Teichhuhn (Gallinula chloropus), Jungtier, Küken, bettelt um Nahrung, wird von Alttier gefüttert, Baden-Württemberg, Deutschland (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Eibner-Pressefoto | Weber/ Eibner-Pressefoto)

Fünf Kandidaten zur Abstimmung

NABU-Aufruf: Wahl zum Vogel des Jahres startet

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Alice Thiel-Sonnen

Das virtuelle Wahllokal ist geöffnet: Fünf Kandidaten stehen zur Wahl, Vogel des Jahres 2023 zu werden. Alle repräsentieren Naturschutz-Themen, die mehr Aufmerksamkeit brauchen.

Jeder und jede kann wieder mitbestimmen, welcher Kandidat der Vogel des Jahres 2023 wird. Unter www.vogeldesjahres.de findet die Abstimmung statt. Beim letzten Mal haben sich mehr als 143.000 Menschen beteiligt. Mit dem Wiedehopf sei ein waschechter Baden-Württemberger zum Vogel des Jahres 2022 gekürt worden, erklärt Vogelexperte Stefan Bosch vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Zur Wahl stehen diesmal: Braunkehlchen, Feldsperling, Neuntöter, Teichhuhn und Trauerschnäpper.

Die Wahl endet am 27. Oktober

Bis zum Vormittag des 27. Oktobers kann abgestimmt werden. Noch am selben Tag wird dann der Sieger bekanntgegeben. Der Vogel des Jahres wurde in Deutschland erstmals im Jahr 1971 gekürt. Seit 22 Jahren wird öffentlich abgestimmt.

Luftakrobaten und Serienkiller stehen auf dem Stimmzettel

Der Trauerschnäpper ist überhaupt nicht traurig - sondern ein fröhlicher Luftakrobat, meint der NABU. Der Singvogel fängt sein Insekten-Futter im Flug. Doch Insekten gibt es immer weniger. Außerdem hat der Trauerschnäpper ein Zeitproblem: Weil der Frühling durch die Klimakrise immer früher beginnt, sind die meisten Bruthöhlen bei uns für den Trauerschnäpper oft schon belegt. Denn der Schnäpper überwintert südlich der Sahara, in Afrika. Der Zeitpunkt zur Rückkehr ins Brutgebiet ist genetisch festgelegt, oft trifft er erst im Mai wieder bei uns ein.

Ein junger Trauerschnäpper nimmt ein Bad. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / blickwinkel/AGAMI/A. Ghignone | AGAMI/A. Ghignone)
Ein junger Trauerschnäpper nimmt ein Bad. picture alliance / blickwinkel/AGAMI/A. Ghignone | AGAMI/A. Ghignone

Der Neuntöter hat das Image eines Serienkillers durch seinen speziellen Umgang mit seiner Beute bekommen. Er spießt Käfer, Heuschrecken und Hummeln an Dornen und Stacheln von Sträuchern auf, um sie später zum Abendbrot oder Frühstück zu verzehren. Sein Lebensraum ist in Gefahr, weil es nicht mehr so viele Hecken und Sträucher gibt.

Ein Neuntöter-Männchen, auch Rotrückenwüger (Lanius collurio) genannt, sitzt mit einem Insekt im Schnabel auf einem Holzpfahl auf der Insel Ruegen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Wolfram Steinberg)
Ein Neuntöter-Männchen, auch Rotrückenwüger (Lanius collurio) genannt, sitzt mit einem Insekt im Schnabel auf einem Holzpfahl auf der Insel Ruegen. picture alliance/dpa | Wolfram Steinberg

Das Braunkehlchen baut als Wiesenbrüter sein Nest am Boden. Da die Landwirtschaft Wiesen häufig abmäht und nutzt, fehlen Grünsteifen für diesen Singvogel. Er gehört zu den stark gefährdeten Arten. Auch freilaufende Hunde stören das Brutgeschäft des Braunkehlchens und seine Kücken sind leichte Beute für Hauskatzen.

Das Braunkehlchen baut als Wiesenbrüter sein Nest am Boden. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Bildagentur-online/McPhoto-Vorbu | Bildagentur-online/McPhoto-Vorbusch)
Das Braunkehlchen baut als Wiesenbrüter sein Nest am Boden picture alliance / Bildagentur-online/McPhoto-Vorbu | Bildagentur-online/McPhoto-Vorbusch

Der Feldsperling war 2021 auf Platz vier gelandet und geht nun noch einmal ins Rennen. Er hat sich, wie auch der Haussperling, den Menschen angepasst und lebt häufig in unseren Siedlungen, in Gärten und Parks. Wilde Obstgärten mag der Feldsperling eigentlich am liebsten, doch die gibt es kaum noch

Das Teichhuhn (Bild ganz oben) erkennt auch der Laie gut an seinem knallroten Schnabel und schwarzen Gefieder. Das Huhn findet man im geschützten Uferdickicht stiller Gewässer. Es gibt allerdings immer weniger grüne Ufer: Schilf, Büsche und Bäume werden oft zubetoniert, kritisiert der Naturschutzbund NABU. In den meisten europäischen Ländern sind die Bestände stabil. In Deutschland wurden jedoch starke Rückgänge festgestellt. Deshalb steht das Teichhuhn in der Vorwarnstufe der Roten Liste gefährdeter Arten.

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