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Wildvogel-Monitoring Die Vogelgrippe ist wieder da

Krisensitzung in Berlin - an die Bundesländer wurde appelliert, das Wildvogel-Monitoring zu verstärken. Die EU soll mehr investieren in die Überwachung von Wildenten, -gänsen und Schwänen.

Zwei Enten landen im Boddengewässer in MV

Erstmals in Europa wurde das gefürchtete Vogelgrippe-Virus H5N8 bei einem Wildvogel nachgewiesen. In einem Drei-Kilometer-Umkreis um den Fundort der Krickente auf der Insel Ummanz/Mecklenburg-Vorpommern stehen die Geflügel-Haltungen unter besonderer Beobachtung.

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt lädt ein nach Berlin - schon im Vorfeld hat er an die Bundesländer appelliert, das Wildvogel-Monitoring zu verstärken. Die EU soll mehr Geld dafür geben, dass die Überwachung - ob sich wildlebende Enten, Schwäne und Gänse mit dem Vogelgrippe-Virus angesteckt haben und es verbreiten - intensiviert werden kann.

Virustyp H5N8 ist neu

Rund 31.000 Puten mussten getötet werden

H5N8 gefunden: 31.000 Puten mussten getötet werden

Vor acht Jahren war es der Virustyp H5N1, der Schuld war an Massenkeulungen von Hühnern, Puten und Enten - und schließlich zur strengen Stallpflicht für Hausgeflügel führte. Deutschlandweit wurden damals tausende Wildvögel als potenzielle Virusüberträger untersucht. Dieses Mal heißt der Übeltäter H5N8. Für den Menschen gilt er als ungefährlich, doch dieser Virustyp ist neu in Europa und hochgradig tödlich für Hausgeflügel. Deshalb soll das Wildvogel-Monitoring wieder verstärkt werden.

Für Menschen war und ist H5N1 ansteckend und kann tödlich enden - H5N8 nicht.

  • In Baden-Württemberg bekam das Max-Planck-Institut für Ornithologie Radolfzell schon vor rund zwei Wochen die Anweisung, wieder mehr Wildvogelproben zu nehmen, unmittelbar nachdem die Vogelgrippe in Mecklenburg-Vorpommern ausgebrochen war und 31.000 Puten notgeschlachtet wurden.
  • In Rheinland-Pfalz wurden in diesem Jahr bisher nur drei verdächtige Wildvögel untersucht. Denn nachdem der letzte große Vogelgrippeausbruch lange zurücklang, hatte das Bundesland das Wildvogel-Monitoring nach und nach herunter gefahren. Das rheinland-pfälzische Umweltministeriums hat aber jetzt entschieden, die Untersuchungen von Wildvögeln wieder zu intensivieren.

Wie funktioniert die Untersuchung?

bei Ausbruch der Vogelgrippe müssen die Tiere in den Stall

Schlechte Aussichten - das Geflügel muss bei Ausbruch der Vogelgrippe im Stall bleiben. In Mecklenburg-Vorpommern ist das bereits so.

Immer wenn das Wildvogel-Monitoring hochgefahren wird, bittet man Jäger, Vogelberinger und Veterinäre darum, häufiger Proben vor allem bei Wasservögeln wie Enten, Gänsen und Schwänen zu nehmen. Dazu wird ein Wattestäbchen in den Rachen und an die Kloake des toten oder besser noch lebenden Tieres getupft. Diese Proben werden dann an die zuständigen Landesuntersuchungsämter weitergeleitet.

Der Verdacht liegt nahe, dass das Virus H5N8 über Zugvögel weitergegeben und nach Europa gekommen ist - die sich auf ihren Routen aus Westen und aus Osten kommend in Sibirien treffen. Dabei müssen die Wildvögel selbst nicht erkrankt sein. In Korea ist das Virus H5N8 dieses Jahr bereits 30 Mal ausgebrochen.

Mehr Geld für mehr Proben

Das erklärt auch, warum Bundeslandwirtschaftminister Schmidt nun mehr Geld von der EU braucht: Sobald die Labore mehr Analysen machen müssen, wird es teurer. Ebenso, wenn es nötig wird, noch mehr Proben zu holen und die freiwilligen Helfer nicht mehr ausreichen - wenn also Mitarbeiter der Behörden mithelfen müssen, kommen auch noch beträchtliche Personal- und Fahrtkosten dazu.

Online: Heidi Keller