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Viele Impfanwärter, die eine Wahl haben, machen um den Impfstoff von AstraZeneca einen Bogen. Auch Martin Rupps würde sich nicht damit impfen lassen und erklärt warum.

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, hat sich gegen eine Impfung von medizinischem Personal mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca ausgesprochen. Dem Produkt wird in manchen Studien eine Wirksamkeit von 65 bis 70 Prozent zugeschrieben, andere Impfstoffe kommen auf bis zu 95 Prozent. Die Wirkung bei Menschen über 65 ist aufgrund der dünnen Studienlage nicht sicher.

Der Impfstoff von AstraZeneca soll einen niedrigeren Wirkungsgrad haben als der anderer Hersteller. (Foto: Imago, Zuma Wire)
Der Impfstoff von AstraZeneca soll einen niedrigeren Wirkungsgrad haben als der anderer Hersteller. Imago Zuma Wire

Die vergleichsweise mäßige Leistung des AstraZeneca-Impfstoffs bringt die Politik in Verlegenheit. Einerseits will sie möglichst rasch möglichst vielen Menschen eine Impfung zukommen lassen, wofür sie das schwedisch-britische Produkt dringend braucht. Andererseits schürt die Kunde vom geringeren Wirkfaktor die Angst, trotz Impfung an Corona zu erkranken. Und spült Wasser auf die Mühlen prinzipieller Impf-Gegner.

Wer sich nicht gegen Corona impfen lässt, macht meines Erachtens einen Fehler. Wer sich mit einem mäßig wirksamen Wirkstoff begnügt, während es bessere gibt, auch. Die Pandemie zwingt dazu, dass die Gesellschaft in Impf-Klassen eingeteilt wird. Über 80-Jährige und Pflegekräfte zuerst! Wird der AstraZeneca-Impfstoff verspritzt, erfolgt eine nochmalige Teilung der Gesellschaft in sicher und weniger sicher Geimpfte. Mir erscheint das moralisch und politisch hoch problematisch.

Noch viel Platz im AstraZeneca-Impfzentrum

Die Bundesregierung schließt derzeit eine Wahlfreiheit zwischen den Impfstoffen aus. Es sollen zur Bekämpfung der Pandemie möglichst viele Menschen so schnell wie möglich geimpft werden. Über Bedenken von Bürgerinnen und Bürgern gegen den AstraZeneca-Impfstoff geht sie hinweg. Nur im Land Berlin herrscht Wahlfreiheit. Die Menschen stimmen dort - für mich völlig verständlich - offenbar mit den Füßen ab und bleiben bisher dem AstraZeneca-Impfzentrum fern. Auch anderswo erscheint ein Teil des medizinischen Personal nicht zur Reihenimpfung mit diesem Stoff.

Ich werde, wenn ich mit der Impfung drankomme, darauf bestehen zu erfahren, von welcher Firma der Impfstoff kommt. Und würde das schwedisch-britische Produkt ablehnen und lieber warten, bis ein anderes greifbar ist. Das Produkt von AstraZeneca soll auch sonst nur bekommen, wer es ausdrücklich will.

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