Die Patientin im Rollstuhl vor der "Sheikh Zayed Grand Mosque" in Abu Dhabi (Foto: Copyright Omar Webair)

Außergewöhnlicher Therapieerfolg oder Wunder? Wachkoma-Patientin nach 27 Jahren in Bayern erwacht

Das erste Wort, was die Frau nach ihrem Erwachen aus dem Koma sagte, war der Name ihres Sohnes. Ihn hatte sie bei dem verhängnisvollen Autounfall schützend umklammert.

27 Jahre lang lag die Patientin im Wachkoma. Am Mittwoch meldete die Fachklinik im oberbayerischen Bad Aibling, in der die Frau lag, dass sie zu Bewusstsein gekommen sein.

Der behandelnde Chefarzt Friedemann Müller sprach jetzt im SWR von einem "außergewöhnlichen Fall". Es sei immer ein besonderes Erlebnis, Patienten nach Monaten aufwachen zu sehen, sagt der Spezialist für Neurologie, physikalische Therapie und Rehabilitationswesen. Er habe aber noch nie jemanden erlebt, der nach so langer Zeit aus dem Wachkoma erwacht sei.

Das Aufwachen ist ein langsamer Prozess

Aus dem Wachkoma zu erwachen sei aber kein sofortiges Aufwachen wie nach einem langen erholsamen Schlaf, sagt Müller: "Es ist ein Prozess, der über Tage oder Wochen geht." Bei der Patientin aus den Arabischen Emiraten seien immer mehr Reaktionen zu sehen gewesen. Nachdem zunächst nur ein Blickkontakt möglich gewesen sein soll, seien nach einer langen Behandlungszeit Lautäußerungen vernehmbar gewesen.

Ihr erstes Wort sei für das Krankenhauspersonal zunächst nicht zu verstehen gewesen. "Ihr Sohn hat es aber sehr früh als seinen Namen interpretiert", sagt Müller. Nach einigen Tagen habe die Patientin bereits auch für alle anderen verständlich sprechen können.

Therapieerfolg oder ein Wunder?

Die Schön Klinik in Bad Aibling war nicht die erste Klinik in der die Wachkoma-Patientin behandelt wurde. Sie hatte 1991 als damals 32-Jährige einen Autounfall erlitten und kam danach in unterschiedliche Krankenhäuser.

Die Patientin im Rollstuhl vor der "Sheikh Zayed Grand Mosque" in Abu Dhabi (Foto: Copyright Omar Webair)
Die Patientin im Rollstuhl vor der "Sheikh Zayed Grand Mosque" in Abu Dhabi Copyright Omar Webair

Die Antwort auf die Frage, ob es sich um einen Therapieerfolg oder ein Wunder handelt, sei nicht ganz einfach, so Müller: "Es gibt kein Zaubermittel".

Viele Angehörige hoffen jetzt

Man habe alle Möglichkeiten der Medizin konsequent mit System über längere Zeit angewendet. Auch sei eine Spastik der Patientin behandelt worden und viel Rehabilitationsarbeit im Sinne von beispielsweise Physiotherapie geleistet worden.

Die Presse habe sich nun aus aller Welt bei dem Chefarzt gemeldet. Auch zahlreiche Angehörige von Wachkoma-Patienten sollen sich hoffnungsvoll mit der Klinik in Verbindung gesetzt haben. Müller bleibt aber vorsichtig: "Ja, es zeigt, dass es Hoffnung geben kann, ich muss aber auch sagen: Der Fall beweist nicht, dass immer mit einem solchen positiven Ergebnis zu rechnen ist."

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