Einführung des 49-Euro-Ticket Verkehr, Zug: Ein Zug der Eurobahn fährt in den Bahnhof ein. (Foto: IMAGO, Kirchner-Media)

Verkehrsminister beraten 49-Euro-Ticket

Meinung: Deutschlandticket, Fahrgäste und andere Übel

STAND
AUTOR/IN
Stefan Giese
Bild von Stefan Giese  (Foto: SWR, SWR/Christian Koch)

Beim 49-Euro-Ticket, dem "Deutschlandticket" im Nahverkehr, zeigen Verkehrsminister, ÖPNV-Verbünde und Bahn, dass ihnen die Interessen der Passagiere bestenfalls zweitrangig sind, meint Stefan Giese.

Fahrgäste sind das denkbar größte Übel für Verkehrsminister, Verkehrsverbünde und die Bahn. Dieser Eindruck drängt sich in der Diskussion um das "Deutschlandticket" auf, gerade jetzt angesichts des Treffens der Verkehrsminister zum Thema. Nicht genug, dass die Passagiere im Sommer die Frechheit besaßen, das 9-Euro-Ticket in rauen Mengen zu kaufen, und damit so viel Druck erzeugten, dass eine Nachfolgelösung hermuss: Eben das "Deutschlandticket", mit dem sie wahrscheinlich ab April kommenden Jahres für 49 Euro bundesweit den Nahverkehr nutzen dürfen.

Bild von Stefan Giese  (Foto: SWR, SWR/Christian Koch)
Die Meinung von Stefan Giese SWR/Christian Koch

Das Deutschlandticket – ganz schlimm

Jetzt steht auch noch zu befürchten, dass sie ebendieses "Deutschlandticket" zu nutzen gedenken. Für die Bahn scheint diese Vorstellung ganz schlimm zu sein. Sie warnt schon mal, mehr Fahrgäste bedeuten mehr Probleme, also: Erwartet bloß nicht zu viel von uns! Auch der Verband der Verkehrsunternehmen warnt, allerdings vor dem Gegenteil – vor zu wenigen Fahrgästen. Das monatlich kündbare "Deutschlandticket" könne bisherige Inhaber von Jahrestickets dazu verführen, im Sommer das neue Ticket nicht zu kaufen und aufs Fahrrad umzusteigen. Schlimm, schlimm, schlimm!

Die rheinland-pfälzische Verkehrsministerin Katrin Eder (Grüne) warnt vor hohen Mehrkosten für das 49-Euro-Ticket

Audio herunterladen (4,6 MB | MP3)

Dann fährt der Bus eben seltener

Und damit angesichts der Aussicht auf ein vergleichsweise attraktives Nahverkehrsticket niemand übermütig wird, treten Verkehrsverbünde schon mal präventiv auf die Bremse. Mehr Staatskohle solle her, ansonsten würden die Taktzeiten ausgedünnt und Verbindungen gestrichen. Die Verkehrsminister wiederum wollen bei diesem Wettbewerb des Zerredens, Verschleppens, Madigmachens nicht nachstehen. Erst zeigten sie nach dem Ende des 9-Euro-Tickets keinerlei Eile, ein Nachfolgeangebot zu finden. Dann können oder wollen sie sich nicht abschließend einigen, was das kostet und wer was zahlt.

Das Leben könnte so schön sein für Verkehrsminister, Verkehrsverbünde und die Bahn – gäbe es nur die Fahrgäste und ihre Erwartungen nicht.

Baden-Württemberg

49-Euro-Ticket im ÖPNV kommt In welchen Städten im Südwesten es sich am meisten lohnt

Ein ÖPNV-Ticket für 49 Euro: Lohnt sich das? Der Vergleich der Abo-Preise für das Deutschlandticket und je fünf große Städte in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zeigt Sparpotential.

DASDING DASDING

Rheinland-Pfalz

Fragen und Antworten 49-Euro-Ticket - Was ändert sich für Fahrgäste in RLP?

Die Bundesländer streben einen Start des 49-Euro-Tickets zum 1. April des kommenden Jahres an. Was bedeutet das neue Angebot für Fahrgäste und wie bereiten sich Verkehrsverbünde in Rheinland-Pfalz darauf vor?

Der Vormittag SWR1 Rheinland-Pfalz

Mehr Meinungen im SWR

Zwei Minuten: Die Kolumne zum Wochenende Meinung: Künstliche Intelligenz im Bundestag

Die Angst vor der Software Chat GPT wächst: Aber wenn Intelligenz immer seltener zu beobachten ist, warum dann Künstliche Intelligenz verteufeln, fragt Marie Gediehn in ihrer Kolumne.

Kretschmann: Bürgermeisteramt für Volljährige Meinung: Winfried Kretschmann, der neue Jugendversteher

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will das Bürgermeisteramt für Volljährige öffnen. Für Menschen ohne Beruf und Lebenserfahrung, meint Martin Rupps.

Zwei Seiten Vertrag, 46 Seiten "Kleingedrucktes" Meinung: Mobilfunk-Vertrag – Operation gelungen, Patient tot

Ein Vertrag, der alle Verbraucherschutzrechte berücksichtigt, kann zum verbraucherfeindlichen Monstrum werden. So geschehen beim neuen Mobilfunk-Vertrag von Martin Rupps.