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Wie viele Krankenhäuser braucht das Land? Auch in Corona-Zeiten und im Wahljahr 2021 ein heikles Thema. Kleinere Kliniken haben finanzielle Schwierigkeiten - sie bieten aber kurze Wege für Patienten und Entlastung für große Krankenhäuser. So auch die Neckar-Odenwald-Kliniken in Mosbach und Buchen.

Laut einer Bertelsmann-Studie genügen bundesweit 600 Krankenhäuser für die medizinische Versorgung der Menschen. Derzeit sind es aber mit 1.400 Kliniken mehr als doppelt so viele. Viele kleinere Krankenhäuser machen Verluste. Zu tun haben sie aber genug - auch durch die Corona-Pandemie. Die Neckar-Odenwald-Kliniken in Mosbach und Buchen waren mehr als ausgelastet.

Isolierstation der NOK-Kliniken (Foto: SWR)
Corona-Pandemie in den NOK-Kliniken: Isolierstation für infizierte Patienten

Corona: Kliniken am Limit

Ende 2020 waren die Corona-Zahlen im Neckar-Odenwald-Kreis auf einem landesweiten Höchststand. Die Neckar-Odenwald-Kliniken haben unter Chefarzt Harald Genzwürker am Anschlag gearbeitet, Isolierstationen waren sogar überbelegt.

"Keines der großen Zentren hätte das alleine stemmen können, was wir und andere sogenannte kleine Krankenhäuser mit geleistet haben."

Harald Genzwürker, Chefarzt der Neckar-Odenwald-Kliniken

Zusätzlicher Aufwand durch Corona

Seit Beginn der Pandemie wurden in Mosbach und Buchen rund 400 Covid-Patienten behandelt. Dazu kamen rund 800 Verdachtsfälle. An jedem Standort gab es nur noch einen OP-Saal im Notbetrieb.

Krankenpfleger geht durch Flur der Neckar Odenwald Kliniken gGmbH, Standort Mosbach (Foto: SWR)
Krankenhausflur der Neckar-Odenwald-Kliniken am Standort Mosbach

Millionenschweres Minus

Der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises Achim Brötel (CDU) ist der Aufsichtsratsvorsitzende der Kliniken. Ihr Defizit lag 2020 bei fast acht Millionen Euro. Das war zwar nur halb so viel wie im Jahr zuvor. Aber in den 15 Jahren seiner Amtszeit sei die Finanzierung der Krankenhäuser ein immer größeres Problem geworden, so der Landrat.

Kleine Krankenhäuser unverzichtbar

Angefangen hat es laut Brötel mit den Fallpauschalen, die nur die reine Leistung honorieren. Dabei werde nicht bezahlt, dass man das alles 24 Stunden am Tag vorhalte. Er hält auch den Umgang mit kleineren Krankenhäusern während der Pandemie für schwierig. So habe es in der zweiten Pandemie-Welle beispielsweise keine Freihalte-Pauschalen mehr gegeben.

Das sind für mich alles Signale für eine politische Willensbildung, die kleine Krankenhäuser für verzichtbar hält. Und das ist absolut falsch.

Achim Brötel, Landrat Neckar-Odenwald-Kreis

Wirtschaftliche Sorgen durch Pandemie verstärkt

Durch Corona habe der Regelbetrieb an den Neckar-Odenwald-Kliniken massiv heruntergefahren werden müssen. Das bedeute auch wirtschaftliche Einschnitte, so Chefarzt Harald Genzwürker.

Wir konnten das Geld nicht verdienen, das wir brauchen. Gleichzeitig war der Zusatzaufwand wegen Corona groß - für Personal und Material.

Harald Genzwürker, Chefarzt der Neckar-Odenwald-Kliniken

Mittlerweile sinken die Corona-Inzidenzen auch im Neckar-Odenwald-Kreis - ebenso die Zahl der infizierten Patienten, die in den Kliniken behandelt werden. Die finanziellen Sorgen aber bleiben.

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