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Der Ausbau der Windkraft ist ein zentrales Thema im Landtagswahlkampf in Baden-Württemberg. Auch im nördlichen Landkreis Karlsruhe gibt es Widerstand gegen geplante Projekte.

Bei Waghäusel (Kreis Karlsruhe) soll ein Windenergiepark entstehen. Die Firma Altus aus Karlsruhe prüft derzeit, ob er in einem Waldstück nahe der A8 für sie realisierbar ist. Damit verbunden sind aufwändige Gutachten - ein offizielles Genehmigungsverfahren ist aber noch nicht eingeleitet. Die Pläne sehen zehn Windräder mit jeweils einer Höhe von etwa 240 Meter vor. Sie könnten auf Flächen von Waghäusel, Kronau und Bad Schönborn stehen.

Naturschützer protestieren gegen Windpark Lußhardt

Gegen die Pläne gibt es bereits Widerstand. Vor Ort hat sich die Bürgerinitiative "Gegenwind Lußhardt" gegründet. Sie will verhindern, dass der Windpark realisiert wird. Wie vielerorts werden unter anderem Naturschutzgründe angeführt und die Befürchtung, dass die Windräder das Landschaftsbild zerstören.

"Wir würden uns wünschen, dass bei der Planung der erneuerbaren Energien stärkeres Gewicht auf die Photovoltaikanlagen als auf Windkraft gelegt wird, weil das bei uns in der Region sinnvoller ist.!

Uwe Pfeifer, Bürgerinitiative Gegenwind Lußhardt
Brennendes Windrad (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/Julian Stähle)
Die Bürgerinitiative befürchtet, dass brennende Windräder das Natuschutzgebiet gefährden könnten. picture alliance/dpa/Julian Stähle

Aufwändiges Genehmigungsverfahren für Betreiber

Der Gemeinderat der Stadt Waghäusel hatte das geplante Gebiet bereits vorzeitig im Flächennutzungsplan als möglichen Standort für Windkraftanlagen ausgewiesen, heißt es von Oberbürgermeister Walter Heiler (SPD). Der Protest sei erst entstanden, als ein Unternehmen Interesse für den Bau angekündigt hätte.

Noch ist auch kein Genehmigungsverfahren durch den künftigen Betreiber beim zuständigen Landratsamt Karlsruhe eingeleitet worden. Wenn das aber passiert, "würde alles nach rechtsstaatlichen Prinzipien" ablaufen, so Heiler, unter anderem durch verschiedene Anhörungen und Gutachten.

Mittlerer Oberrhein: Windkraftplanungen gescheitert

Bislang ist jede Kommune für die Ausweisung von potentiellen Standorten von Windkraftanlagen im Flächennutzungsplan selbst verantwortlich. Nach Angaben des Regionalverbandes Mittlerer Oberrhein ist das sehr aufwändig und erfordert ein gewisses Know-How.

Wegen der schwierigen und komplizierten Planungen wollte übergeordnet der Verband die Ausweisung von potentiellen Standorten für die gesamte Region Karlsruhe übernehmen. Sieben Jahre lang hat der Regionalverband für die Suche und den Dialog mit Bürgern und Kommunen gebraucht - letztlich ist der Plan aber gescheitert.

Klare Vorgabenfür Windrad-Flächen gefordert

Städte wie Ettlingen, Baden-Baden und Malsch hatten unter anderem wegen des Naturschutzes gegen die Pläne geklagt und vom Verwaltungsgericht recht bekommen. Die Planungen basierten demnach auf einer falschen Annahme, weil laut Regionalverband mit einer zu geringer Windradhöhe geplant wurde.

Der Plan hätte Städten, aber auch Investoren laut Regionalverband eine Sicherheit gegeben, weil die ausgewiesenen Flächen - überwiegend in höheren Lagen - bereits vorgeprüft waren. Ob der Verband gegen das Urteil vorgehen will, ist noch offen. Er wünscht sich zumindest von der neuen Landesregierung klare und nachhaltige Vorgaben, weil sich diese mit jedem Regierungswechsel ändern würden.

Windrad bei Sonnenaufgang (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa/Tom Weller)
Mit dem Konzept des Regionalverbandes hätten Kommunen Klarheit über mögliche Standorte von Windrädern gehabt. picture alliance/dpa/Tom Weller

Windenergie in Baden-Württemberg auf niedrigem Niveau

In Baden-Württemberg sind 2020 zwölf Windräder in Betrieb genommen worden. Das hat das Beratungsunternehmen "Deutsche Windguard" bekannt gegeben. Zudem wurden vier alte Räder stillgelegt. Mit den neuen Windrädern steigert sich zwar der Zuwachs im Vergleich zu 2019, als in Baden-Württemberg nur fünf Anlagen in Betrieb genommen wurden, allerdings lag der Ausbau damals in Deutschland auf dem niedrigsten Stand seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000.

Auch bundesweit bleibt der Windkraft-Ausbau an Land auf einem niedrigen Niveau. Insgesamt sind derzeit in Baden-Württemberg rund 1,6 Gigawatt installiert. Das entspricht etwa drei Prozent der Windräder in Deutschland.

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