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Vogel des Jahres 2017: Der Waldkauz Huuh-hu-huuh - hier kommt Super-Kauz

Der Waldkauz wurde zum Vogel des Jahres 2017 gekürt - stellvertretend für alle Eulenarten. In der Vogelwelt ist der Kauz eine Art Batman mit außerordentlichen Fähigkeiten.


Wenn es im Film gruselig werden soll, darf der Waldkauz mit seinem typischen Ruf nicht fehlen: Huuh-hu-huuh. Mit diesem Gesang balzt der Vogel und markiert sein Revier – vor allem im Herbst und im Spätwinter. Zu sehen bekommt man ihn nicht so oft: Er ist etwa so groß wie eine Krähe, hat Knopfaugen und ein Gefieder im Baum-Rinden-Look - eine gute Tarnung.

Der Waldkauz hat außergewöhnliche Fähigkeiten

Wie alle Eulen ist der Waldkauz spezialisiert auf die Jagd bei Nacht. Was ein richtiger Super-Held ist, der ist nachtaktiv. Im Schutz der Dunkelheit ist Kauz-Man mit seinem Tarn-Gefieder in Baumrinden-Optik fast unsichtbar. Er selbst aber kann ausgezeichnet sehen - wie alle Eulen.

Superkraft Nummer 1: Sehen mit Restlicht-Verstärkung

"Die Augen von ihnen sind extrem lichtempfindlich. Bei fast völliger Dunkelheit können sie noch feinste Unterschiede - hell/dunkel - erkennen, zum Beispiel bei Sternenlicht." Martin Klatt vom Naturschutzbund (NABU) ist beeindruckt. Auch wenn es komplett dunkel ist - kein Mond, keine Sterne, nix - kann sich der Super-Kauz noch orientieren: mit seinem Gehör.

Superkraft Nummer 2: Lauschen in 3 D

Ein Feuerwehrmann hält einen Waldkauz in den Händen.

Waldkäuze können räumlich hören

Die steifen Federn im Kauz-Gesicht wirken wie ein Schalltrichter, der ankommende Schallwellen zu den Ohren leitet. Die sind asymmetrisch angeordnet, dadurch kann der Kauz räumlich hören. Martin Klatt: "Wenn man sich vorstellt, dass so ein Kauz auf der Latte eines Fußballtores sitzt, und er kann bei Dunkelheit am gegenüberliegenden Tor eine Maus rascheln hören und auf die Entfernung zielsicher die Beute packen - das ist für uns unvorstellbar."

Der Kauz hört also die Mäuse bestens - aber sie hören ihn nicht kommen. Denn er kann noch etwas, was so manchem Flughafen viel Ärger mit Anwohnern ersparen würde: nahezu lautlos fliegen.

Superkraft Nummer 3: Der Flüster-Flug

Martin Klatt: "Der Waldkauz hat einen speziellen Federbau. Die äußeren Kanten seiner Handschwingen, also der Federn ganz außen am Flügel, sind mit feinen Zähnchen versehen. Dadurch kann man seinen Flügelschlag nicht hören. Kleine Verwirbelungen an diesen Zähnchen sorgen dafür, dass das Rauschen, was wir zum Beispiel von Gänsen oder Schwänen kennen - die machen ja richtig Krach beim Fliegen - beim Waldkauz komplett wegfällt." Er hat sozusagen Flügel mit eingebauten Schalldämpfern.

Superkraft Nummer 4: Greifen mit der Flexi-Zehe

Acht Augen des jüngsten Nachwuchses der Waldkäuze im Vogelpark in Steinen

Nachwuchs bei den Waldkäuzen - man beachte die Wende-Zehen

Normalerweise haben Vögel drei Zehen vorne und eine hinten. Typisch für Huhn, Spatz oder Kanarienvogel. Der Super-Kauz aber ist flexibel. Martin Klatt: "Der Waldkauz hat die Fähigkeit, seine Füße so auszurichten, dass zwei Zehen nach vorne und zwei nach hinten reichen. Man nennt das eine 'Wende-Zehe' - also eine Zehe wird gewendet, zwei Haken vorne, zwei Haken hinten. Dadurch kann er Beute unglaublich gut festhalten."

Lauter Superkräfte, die den Waldkauz zum perfekten nächtlichen Jäger machen - schlechte Nachricht für Maus, Maulwurf und Frosch.

Waldkäuze ziehen um

Der Naturschutzbund NABU und der bayerische Landesbund für Vogelschutz haben den Waldkauz zum Vogel des Jahres 2017 gekürt. In Deutschland gehen Experten von 43.000 bis 75.000 Waldkauz-Brutpaaren aus. Der Waldkauz bevorzugt als Lebensraum lichte Wälder und Landschaften mit Hecken und Gebüschen. Wie viele andere Waldvögel auch zieht der Waldkauz (Strix aluco) laut NABU immer häufiger in die Städte, zum Beispiel auf Friedhöfe, in Parks und in Gärten - mit altem Baumbestand und geeigneten Bruthöhlen. Doch sein liebster Lebensraum, die Höhlen alter Bäume, sei in Gefahr.

Das Fällen alter Höhlenbäume, eintönige Wälder und ausgeräumte Agrarlandschaften, auf denen Eulen keine Nahrung mehr finden, seien die größte Gefahren für einen gesunden Waldkauzbestand, betont der NABU.

Reine Fichtenwälder sind wertlos

Ein Waldarbeiter sucht mit einem speziellen Geräte alle Höhlen und Nischen in einem morschen Baum nach hier lebenden Tieren ab

Waldarbeiter suchen morsche Bäume gezielt nach hier lebenden Vögeln und Fledermäusen ab

"Der Waldkauz ist das ganze Jahr über bei uns zuhause", sagte Stefan Bosch, NABU-Fachbeauftragter für Vogelschutz in Baden-Württemberg. "Er ist zwar im ganzen Land verbreitet, aber nirgends häufig. "Nach Schätzungen von Vogelschutzexperten des NABU in Baden-Württemberg gibt es dort rund 8.000 Brutpaare. Reine Fichtenwälder und Felder ohne Hecken und Blühflächen seien für den Waldkauz wie auch für viele andere Tiere wertlos. "Hier kann er nicht brüten und findet keine Nahrung. Deshalb ist der Waldkauz ein großer Fan von naturnaher Forst- und Landwirtschaft", sagte Bosch.

In Rheinland-Pfalz lebt die Eule vor allem in den waldreichen Mittelgebirgen, wie der NABU in Mainz mitteilte. Aber auch hier ist der Waldkauz mittlerweile in städtisches Gebiet vorgedrungen. Schätzungen zufolge gibt es 3.000 bis 6.000 Brutpaare in Rheinland-Pfalz. Rheinland-Pfalz gehört zu den waldreichsten Bundesländern Deutschlands.

Von Stefanie Peyk, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller