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Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) will heute eine Empfehlung zum Impfstoff von Astrazeneca abgeben. Von der Bewertung hängt ab, ob es in Deutschland mit der Verimpfung des Vakzins weitergehen kann.

Hat der Impfstoff von Astrazeneca in mehreren Fällen Thrombosen in Hirnvenen ausgelöst? Wegen dieser möglichen Nebenwirkung haben mehrere europäische Staaten, darunter auch Deutschland, Impfungen mit Astrazeneca-Dosen vorübergehend gestoppt und warten jetzt gespannt auf die Neubewertung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. Denn nach dieser Empfehlung will sich Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium richten.

Zunächst beraten dann aber erst die Ständige Impfkommission (Stiko) und das für Impfstoffe zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Erst danach entscheidet die Bundesregierung, wie künftig mit diesem Vakzin verfahren wird.

WHO spricht sich für Astrazeneca aus

Am Mittwoch plädierte bereits die Weltgesundheitsorganisation WHO für die weitere Nutzung, da die Vorteile größer seien als die Risiken. Auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen bekundete ihr Vertrauen in den Wirkstoff. Die entscheidende Bewertung für Europa bleibt aber der EU-Arzneimittelbehörde überlassen.

Ob mit oder ohne Astrazeneca - Bundesregierung hält an Impfversprechen fest

Bundesgesundheitsminster Jens Spahn (CDU) rechnet für heute fest mit einer Einschätzung der EMA, ob und wie es weitergehen kann. Für den Fall, dass Astrazeneca nicht mehr zum Einsatz kommen sollte - was nach Ansicht Spahns aber nicht sehr wahrscheinlich sei - würden für ausstehende Zweitimpfungen auch Lösungen zu finden sein. Die Bundesregierung halte jedenfalls an ihrem Versprechen fest, dass alle Erwachsenen in Deutschland bis zum Ende des Sommers das Angebot einer Corona-Impfung erhalten sollen. Momentan ist laut Spahn rund jeder zehnte Erwachsene geimpft.

Wegen des Impfstopps hatte Spahn unter anderem Kritik von Grünen und FDP eingestecken müssen. Das Aussetzen der Corona-Impfungen mit Astrazeneca habe das Vertrauen in die Impfpolitik untergraben, sagte Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt. FDP-Vize Wolfgang Kubicki forderte die Entlassung des Ministers. Den Impfstopp mit Astrazeneca hatte das für die Impfstoff-Sicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) empfohlen.

Impfstrategie in der EU basiert entscheidend auf Astrazeneca

Astrazeneca spielt bisher eine wichtige Rolle für die Impfstrategie in der EU. Der britisch-schwedische Hersteller hat zwar Lieferschwierigkeiten, dennoch sind 70 Millionen Dosen für das zweite Quartal avisiert. Weil das Vakzin nicht stark gekühlt werden muss, kann es auch gut von Hausärzten gespritzt werden. Wie es nach der Bewertung durch die EMA in Deutschland weiter geht, wollen die Bundesländer voraussichtlich am Freitag beim Impfgipfel beraten.

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