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Die kirchenkritische Wissenschaftlerin Uta Ranke-Heinemann und Tochter des ehemaligen Bundespräsidenten Gustav Heinemann ist tot. Die weltweit erste Professorin für katholische Theologie wurde 93 Jahre alt.

Die Kirchen hatten es - weiß Gott - nicht immer leicht mit ihr: Die weltweit erste Professorin für katholische Theologie kam ursprünglich aus der evangelischen Kirche, konvertierte aber 1953 zum Katholizismus. Als Begründung für den Wechsel nannte Ranke-Heinemann die Suche nach mehr religiöser Toleranz. Dabei sei sie allerdings "vom Regen in die Traufe gekommen", erklärte Ranke-Heinemann später.

Pionierin von Kindheit an

Für Aufsehen hatte die älteste Tochter des früheren Bundespräsidenten Gustav Heinemann schon in ihren Kindheitstagen gesorgt: Als einziges Mädchen besuchte sie 1945 das Essener Burggymnasium und schloss dort mit einem Einser-Abitur ab. Von 1947 bis 1953 studierte sie in Basel, Oxford, Montpellier und Bonn 13 Semester evangelische Theologie. Nach ihrem Konfessionswechsel habilitierte sie und wurde katholische Theologieprofessorin zunächst in Neuss, später in Duisburg und Essen.

Keine Scheu vor Konflikten - dafür viel Emphatie

Uta Ranke-Heinemann zweifelte an der Dreifaltigkeit Gottes und der Erlösung Christi am Kreuz. Scharf kritisierte die Theologin das päpstliche Pillen- und Kondomverbot. Dass Afrikanerinnen mit der Hölle bedroht würden, weil sie beim Sex mit ihrem HIV-infizierten Mann ein Kondom benutzen, nannte Ranke-Heinemann eine "tödliche Irreführung der Menschheit".

Zum Bruch mit der Kirche kam es 1987, nachdem Ranke-Heinemann dem Kirchendogma von der Jungfrauengeburt widersprach. Sie wollte die Jungfräulichkeit Marias nicht wörtlich, sondern als "damalige Vorstellungsmodelle" verstanden wissen. Daraufhin entzog ihr der damalige Essener Bischof Franz Hengsbach die Lehrerlaubnis. Sie verlor ihren Lehrstuhl in Essen, bekam aber einen kirchenunabhängigen Lehrstuhl für Religionsgeschichte.

Chancenlos bei Kandidatur fürs Bundespräsidentenamt

Auch politisch engagierte sich Uta Ranke-Heinemann: 1999 ließ sich die Pazifistin von Gregor Gysi (Linke) zur Kandidatur für die Linke-Vorgängerpartei PDS bei der Bundespräsidentenwahl überreden. Dass dies von vorneherein ein aussichtsloses Unterfangen war, hielt sie nicht davon ab. Die Wahl gewann Johannes Rau (SPD).

Von der Wahl ihres ehemaligen Studienkollegen Joseph Ratzinger im Jahr 2005 zum Papst zeigte sich Uta Ranke-Heinemann bitter enttäuscht. Gut ein Jahr nach Amtsantritt von Benedikt XVI schrieb sie: "Ich hatte gehofft, er schafft endlich den Zölibat ab."

Uta Ranke-Heinemann war seit 1954 mit dem 2001 verstorbenen katholischen Religionslehrer Edmund Ranke verheiratet. Sie hinterlässt zwei Söhne.

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