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An landwirtschaftlichen Fragen scheiden sich ja oft die Geister. Zum Beispiel an dieser: Bei Ellwangen gibt es jetzt einen Betrieb, der deutlich über 1.000 Tiere halten möchte - ist das vertretbar?

Josef Schmied in Neuler-Ramsenstrut (Ostalbkreis) besitzt 45 Milchkühe, auf der Ostalb gehört er damit zu den Kleineren. Aber mehr Tiere will er gar nicht. Das ist zum Teil eine wirtschaftliche Entscheidung, zum Teil ist es auch Philosophie. Vor zehn Jahren habe er seinen Betrieb gebaut, erzählt er. Weiter als fünf Kilometer wollte er von zu Hause dorthin nicht fahren. Das sei ihm wichtig gewesen.

"So viel kann man in der Landwirtschaft nicht verdienen, als dass ich da groß investieren könnte."

Josef Schmied, Landwirt aus Neuler

So wie Schmied denken hier viele Bauern. Auch wenn das bedeutet, dass es kaum noch Zuschüsse gibt. Denn die Politik setzt auf die größeren Betriebe. Auf mehr Milchkühe und mehr Automatisierung. Und auf teure Investitionen: Ein Milchkarussell beispielsweise, bei dem die Kühe während der Fahrt gemolken werden - Kostenpunkt: 500.000 Euro. Einen modernen Stall für mehrere hundert Kühe - der kostet mehr als eine Million Euro.  

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Aber könnte man umgekehrt den Schluss ziehen, dass nur ein kleiner Milchviehbetrieb im Sinne der Tiere ein guter Betrieb ist? Und die Großen in der Branche nicht auf das Tierwohl achten? Das wäre falsch gedacht, sagt Hubert Kucher, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Ostalb-Heidenheim. Bei einer Betriebsgröße zwischen 500 und 1.000 sei "der Vorbehalt da, dass die Kuh noch richtig versorgt werden kann".

"Die bäuerliche Landwirtschaft aus dem Bilderbuch ist noch in unseren Köpfen."

Hubert Kucher, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Ostalb-Heidenheim

Tierwohl ist ein Argument, aber es ist nicht unbedingt ein Argument für einen kleinen Betrieb. Wer einmal einen modernen Offenstall gesehen hat, mit frei zugänglichem Außenbereich, automatischer Mistabfuhr, Liegeplätzen und rotierenden Kuhbürsten zur Fellpflege, der wird das jeder Anbindehaltung vorziehen. Das Klischee vom Bauern, der mit Strohhalm zwischen den Zähnen auf seinem dahinzuckelnden Heuwagen liegt, hat wohl nie gestimmt. Heute ist es ferner denn je. 

Josef Schmied in Neuler-Ramsenstrut (Ostalbkreis) besitzt 45 Milchkühe, auf der Ostalb gehört er damit zu den Kleineren.  (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Roland Weihrauch)
Tierwohl ist ein Argument, aber es ist nicht unbedingt ein Argument für einen kleinen Betrieb. (Sujetbild) picture alliance/dpa/Roland Weihrauch

"Wir sind moderne Unternehmer."

Hubert Kucher, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Ostalb-Heidenheim

Die Landwirte heutzutage seien "moderne Unternehmer, wir haben eine wirtschaftliche Ausbildung, wir müssen schauen, wie wir finanziell über die Runden kommen", beschreibt Kucher den Alltag und die Qualifikation der Bauern. Allerdings wolle die Gesellschaft "kleine, überschaubare Betriebe haben. Doch das kann auf der wirtschaftlichen Seite nicht immer zum Erfolg führen". Aber auch diese kleineren Betriebe gehören zum Klischee. Politisch sind sie nicht mehr gewollt. Betriebswirtschaftlich und zeitlich ist es häufig ein Arbeiten am Limit. Krankwerden ist verboten.

Andererseits: Dass mehr Kühe auch mehr Gülle produzieren und dass das Futter von weiter her kommen muss, gehört auch zur Bilanz. Das wieder ist ein Argument für kleinere Betriebe. Letztlich, sagt Josef Schmied aus Neuler, gilt für Milchviehhalter wie für jeden Beruf: "Ein Landwirt ist nur dann ein guter Landwirt, wenn er Freude an den Tieren hat, um sie zu pflegen.

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