Bitte warten...

Von Morgen- zu Abend-Tankern Heftige Umsatzeinbußen für Tankstellen

Bis zu 14 Mal pro Tag gehen Spritpreise hoch und runter - mit Preissprüngen von zehn Cent und mehr. Abends ist es für Autofahrer in der Regel am günstigsten, zu tanken. Genau das bereitet den Tankstellenpächtern aber große Probleme im Shop.

Ein Beitrag von Pascal Lechler, SWR Wirtschaft und Soziales

in Taxifahrer tankt in Köln an einer Aral-Tankstelle (Foto vom 03.02.2012).

Shops brachten Tankstellen bislang 60 Prozent des Gewinns - der bricht jetzt weg

Eigentlich sind die preisbewussten, deutschen Autofahrer schuld an der Misere der Tankstellenbetreiber. Sie haben dank Tank-Apps und Marktransparenzstelle schnell kapiert, dass das Preis-Jo-Jo der Mineralölkonzerne sich austricksen lässt und zwar, in dem man am besten abends tankt und nicht mehr am Morgen.

Wie von Geisterhand - einfach per Knopfdruck - werden die Benzinpreise an den Anzeigetafeln der Tankstellen geändert. Das machen die Mineralölkonzerne selbst - ohne Rücksprache mit den Tankstellenpächtern. Und offenbar machen sie das sehr gern - bis zu 14 Mal am Tag geht es mit den Preisen hoch und runter.

Morgentanker shoppen mehr

Tankstellenshop

Lebensmittel, Kosmetika und Geschenkartikel im Shop brachten bisher mehr Gewinn als Sprit

Solange morgens getankt wurde, haben die Leute neben Benzin und Diesel auch Kaffee und Brötchen in der Tankstelle gekauft. Die Tankstellen hatten sich darauf eingestellt und ihre Verkaufsräume in wahre Coffee-Shops mit Bäckerei umgewandelt.

Wer aber abends tankt, kauft keine frischen Brötchen mehr und auch keinen dampfenden Kaffee.

Mehr Umsatz aus Shops als mit Sprit

Tankapp

Tankapps und Markttransparenzstelle haben den Markt grundlegend verändert

Damit aber haben die Tankstellenpächter bisher neben dem Benzinverkauf immer ein riesen Geschäft gemacht. Dieses Zusatzgeschäft geht ihnen jetzt flöten und damit der Löwenanteil ihres Gewinns - Umsätze von rund 1.300 Euro pro Monat, sagt der Interessenverband der Tankstellenpächter. Das ist umso gewichtiger, weil der Treibstoffabsatz seit Jahren rückläufig ist, mit Benzin also immer weniger Gewinn gemacht wird.

Die Autofahrer kommen zwar wegen des Tankens zur Tankstelle, aber die Zusatzeinnahmen mit den Shops machen inzwischen fast 60 Prozent des Gewinns einer Tankstelle aus. Mit den Provisionen aus dem Spritverkauf verdienen die Tankstellenpächter nur noch knapp 20 Prozent - die restlichen 20 Prozent mit den Autowäschen und anderen Dienstleistungen.

Personalprobleme am Abend

Es gibt auch noch ein weiteres Problem: Das Tankverhalten der Deutschen wirbelt die Tankstellen-Dienstpläne durcheinander - morgens gähnend leer, abends rappelvoll. Also müssen die Tankstellenpächter abends mehr Personal einplanen als in den Kernarbeitszeiten tagsüber zwischen 8 und 17 Uhr. Das bedeutet aber wegen der Zuschläge auch höhere Kosten.

Mineralöl-Konzerne ignorieren Probleme der Tankstellenpächter


Keine Besserung im Preiskrieg durch Markttransparenzstelle - Noch ein Problem aus Sicht der Pächter: Die Markttransparenzstelle für Sprit sollte ja eigentlich für eine Beruhigung an der Preisfront sorgen. Die Tankstellenpächter sagen aber, genau das Gegenteil sei eingetreten.

Auf das Preis-Jo-Jo an den Zapfsäulen - also das Hoch und Runter der Preise - haben die Pächter null Einfluss. Darüber entscheiden allein die Mineralöl-Konzerne. Den Multis sind aber die Probleme der Pächter mit dem Zusatzgeschäft weitgehend egal.

Der Bundesverband Tankstellen und Autowäsche Deutschland schlägt regelmäßig Alarm. Die Pächter hätten lieber weniger Preis-Jo-Jo und stattdessen einen stabilen mittleren Preis. Die Funktionäre wissen aber selbst, dass das kaum etwas bringen wird. Das Auf und Ab der Benzin- und Diesel-Preise wird wohl weitergehen.

Online: Heidi Keller, Sonja Linder