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Sturm Lothar vor 15 Jahren Schwarze Wand in Richtung Zürich

Als der Orkansturm am 26. Dezember 1999 über Europa hinwegfegte, wurde die Schweiz besonders stark getroffen: 14 Menschen starben an diesem Tag. 15 weitere wurden bei Aufräumarbeiten getötet.

Feuerwehrleute beseitigen umgestürzte Bäume auf einer Straße.

Hilfskräfte haben alle Hände voll zu tun

Der Sturm fegte in der Schweiz mehr als zehn Millionen Bäume um. Der Schaden wird auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt. Auch in der Schweiz gibt es diejenigen, die den Sturm kommen sahen und weitgehend hilflos zusehen mussten: Die Meteorologen in der Zentrale des Schweizer Wetterdienstes in Zürich.

Der Schichtleiter von Meteo Zürich Gaudenz Truog notiert in seinem Logbuch: "7.20 Uhr: Hauptaugenmerk Frankreich. In Rouen 25,8 Hektopascal Druckabfall in drei Stunden! So etwas habe ich noch nie gesehen über dem Kontinent." Nur wenig später beginnt auch Eugen Müller seine Schicht bei Meteo Schweiz. Schon der Weg zur Arbeit sei anders gewesen, erinnert sich der Meteorologe: "Es war die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Es wurde auf der Wetterkarte schon schnell ersichtlich, mit außerordentlich tiefem Luftdruck und sehr starkem Druckfall - da wurde es uns langsam bewusst, was da auf uns zukommt."

Die Wand kam aus der Westschweiz

Teaser Zürich

Der Zürichsee

Doch welche Zerstörungskraft Lothar an diesem Tag noch entwickeln würde, konnten die erfahrenen Meteorologen nur ahnen. Gegen 11 Uhr kam der Sturm auch beim Kontrollzentrum in Zürich an: "Bevor der Sturm nach Zürich kam, spielte sich das Ganze nur auf dem Bildschirm ab. So richtig spüren konnten wir das erst, als der Sturm über Zürich zog und dann sah man diese schwarze Wand Richtung Zürich kommen..."

14 Menschen starben an diesem Weihnachtsfeiertag. In manchen Gebieten wurde jedes fünfte Gebäude beschädigt. Ganze Wälder wurden zerstört. Das Lothar die Schweiz besonders hart getroffen, hat mehrere Gründe: "Die Schweiz lag in der Südhälfte des Tiefs. Dort treten bei einem Sturm die stärksten Winde auf. Das andere Element war der Fön, der war auch sehr stark. Daher hat es uns voll erwischt."

Laut Statistik alle 20 bis 100 Jahre Orkan

Ein Wetterlage wie diese wäre jederzeit wieder möglich. Laut Statistik alle 20 bis 100 Jahre - je nach Region. Verhindern lässt sich das nicht, aber man kann heute besser darauf reagieren, sagt Eugen Müller: "Dazumal hatten wir nicht so ein Warnkonzept und die Warneinrichtungen. Wir konnten damals keine großflächigen Warnungen ausgeben wie heute. Da war man etwas hilflos. Da hat Lothar einen großen Schub gegeben, dass wir heute ein solches Warnsystem haben."

Doch selbst mit dem besten Warnsystem stellen sich am Abend eines Katastrophentages die Menschen überall dieselbe Frage, die sich auch Gaudenz Truog stellte, als er am 26. Dezember 1999 in sein Logbuch schrieb… "Feierabend, ausgelaugt, müde. Die Gedanken kreisen weiter. Habe ich alles gemacht, was in meinen Möglichkeiten stand?"

Online: Heidi Keller