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Seit Jahren gehen die Fänge der Berufsfischer am Bodensee zurück. Es gibt Pläne für Felchenzucht in Netzgehegen im Bodensee. Doch dagegen gibt es Widerstand.

Der Bestand der Felchen und damit die Fangerträge der Berufsfischer gehen seit Jahren zurück. Ein Grund ist, dass der See immer sauberer geworden ist und der Phosphatgehalt gesunken ist. Die Fische haben dadurch weniger Nährstoffe. Als weitere Gründe werden die Ausbreitung der Quaggamuschel und der Stichlinge genannt. Dabei ist das Felchen der beliebteste Speisefisch am Bodensee, auch bei Touristen. Um den Appetit auf den Fisch zu stillen, wird er mittlerweile importiert, aus Russland, Kanada oder Italien. Ein Unding, sagen Umweltschützer und die Berufsfischer.

Aquakultur als Lösung des Felchen-Problems?

Eine Genossenschaft am Bodensee will Netzgehege zur Aufzucht von Felchen nutzen, sie plant vier Netzgehege. Wissenschaftler der Fischereiforschungsstelle in Langenargen (Bodenseekreis) sehen in den Netzgehegen eine Möglichkeit, ökonomisch und ökologisch sinnvoll Felchen zu züchten. Alexander Brinker von der Fischereiforschungsstelle sagt, die Aquakulturen seien die einzige Lösung für das Problem des Felchen-Rückgangs, die man überhaupt angehen könne unter den jetzigen Bedingungen im See. Aquakultur wird in Norwegen zur Lachszucht verwendet, auch aus Finnland gibt es Beispiele.

"Der See hat wenig Nährstoffe, er ist wenig produktiv und hat zusätzlich noch die invasiven Arten."

Alexander Brinker, Fischereiforschungsstelle Langenargen

Furcht vor Kot und Krankheiten

Doch die Mehrheit der Berufsfischer ist gegen die Fischmast, ebenso wie verschiedene Umwelt- und Naturschutzverbände. Viele Fische auf engem Raum könnten durch Kot den Bodensee verunreinigen. Außerdem wird befürchtet, dass Krankheiten auf die Wild-Felchen übertragen werden könnten. Elke Dilger, Vorsitzendes des Verbands Badische Berufsfischer sagt: "Der Wildfisch ist etwas Besonderes, ein regionales, natürlich aufgewachsenes Lebensmittel. Das hat einen hohen Stellenwert, das wollen wir dem See und der Region weiterhin bieten." Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) hat im vergangenen Jahr Unterstützung für die Aquakultur-Pläne geäußert. Es könne ein Weg sein, um regionalen Speisefisch zu erzeugen. Aktuell heißt es aus dem Ministerium, dass bislang kein Antrag auf Einrichtung von Aquakulturanlagen im Bodensee vorliege. Sollte ein Antrag erfolgen, sei dieser durch das Landratsamt zu prüfen.

Die Bodenseefelchen werden immer weniger. (Foto: SWR)
Die Bodenseefelchen werden immer weniger, die Fischer am "schwäbischen Meer" haben es deswegen immer schwerer.

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