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Überwachter Alltag Das Ende der Privatsphäre

"Ein heute geborenes Kind wird ohne jegliche Vorstellung von Privatsphäre aufwachsen", sagt Edward Snowden. Aber nicht nur Geheimdienste interessieren sich für die digitale Spur, die der moderne Mensch hinterlässt: Eltern, Freunde, Partner und Arbeitgeber überwachen fleißig mit.

 Ein Kugelschreiber zeigt an einem Computermonitor auf eine Anrufliste.

Jeder Anruf wird registriert.

Die Aussage des ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiters Snowden, der in Russland im Asyl lebt, lässt sich ausweiten: Viele Internetnutzer spionieren anderen hinterher und nutzen moderne Technologien, um mehr über das Privatleben anderer herauszufinden, als diese freiwillig preisgeben wollen.

Die Technik ist auf dem Markt: Man kann die Kamera und das Mikrophon eines fremden PCs heimlich einschalten und die Tastatureingaben mitschneiden. Oder im Smartphone der Freundin einen Standortmelder installieren.

Es reicht schon, das Logbuch des Navigationssystems im Auto auszuwerten, nachdem der Ehemann nach Hause gekommen ist. Der Vertrauensbruch ist ähnlich wie das Öffnen eines persönlich adressierten Briefes oder das Lesen des Tagebuchs des Partners.

Der überwachte Alltag

Kinder mit Überwachungschip

Das Wort Überwachung ist nicht nur negativ besetzt. Man überwacht sein Haus, um vor Einbrechern geschützt zu sein. Oder man überwacht bestimmte Produktionsabläufe, um Unfällen vorzubeugen. Es gibt auch eine Diebstahlüberwachung für Autos.

Oder der vermeintliche Schutz der Kinder: Ein namhafter baden-württembergischer Unternehmer hat seinen sieben Kindern einen GPS-Sender unter die Haut eingepflanzt. Im Falle einer Entführung will er sicher sein, dass er und die Polizei schnell in der Lage sind, den Aufenthaltsort zu ermitteln.

Eine Umfrage in Deutschland zeigt, dass auch Personen, die nicht über ein Milliardenvermögen verfügen, einer solchen Überwachung zustimmen. 60 Prozent waren dafür, nur neun Prozent strikt dagegen.

Wer die Sicherheitszone verlässt

In den angelsächsischen Ländern bieten verschiedene Unternehmen GPS und Ortung über das Mobilfunknetz an. Für rund 200 Euro kann man über eine damit ausgestattete Armbanduhr oder ein Handy auf bis zu drei Meter genau den Aufenthaltsort der Kids bestimmen.

Man kann sogar bestimmte Sicherheits-Zonen definieren: Wenn sich ein Kind aus dieser Zone entfernt, wird automatisch der Computer oder das Handy der Eltern alarmiert.

Kritiker halten dagegen, wie frei kann sich ein Kind noch fühlen, wenn es ständig unter Beobachtung steht? Und Polizeiexperten meinen, dass die Überwachung den Druck auf potentielle Entführer eher erhöht - zum möglichen Schaden der Kids.