Ein Spezialist auf dem Verlegeschiff Fortuna verschweißt ein Rohr der Nord Stream 2-Pipeline. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa/Nord Stream 2 | -)

EU-Sanktionen gegen Russland

Unternehmen befürchten weiter steigende Energiepreise

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Geli Hensolt
Christoph Mautes
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Alexander Winkler
SWR-Wirtschaftsredakteur Alexander Winkler (Foto: SWR, Oliver Reuther)

Wirtschaftsverbände im Südwesten blicken besorgt auf die aktuelle Entwicklung in der Ukraine-Krise. Die Sanktionen der EU könnten auch Unternehmen hierzulande treffen.

Die Verbände der Chemie- und Pharmaindustrie Baden-Württemberg warnen vor möglichen Auswirkungen auf die Energieversorgung: Die Situation werde gefährlich, wenn die Krise zwischen Russland und der Ukraine eskaliere und Gaslieferungen aus Russland ausblieben, so die Chemie.BW auf SWR-Anfrage. Dann drohten der chemischen Industrie nicht nur explodierende Preise, sondern auch Lieferstopps.

Diese Sorge teilt der Verband Unternehmer Baden-Württemberg: der Konflikt könne die ohnehin sehr hohen Energiepreise noch weiter nach oben treiben und sowohl Unternehmen als auch Verbraucher zusätzlich belasten. Der Verband fürchtet zudem, dass sich mögliche Sanktionen insbesondere auf einzelne Industrieunternehmen auswirken könnten, die in größerem Umfang Hochtechnologie nach Russland liefern.

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Russland bei wichtigsten Handelspartnern auf Platz 16

Auch der Technologiekonzern Bosch beobachtet die Entwicklungen mit Sorge. Derzeit sei es aber noch zu früh, mögliche Auswirkungen auf das Geschäft zu bewerten, so eine Sprecherin gegenüber dem SWR. Im Jahr 2020 lag der Russland-Umsatz von Bosch nach Unternehmensangaben bei rund einer Milliarde Euro. Bosch beschäftigt gut 3.400 Mitarbeiter in dem Land.

Gesamtwirtschaftlich dürften die Auswirkungen überschaubar bleiben: Nach Verbandsangaben gehen lediglich 1,5 Prozent der baden-württembergischen Exporte nach Russland. Auf der Liste der wichtigen Handelspartner liegt Russland nach Informationen des Wirtschaftsministeriums bei den Ausfuhrländern auf Platz 16 und auf Platz 26 bei den Einfuhrländern. Den größten Anteil an den Exporten hatten 2020 Maschinen, Kraftwagen und elektronische Ausrüstung. Bei den Importen haben Erdöl und Erdgas den größten Anteil.

Ludwigshafen: Der Produktionsstandort des Chemie-Unternehmens BASF ist zur "Blauen Stunde" hell erleuchtet. Im Vordergrund blüht ein Rapsfeld. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance / Andreas Arnold/dpa | Andreas Arnold)
Auch der Chemiekonzern BASF aus Ludwigshafen hat enge Verbindungen nach Russland: Dort hat das Unternehmen insgesamt sechs Standorte, hinzu kommt ein weiterer in der Ukraine. picture alliance / Andreas Arnold/dpa | Andreas Arnold

Vor allem Maschinenbau und Chemieindustrie bangen

Auch in Rheinland-Pfalz gibt es hunderte Betriebe, die wirtschaftliche Beziehungen nach Russland unterhalten und Waren nach Russland exportieren oder von dort importieren. Die meisten von ihnen sind mittelständische Betriebe aus der Industrie - vor allem aus den Bereichen Maschinenbau und Chemie. Aber auch der Mainzer Glashersteller Schott hat zwei Niederlassungen in Russland.

Zudem hat der Chemiekonzern BASF aus Ludwigshafen enge Verbindungen nach Russland: Dort hat das Unternehmen insgesamt sechs Standorte, hinzu kommt ein weiterer in der Ukraine. Die BASF beobachte die Entwicklung "mit Erschrecken und großer Sorge", so eine Sprecherin gegenüber dem SWR. Alle Mitarbeitenden vor Ort seien aufgefordert, so weit wie möglich von zuhause aus zu arbeiten und von Geschäftsreisen abzusehen.

Unternehmen sorgen sich vor Folgen der Sanktionen

Auch die rheinland-pfälzischen Industrie- und Handelskammern betonen, die russische Förderation sei ein wichtiger Handelspartner. Bei den IHKs häuften sich aktuell die Anrufe besorgter Unternehmer, die sich über die Auswirkungen möglicher Sanktionen erkundigten.

Als Handelspartner allerdings spielt Russland für Rheinland-Pfalz eine eher untergeordnete Rolle: 2020 gingen nur gut 1,5 Prozent der rheinland-pfälzischen Exporte nach Russland und 0,7 Prozent der Importe kamen aus Russland. Auf ähnliche Werte kommen zum Beispiel Schweden und Griechenland.

Wirtschaftsverbände hoffen auf diplomatische Lösung

Gleichzeitig sorgt sich die Landesvereinigung Unternehmerverbände Rheinland-Pfalz (LVU) vor möglichen russischen Gegensanktionen auf dem Energiemarkt. LVU-Hauptgeschäftsführer Karsten Tacke hofft deswegen weiterhin auf eine diplomatische Lösung. Der Bundesregierung müsse klar sein, dass auch der Wirtschaftsstandort unmittelbar betroffen sei, so der LVU.

"Ein Wettstreit der Sanktionen geht immer zu Lasten der Bevölkerung. Auch hier in Rheinland-Pfalz hängen Arbeitsplätze vom Osteuropa-Geschäft ab."

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EU-Kommission schlägt weitreichende Sanktionen gegen Russland vor

Als Antwort auf das russische Vorgehen gegen die Ukraine hat die EU-Kommission nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur unerwartet weitreichende Sanktionen gegen Russland vorgeschlagen. Ein den Mitgliedstaaten am Dienstag präsentierter Entwurf sieht Angaben von Diplomaten zufolge vor, den Handel mit russischen Staatsanleihen zu verbieten, um eine Refinanzierung des russischen Staats zu erschweren. Daneben sollen mehrere hundert Personen und Unternehmen auf die EU-Sanktionsliste kommen.

Die Bundesregierung legt zudem das umstrittene Pipeline-Projekt Nord Stream 2 vorläufig auf Eis. Das hat Bundeskanzler Olaf Scholz mitgeteilt.

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