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Wie viele Stimmen habe ich bei der Landtagswahl? Wer darf eigentlich wählen? Und wie kommt es zu Überhangmandaten? Die wichtigsten Fragen zum Wahlsystem im Überblick.

Wer darf wählen?

Jeder, der einen deutschen Pass besitzt, mindestens 18 Jahre alt ist und seit mindestens drei Monaten in Baden-Württemberg wohnt. Anders als bei Kommunal- und Europawahlen dürfen EU-Bürger mit Wohnsitz in Baden-Württemberg bei der Landtagswahl nicht wählen.

Wie viele Stimmen habe ich?

Anders als bei der Bundestagswahl hat man bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg nur eine Stimme. Mit dieser wählt man den Kandidaten einer Partei aus seinem Wahlkreis und damit gleichzeitig auch die Partei des Kandidaten. Das heißt, die Stimme wird zweimal gewertet. Sie entscheidet darüber, wie viele Sitze einer Partei am Ende im Landtag zustehen (Verhältniswahl) und wer die Sitze erhält (Persönlichkeitswahl). Das Einstimmenwahlrecht sieht vor, dass Parteien dort gewählt werden können, wo einer ihrer Kandidaten im Wahlkreis antritt. Parteien, die bisher nicht im Landtag vertreten sind, müssen dafür laut Landeswahlgesetz pro Wahlkreis 75 Unterstützerunterschriften sammeln.

Wie werden Stimmen in Mandate umgerechnet?

Grundsätzlich gilt - wie bei der Bundestagswahl auch: Erhält eine Partei in ganz Baden-Württemberg mehr als fünf Prozent der gültigen Stimmen (Fünf-Prozent-Hürde), dann werden diese Stimmen in Landtagsmandate umgerechnet. Der Landtag hat mindestens 120 Sitze. Hat eine Partei also beispielsweise 50 Prozent der Stimmen erhalten, dann steht ihr auch die Hälfte der Mandate im Landtag zu, also 60 Mandate. Die setzen sich wiederum aus Direkt- und Zweitmandaten zusammen.

Was sind Direktmandate und wie viele gibt es?

Ein Plan der Sitzordnung der Fraktionen im Plenarsaal des Stuttgarter Landtages. (Foto: dpa Bildfunk, Sebastian Gollnow)
Sebastian Gollnow

In Baden-Württemberg gibt es insgesamt 70 Wahlkreise. Der Kandidat, der in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen bekommt, erhält ein Direktmandat und zieht direkt in den Landtag ein. Dafür reicht die einfache Mehrheit. Wie viele Stimmen die Partei des Kandidaten insgesamt in Baden-Württemberg bekommt, ist hier unerheblich. Der gewählte Kandidat hat sein Mandat im Landtag sicher, auch dann, wenn seine Partei an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert.

Wer steht zur Wahl und wie wird man Direktkandidat?

Bei der Landtagswahl gibt es nur Wahlkreisbewerber. Das heißt, jeder Kandidat oder jede Kandidatin muss sich in einem der 70 Wahlkreise des Landes zur Wahl stellen. Aufstellen lassen kann sich jeder, der volljährig ist und dem das Bekleiden öffentlicher Ämter nicht untersagt ist - etwa wegen einer Haftstrafe. Parteien dürfen je Wahlkreis einen Bewerber und einen Ersatzbewerber vorschlagen. Der Ersatzbewerber rückt dann in den Landtag nach, wenn der "Hauptbewerber" aus dem Landtag ausscheidet. Kandidaten von Parteien, die nicht im Landtag vertreten sind, brauchen mindestens 150 Unterschriften, um sich aufstellen zu lassen. Wegen der Corona-Pandemie wurde diese Hürde auf 75 Unterschriften gesenkt.

Wie werden die Zweitmandate ermittelt?

Der Landtag in Baden-Württemberg hat 120 Sitze. 70 dieser Sitze werden über Direktmandate in den Wahlkreisen vergeben, bleiben also mindestens 50 Sitze, die über ein Zweitmandat vergeben werden. Hierfür ist das Wahlergebnis der Partei maßgeblich und die Zahl der errungenen Direktmandate.

Beispiel 1: Die Partei A erhält 50 Prozent der Stimmen in Baden-Württemberg. Damit steht ihr die Hälfte der Mandate im Landtag zu, also 60. Gewinnt die Partei 40 Direktmandate, erhält sie nun zusätzlich noch 20 Zweitmandate.

Wahlsystem Baden-Württemberg Bild aus Grafik (Foto: SWR)

Beispiel 2: Die Partei A erhält 50 Prozent der Stimmen in Baden-Württemberg und gewinnt 50 der 70 Wahlkreise. Sie bekommt also 50 Direktmandate und zusätzlich 10 Zweitmandate. Insgesamt kommt sie so wieder auf die 60 ihr insgesamt zustehenden Landtagsmandate.

Beispiel 3: Eine Partei erhält 50 Prozent der Stimmen in Baden-Württemberg und gewinnt 60 Wahlkreise. Sie bekommt nun 60 Direktmandate und zusätzlich gar kein Zweitmandat. Insgesamt kommt sie wieder auf 60 Landtagsmandate.

Was sind Überhangmandate?

Bekommt eine Partei in einem der vier Regierungsbezirke Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe oder Tübingen mehr Direktmandate, als ihr aufgrund ihres Gesamtstimmenanteils dort eigentlich insgesamt zustehen, darf sie diese sogenannten Überhangmandate als zusätzliche Sitze im Landtag behalten. Die anderen Parteien erhalten dafür Ausgleichsmandate.

Was sind Ausgleichsmandate?

Bekommt eine Partei Überhangmandate, erhalten die anderen Parteien dafür Ausgleichsmandate. So bleibt gewährleistet, dass die Sitzverteilung im Landtag auch das Wahlergebnis widerspiegelt. Bei der Landtagswahl 2016 erhielten die Grünen beispielsweise acht Überhangmandate. In der Folge erhielt die CDU sieben Ausgleichsmandate, die AfD vier, die SPD drei und die FDP/DVP ein Ausgleichsmandat.

Wer zieht über Zweit- oder Ausgleichsmandate in den Landtag ein?

Zweitmandate und Ausgleichsmandate werden bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg, anders als etwa bei der Bundestagswahl, nicht über eine Landesliste der Parteien vergeben. Sie gehen stattdessen an die Direktkandidaten, die ihren Wahlkreis nicht gewonnen haben, aber in ihrem Regierungsbezirk (Stuttgart, Freiburg, Karlsruhe oder Tübingen) prozentual die meisten Stimmen für ihre Partei geholt haben. Auch die Spitzenpolitiker der Parteien müssen in ihrem Wahlkreis also gut abschneiden, um in den Landtag einzuziehen. Sichere Listenplätze gibt es nicht.

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