Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Volkszählung ("Zensus") 2022 in Deutschland

Meinung: Zensus 2022 – Schluss mit dem falschen Geschlecht

STAND
AUTOR/IN

Kurzes Interview und langer Online-Fragebogen – die Volkszählung 2022 will es allen recht machen. Dabei bleibt ihr Nutzen auf der Strecke, meint Martin Rupps.

Haben Sie Ihr richtiges Geschlecht gemeldet? Sind Sie sicher, dass Sie in der Wohnung bzw. dem Haus leben mit der angegebenen Adresse? Wann haben Sie zuletzt die Mitbewohner in Ihrem Haushalt durchgezählt, willkommene und ungebetene Kleintiere ausgenommen? Mit ein bisschen Glück bekommen Sie dieser Tage Besuch vom "Zensus" – dann werden alle diese Fragen beantwortet.

picture alliancedpa | Daniel Karmann (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Volkszählung 2022 will es allen recht machen. Dabei bleibt ihr Nutzen auf der Strecke Picture Alliance

Eine Zensus-Interviewerin kam am Dienstag zu mir und versicherte sich per Augenschein, dass ich ein Mann bin. Sie bestätigte, dass ich hier wohne und nicht gleichzeitig woanders. Wahrheitsgemäß gab ich an, von keinem weiteren Wohnsitz zu wissen. Sie lachte über meinen "Olympia-Waldi", einen Stoffhund, aber Tiere werden ja nicht mitgezählt.

Jede bzw. jeder Zehnte in Deutschland befragt

Die Dame war freundlich und konnte für ihre unglückliche Rolle nichts. Die Absurdität einer deutschen Volkszählung im Jahr 2022 ist hausgemacht. Sie soll so unauffällig wie möglich stattfinden, obwohl jede zehnte Einwohnerin bzw. jeder zehnte Einwohner in Deutschland befragt wird. Sie muss dem Gebot des Datenschutzes Rechnung tragen, aber zugleich frische Daten ermitteln.

Heraus kommt ein Murks aus persönlichem Interview (Dauer fünf Minuten) und Online-Fragebogen (Dauer 20 Minuten) - eine aus meiner Sicht halbgare Methode. Ich bin für das klassische Interview-Verfahren mit allen Personen in Deutschland ab 16 oder 18. Ein Staat muss wissen, wer in seinen Grenzen lebt – und wie viele.

Mehr Meinungen im SWR

Sexuelle Belästigung in Landesbehörden Meinung: Opfer brauchen mehr als nur Debatten

Wie kann man Opfern von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz helfen, darum geht es im baden-württembergischen Innenausschuss. Diskutiert wird aber nur sehr oberflächlich, echte Hilfe für die Opfer ist nicht in Sicht, meint Kirsten Tromnau.  mehr...

Mundart-Studie vorgestellt Meinung: Ohne Dialekte wird es fad und freudlos

Dialekte sind im Südwesten vom Aussterben bedroht. Stefan Giese hat sich eine Welt ohne regionale Mundarten vorgestellt. Sie gefällt ihm nicht.  mehr...

Mehrarbeit gegen Fachkräftemangel Meinung: Kretschmann vergrault Fachkräfte

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will mehr Fachkräfte anwerben, denkt aber gleichzeitig über längere Arbeitszeiten nach. Das passt nicht zusammen, meint Kirsten Tromnau.  mehr...

STAND
AUTOR/IN