgärten-Gelände in Heidelberg-Wieblingen Bild in Detailansicht öffnen
Im Moment bestehen die Wolfsgärten noch zum Teil aus Ackerfläche. Bild in Detailansicht öffnen
Die Wolfsgärten grenzen direkt an die A5. Bild in Detailansicht öffnen
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Unterführung an der Bahnstrecke neben dem Gelände der Wolfsgärten. Bild in Detailansicht öffnen
Lage der Wolfsgärten bei Heidelberg-Wieblingen von oben gesehen Bürgerinitiative BAFF Bild in Detailansicht öffnen

Kretschmann stellt laut einer Mitteilung der Stadt Heidelberg klar, dass die zuständigen Ministerien die Planungen "mit großem Interesse und mit dem gebotenen Nachdruck" weiter verfolgten.

Ich freue mich über dieses klare Signal des Ministerpräsidenten zum Standort Wolfsgärten.

Bürgerentscheid soll Klarheit schaffen

Die Bürgerinitiative BAFF (Bündnis für Ankunftszentrum, Flüchtlinge und Flächenerhalt) findet den Standort Wolfsgärten völlig ungeeignet.

Sie hat fast 10.000 Unterschriften gegen die "Wolfsgärten" gesammelt. Ein Bürgerentscheid soll am 11. April Klarheit schaffen.

BAFF-Sprecherin Dorothee Hildebrandt bedauert, dass der Entscheid nicht mit der Landtagswahl im März zusammenfallen soll.

Die Erfahrung zeigt, dass ein Bürgerentscheid gemeinsam mit anderen Wahlen häufig das Abstimmungsquorum erreicht.

Diese Entscheidung hat der Gemeinderat unter anderem aus Infektionsschutzgründen getroffen.

Bürgerinitiative vor dem Heidelberger Rathaus während einer Gemeinderatssitzung (Foto: SWR)
Bürgerinitiative vor dem Heidelberger Rathaus während einer Gemeinderatssitzung

Was, wenn der Bürgerentscheid Erfolg hat?

Wenn sich mehr als 20 Prozent der wahlberechtigten Bürger gegen die Wolfsgärten aussprechen, hat das Land als Bauherr ein Problem. Der Standort sei dann vom Tisch, so das Innenministerium. Das Votum der Bürger müsse unbedingt respektiert werden.

Lage der Wolfsgärten (Foto: Bürgerinitiative BAFF)
Lage der Wolfsgärten bei Heidelberg-Wieblingen von oben gesehen Bürgerinitiative BAFF


Jürgen Odszuck, Erster Bürgermeister der Stadt Heidelberg, würde es nicht wirklich bedauern, wenn die Pläne auf den letzten Metern noch kippen würden.

Wir wollen eigentlich gar nicht so gerne eine Landeserstaufnahme. Weil die Stadt Heidelberg -aus ihrem Selbstverständnis heraus - viel lieber die Anschlussunterbringung mit der echten Integrationsarbeit machen würde. Hier schluckt die Stadt eine Kröte, um dem Land irgendwo die Hand zu reichen. 

Integration als Ziel

Die Stadt Heidelberg ist nach eigenen Angaben landesweit die einzige Kommune, die dem Land eine Fläche für das Zentrum anbietet. Man wolle aber laut Stadt keine Großeinrichtung. 800 bis 1000 Plätze in einem Ankunftszentrum seien genug. Das fördere auch die Integration, sagt Oberbürgermeister Eckart Würzner.

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