Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Volkskrankheit Aufschieberitis

Meinung: Locker bleiben bei Prokrastination

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Martin Rupps
Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Aufschieben liege in der Natur des Menschen, sagt der Psychiater Christian Peter Dogs im Gespräch mit SWR1. Martin Rupps, der vor neuen Aufgaben gern zum Staubsauger greift, fühlt sich zutiefst verstanden.

"Prokrastination" klingt nach einer schweren Krankheit, über die SWR1 mit dem Psychiater Christian Peter Dogs gesprochen hat. Prokrastination meint ständiges Aufschieben von Aufgaben. Tatsächlich kann es sich fürchterlich anfühlen, dass die Steuererklärung noch nicht gemacht oder das letzte Paar Socken in der Wäsche ist. So wie der sagenhafte Sisyphos ewig einen Felsbrocken einen Berg hochwälzte, schieben wir ewig einen Berg doofer Tätigkeiten vor uns her.

Das hilft gegen Aufschieberitis

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Ich habe das Anhören des Gesprächs mit dem Psychiater ziemlich lange aufgeschoben aus Angst, er werde akademische Ratschläge geben gegen die Aufschieberitis. Doch der Mann bleibt locker, Aufschieben liege "in der Natur des Menschen". Christian Peter Dogs kennt nach eigener Aussage „niemanden, der nicht gerne aufschiebt“. Ich fühle mich verstanden und höre dem Mann noch ein zweites Mal zu.

Aufschieben mit Staubsaugen

Bei mir ist es der Staubsauger, zu dem ich gern greife, statt anstehende Aufgaben zu erledigen. Und das nicht nur in der Wohnung. Dass mein Auto stets ausgesaugt ist, hat einen krankhaften Hintergrund. Auf meinem Küchentisch liegen haufenweise Briefmarken, die in Alben gehören. Ich habe sie schon mehrfach in der Wohnung herumgetragen – mal, um mit den Augen darauf zu stoßen, mal, um sie aus dem Blickfeld zu schaffen. Das kennen Sie auch, oder?

Der Psychiater erklärt das Prokrastinieren mit der Bequemlichkeit unseres Gehirns. Es scheue Unbekanntes. Also, wer sortiert meine Briefmarken?

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