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Deutschland ist keine Fahrradfahrnation. 40 Prozent sind nie mit dem Rad unterwegs. Und denen, die es sind, ist nicht immer wohl dabei. Dabei haben die Menschen konkrete Ideen, wie ihnen mehr Lust aufs Rad gemacht werden könnte.

Mehr als die Hälfte aller Menschen in Deutschland gehen als richtige Fahrradmuffel durch. Sie steigen nie bis selten auf das Fahrrad. Das ergibt eine aktuelle, repräsentative Umfrage, die das Berliner Umfrageinstitut Infratest Dimap im Auftrag des SWR in Deutschland durchgeführt hat. Nur für jeden Zehnten ist das Fahrrad demnach täglicher Begleiter, knapp ein Drittel steigt zumindest mehrmals im Monat aufs Rad.


Vor allem Senioren meiden das Fahrrad

Teils große Unterschiede gibt es hinsichtlich des Alters: So sind die aktivsten Radfahrer in der mittleren Altersgruppe zu finden. Fast zwei Drittel aller Senioren gaben an, niemals Rad zu fahren. Geht man nach Geschlechtern, zeigen sich Männer etwas aktiver als Frauen. Bei der Parteipräferenz führen nicht etwa Anhänger der Grünen, sondern der Linken knapp die Liste an.


Corona wirkt sich wenig auf den Radverkehr aus

Weniger Aufschwung als vielleicht vermutet hat die Corona-Pandemie bislang dem Radverkehr gebracht. Zwar gab fast jeder Zehnte an, seit dem Beginn der Pandemie häufiger aufs Rad zu steigen. Genauso viele Menschen sagten aber, das Fahrrad nun weniger zu nutzen. Für den Rest änderte sich nicht viel. Zu den Gruppen, die am ehesten aufs Rad umstiegen, zählen beispielsweise die Jüngeren. Unter denen, die im Gegensatz dazu vom Rad eher auf andere Verkehrsmittel umstiegen, fanden sich überdurchschnittlich viele FDP-Anhänger.


Nach dem Ende der Pandemie wollen fast 80 Prozent ihr aktuelles Radfahrverhalten beibehalten. Auffällig ist: Menschen die seit Corona mehr Fahrrad fahren, wollen auch nach dem Ende der Pandemie überdurchschnittlich oft weiter in die Pedale treten. Diejenigen, die aktuell nicht so viel Fahrrad fahren, wollen das nach dem Ende der Pandemie wieder ändern.


40 Prozent glauben, die Politik sollte mehr für Radler tun

Könnte die Politik mehr für die Radfahrer tun? Davon sind vor allem die Vielfahrer überzeugt und jene, die seit Corona aufs Rad umgestiegen sind. Insgesamt gaben vier von zehn Umfrageteilnehmern an, dass von Seiten der Politik zu wenig unternommen werde, um den Radverkehr zu fördern. Vor allem AfD- und FDP-Anhänger, sowie Menschen, die selbst nie aufs Rad steigen, sind hingegen überdurchschnittlich oft der Meinung, dass die Politik zu viel für die Radfahrer tue.

Autos führen bei vielen zu Unsicherheit auf dem Rad

Gründe für die Menschen, das Rad doch eher stehen zu lassen, gibt es mehrere. Das größte Ärgernis sind laut Umfrage aber die Autos: 39 Prozent aller Befragten gaben an, sich wegen der vielen Autos auf dem Rad unsicher zu fühlen. Mehr als jeder Dritte ärgert sich zudem darüber, dass es keine ausreichenden Möglichkeiten gebe, um das Fahrrad sicher abzustellen. Über eine unübersichtliche Radwegeführung beschwert sich ebenfalls mehr als ein Drittel. Besonders genervt davon fühlen sich Jüngere, Menschen mit höherem Schulabschluss, Anhänger der Grünen und Einwohner von Großstädten.


Ein Anreiz, um häufiger aufs Fahrrad zu steigen, wären besser ausgebaute Radwege. 38 Prozent würden dann nach eigener Aussage das Fortbewegungsmittel eher wechseln. Noch höher liegt die Zahl beispielsweise bei Jüngeren, Menschen aus dem Osten Deutschlands und denen, die sowieso schon regelmäßig Fahrrad fahren.

76 Prozent der Vielfahrer sind auch der Meinung, dass Schnellradwege wichtig für ein gutes Radwegenetz sind. Dieser Meinung sind auch sechs von zehn Erwerbstätigen. Im Bundesdurchschnitt sehen das nur 54 Prozent so.

Baden-württembergischer Verkehrsminister sieht Aufforderung an die Politik

Der baden-württembergische Minister für Verkehr Winfried Hermann teilte mit: "Auch, wenn die Umfrage keine spezifischen Zahlen für Baden-Württemberg liefert, belegt sie, dass eine bessere Radverkehrsinfrastruktur zentral ist, damit mehr Menschen Fahrrad fahren und sich dabei sicher fühlen."

Die Umfrage sei eine Aufforderung an die Politik, in den kommenden Jahren noch mehr zu investieren und mehr sichere Radwege zu schaffen.

Auch ADAC und ADFC sehen Nachholbedarf bei Rad-Infrastruktur

Die Ergebnisse der SWR-Umfrage decken sich mit den Erfahrungen des Automobil-Clubs ADAC. Dort weiß man um die diversen "Baustellen" auf dem Gebiet. "Auch nach den Erkenntnissen des ADAC fühlen sich Fahrradfahrer im Straßenverkehr oftmals unsicher", kommentiert der Bundesverband die Ergebnisse der Umfrage. Man halte "deshalb den Ausbau der Rad-Infrastruktur in den Städten und auf dem Land für wichtig, um vor allem Lücken im Fahrradwegenetz zu schließen und dadurch die Sicherheit der Radfahrenden zu verbessern."

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Dass es beim Thema Radfahrfreundlichkeit im Südwesten noch viel Luft nach oben gibt, zeigte jüngst auch der Fahrradklima-Test des Fahrrad-Clubs ADFC. Bewertet wurden unter anderem der Zustand der Radwege, das Radwegenetz und das Sicherheitsempfinden. Rheinland-Pfalz erreichte dabei nur die Note 4,1. Auch Baden-Württemberg erreichte trotz Spitzenreitern wie Karlsruhe insgesamt nur Mittelmaß.

SWR-Kampagne #besserRadfahren - machen Sie mit!

Wo gibt es Probleme auf dem Rad? Wo rollt es besonders gut? Das ist aktuell auch das Thema einer großen Mitmachaktion des SWR im Rahmen der Kampagne #besserRadfahren. Alle Menschen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sind dazu eingeladen, Auskunft über ihre Raderlebnisse zu geben. Mehr als 5.000 Meldungen sind bislang eingegangen. Diese werden vom SWR und seinen Partnern ausgewertet. Positiven und negativen Beispielen wird vor Ort nachgegangen.

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