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Unkrautvernichter Wie kommt Glyphosat ins Bier?

Das Umweltinstitut in München hat 14 Biersorten getestet und in allen den Unkrautvernichter Glyphosat gefunden. Die Werte liegen zum Teil massiv über dem Grenzwert. Glyphosat soll krebserregend sein.

Bier-Ausstellung im Technoseum Mannheim

Deutsche Brauer in der Kritik: Umweltinstitut München findet Unkrautvernichter in 14 Biersorten

Sabine Schütze und Werner Eckert, SWR Umwelt und Ernährung, berichten

Glyphosat ist der Wirkstoff im Spritzmittel Roundup. Es ist ein häufig eingesetztes Spritzmittel, weil es prompt und zuverlässig wirkt. Glyphosat verhindert, dass die Pflanze weiter Eiweiß bildet. Deshalb kann sie nicht weiter gedeihen und stirbt innerhalb einer Woche ab.

So wirkt Glyphosat

Das Herbizid vernichtet jedoch nicht nur Unkraut, es tötet jede Pflanze ab, auch Getreidepflanzen - und das ist kurz vor der Ernte ausgesprochen hilfreich: Denn eine absterbende Pflanze versorgt die Getreidekörner nicht länger mit Flüssigkeit. Sie trocknen gut ab - eine wichtige Voraussetzung, um geerntet zu werden.

Glyphosat bei Braugetreide verboten

Pestizide werden auf Feld gesprüht

Glyphosat in der Landwirtschaft: Krebserregend?

Dieser Trick, Glyphosat noch einmal kurz vor der Ernte zu sprühen, ist aber bei Braugetreide verboten. Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass der Unkrautvernichter über die sogenannte Stoppelbehandlung in die Pflanze geraten ist. Das heißt: Nach der Ernte wird das Mittel ausgebracht und ist dann noch im Boden, wenn die nächste Aussaat stattfindet.



Kein Verstoß gegen deutsches Reinheitsgebot

Anbau von Braugerste

Aus Gerste wird Malz fürs Bier

Damit lassen sich auch die geringen Mengen erklären, die das Umweltinstitut München im Bier nachgewiesen hat. Sie gelten nicht als akut gesundheitsschädlich. Gleichwohl hat ein Stoff, den die Internationale Krebsforschungsagentur als "wahrscheinlich krebserregend" für den Menschen eingestuft hat, nichts im Bier zu suchen, auch nicht in Spuren.

Trotzdem bedeuten diese Glyphosat-Funde keinen Verstoß gegen das bestehende Reinheitsgebot, einfach deshalb, weil dieses für Glyphosat keinen entsprechenden Grenzwert vorschreibt.

Ist Bier nun gesundheitsschädlich?

Gastronomie

Im Norden wird mehr Glyphosat angewendet als im Süden

Bier wird aus Braugerste hergestellt. Wenn also das Getreide Glyphosat enthält, dann kann es auch in Bier gefunden werden. In Nord- und Ostdeutschland wird mehr von dieser Chemikalie ausgebracht als im Süden der Republik. Das scheint sich auch in den Gehalten der getesteten Biermarken wieder zu spiegeln. Allerdings sind die Konzentrationen in allen Fällen sehr niedrig. Der Grenzwert für diesen Wirkstoff in Wasser ist aus guten Vorsorgegründen extrem niedrig festgelegt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält die Gehalte in Bier für erwartbar, weil ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel sich in diesen Konzentrationen immer auch im Endprodukt wiederfinde. Um eine gesundheitlich bedenkliche Menge Glyphosat aufzunehmen, müsse ein Erwachsener 1000 Liter Bier am Tag trinken, rechnet die Behörde vor.

Was man über den Unkrautvernichter Glyphosat wissen sollte

Das Monsanto-Herbizid Roundup vernichtet alles, ausser den gentechnisch manipulierten Sojapflanzen.

Das Monsanto-Herbizid Roundup vernichtet alles - außer den gentechnisch manipulierten Pflanzen

Glyphosat ist die am häufigsten angewendete Chemikalie auf Deutschlands Äckern. Rund 5.500 Tonnen des Unkrautvernichters werden bei uns ausgebracht - weltweit etwa 750.000 Tonnen - überwiegend in der Landwirtschaft, aber auch in privaten Vorgärten, auf städtischen Grünflächen und von der Bahn entlang der Gleise.

Der Wirkstoff selbst und einige Stoffe, die dem verkaufsfertigen Spritzmittel zugesetzt werden, sind umstritten. Die internationale Agentur für Krebsforschung IARC stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFAS verneint das. Gerade jetzt, in den nächsten Tagen, soll die EU darüber entscheiden, ob die Zulassung des Stoffes verlängert wird. Die aktuelle Untersuchung des Umweltinstituts kommt also nicht zufällig.

Glyphosat hat einen Siegeszug weltweit angetreten, weil es im Doppelpack mit gentechnisch veränderten Pflanzen angeboten wird. Der Gentech-Multi Monsanto hat sie Glyphosat-resistent gemacht. In Deutschland spielt dieser Doppelpack von Pflanze und Gift allerdings keine Rolle.

Meistverwendetes Gift in Deutschland

Korb mit Unkrautvernichtungsmittel Vorox

Auch in Privatgärten: In Baumärkten und Gartencentern gibt es Unkrautvernichter mit dem Wirkstoff Glyphosat für den Hobbygärtner

In Deutschland gibt es zwei Hauptanwendungen des Total-Herbizids: zum Einen wird damit alles Grün auf Äckern abgetötet, in die ein Bauer ohne zu pflügen Getreide einsäen will. Zum Anderen kann man mit Glyphosat eine Woche vor der Ernte dafür sorgen, dass alle Halme absterben und die Körner trocken und lagerfähig sind. Beides lässt sich auch anders erreichen. Aber unterm Strich rechnet die Branche dann mit fünf bis zehn Prozent Ertragsrückgang.

In den letzten Jahren ist die Verwendung von Glyphosat allerdings schrittweise eingeschränkt worden. Das hat mit dem Streit um die Gefahren zu tun, aber auch damit, dass der massive Einsatz eines einzigen Wirkstoffes schon zu Resistenzen bei vielen Wildkräutern geführt hat.

Nachweisbar ist der Wirkstoff fast überall: In Milch, Wasser, im Urin von Tieren und Menschen sowie in Getreide. Die Tests, die das Herbizid auch in Muttermilch nachweisen, sind aber umstritten.

Online: Heidi Keller, Christine Trück