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In der Corona-Krise sind sie so wichtig wie kaum eine andere Berufsgruppe: die Pflegekräfte. Es wird viel über sie geredet, doch ihre Situation hat sich kaum verändert. Das mache viele Beschäftigte krank, kritisierte der Pflegeverband zum Start des Deutschen Pflegetags.

Wegen der zweiten Corona-Welle steigt die Arbeitsbelastung weiter an. Es drohen in der Pflege wieder Arbeitszeiten von bis zu 60-Wochenstunden. In dieser Situation findet das alljährliche Branchentreffen, der Deutsche Pflegetag, statt. Zum ersten Mal komplett digital. Dazu haben sich neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminsiter Jens Spahn (beide CDU) noch zwei weitere Minister angemeldet. Die 1,6 Millionen Beschäftigten in deutschen Kliniken, in Altenheimen und ambulanten Pflegediensten werden diesmal mehr erwarten als Danksagungen für ihren Einsatz.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe hat die Politik aufgefordert, Pflegeeinrichtungen und -personal in der Corona-Pandemie stärker zu unterstützen. Bundesgeschäftsführer Franz Wagner forderte in Ballungszentren, die Kliniken wieder auf den Notbetrieb umzustellen. Das heißt, planbare Operationen zu verschieben, wenn dies medizinisch vertretbar sei, um Betten und Personal für Covid-19-Patienten freizuhalten. Die Sorge, dass nicht genügend Pflegefachkräfte auf Intensivstationen sind, sei begründet, sagte er.

Tests von Pflegekräften sollen schneller bearbeitet werden

Wagner forderte zudem, die Kosten für den zusätzlichen Personalaufwand zur Durchführung von Corona-Schnelltests voll zu refinanzieren. "Das ist bisher nicht so geplant", sagte er. Zudem verlangte er, dass PCR-Tests bei Pflegefachkräften von Laboren prioritär innerhalb von maximal 24 Stunden ausgewertet werden, wo dies momentan so nicht der Fall sei.

Schon vor Corona am Rande der Belastbarkeit

Langfristig forderte er für die Pflege "tiefgreifende Weichenstellungen". Schon vor der Pandemie seien die Pflegenden am Rande der Belastbarkeit oder bereits überlastet gewesen. An dieser Stelle müsse endlich Abhilfe geschaffen werden durch bessere Bezahlung, mehr Personal und eine bessere Arbeitszeitregelung, so Wagner.

"Die schlechte Personalausstattung in diesem Beruf macht viele Beschäftigte krank und treibt sie aus dem Beruf."

Franz Wagner, Geschäftsführer Deutscher Pflegeverband

Auch die Bundespflegekammer sieht das Hauptproblem beim Personalmangel: Man brauche zeitnah ein flächendeckendes, bundeseinheitliches Personalbemessungsverfahren in Pflegeheimen. Bereits jetzt liege der Durchschnitt der Arbeitsunfähigkeitstagen in der Pflege bei 28 Tagen pro Jahr und damit deutlich über dem Durchschnitt anderer Berufe, sagte Präsidiumsmitglied Patricia Drube.

Ausbildung und Bezahlung verbessern

Drube sprach sich auch für eine bundeseinheitliche Pflegehelferausbildung aus und für ein verstärktes Anwerbern von Akademikern für die Pflege. Der Pflegeberuf sei nicht das Auffangbecken für Menschen, die andernorts keinen Job gefunden hätten, so Drube. Entsprechend müsse das Lohnniveau für alle Pflegefachpersonen schrittweise auf ein Einstiegsgehalt von 4.000 Euro brutto angehoben werden.

Lohnerhöhung kommt ab März 2021

Im Oktober hatten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften darauf geeinigt, dass die Gehälter in der Pflege stärker ansteigen als die 3,2 bis 4,5 Prozent bei anderen Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Die Erhöhung ab März 2021 beträgt 8,7 Prozent. Intensivkräfte erhalten dann bis zu 10 Prozent mehr Lohn. Für eine Pflegefachkraft im Krankenhaus, die jetzt rund 3.500 Euro Monatseinkommen erhält, wären das bis zu 300 Euro mehr.

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