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Spaniens Regierung will den Tourismus unbedingt wieder ankurbeln, denn daran hängen viele Jobs - auf dem Festland und vor allem auf Inseln wie Mallorca. Reisekorridore und Impfnachweise sollen dies möglich machen.

Spaniens Tourismusbetriebe hoffen auf die Europäische Union. Nach dem EU-Sondergipfel zur Corona-Pandemie am vergangenen Donnerstag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt, dass Europa bis zum Sommer einen einheitlichen Corona-Impfpass für einfaches Reisen einführen könnte - innerhalb der EU, womöglich auch in Drittstaaten.

80 Prozent weniger Spanien-Besucher als im Vorjahr

Viele Menschen in Spanien leben buchstäblich vom Tourismus - direkt oder indirekt, etwa als Dienstleister im Baugewerbe oder der Landwirtschaft. Rund 15 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes hängen direkt von diesem Sektor ab. Im vergangenen Jahr sind 19 Millionen Besucherinnen und Besucher nach Spanien gereist, so wenige wie seit mehr als 50 Jahren nicht mehr - und ein Absturz um 80 Prozent im Vergleich zu 2019.

Hunderttausende Menschen in Spanien haben ihre Jobs verloren, mehr als eine Million sind in Kurzarbeit. Viele Unternehmen stehen vor der Pleite. Es drohen weitere Entlassungen vor allem dann, wenn die Kurzarbeitsregeln Ende Mai auslaufen.

Impfkampagnen, Reisekorridore und Impfzertifikate

Tourismusexperten sind überzeugt, dass die Nachfrage sofort wieder da sein wird, wenn es weniger Reisebeschränkungen gibt. Das war schon im vergangenen Sommer so und erste Buchungszahlen zum Beispiel aus Großbritannien zeigen: Viele können den nächsten Spanien-Urlaub kaum erwarten. Auch deshalb setzt sich die spanische Regierung schon seit Monaten für einen Impfpass ein.

Impfkampagnen, Reisekorridore und Impfzertifikate sollen der Schlüssel zur Wiederbelebung des Tourismus sein. Spanien will einen einheitlichen Standard und wirbt dafür sowohl bei den EU-Partnern als auch bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Verkraftet die spanische Tourismusindustrie ein zweites Corona-Jahr?

Wie berechtigt die Hoffnungen in all diese Instrumente sind, ist eine andere Frage. Die Impfkampagnen kommen in einigen Ländern nur langsam voran. Außerdem sind inzwischen mehrere hochansteckende Varianten des Coronavirus im Umlauf.

Mehr als ein Viertel der Bevölkerung auf Mallorca lebt in extremere Armut

Ob die spanische Tourismusindustrie ein zweites Corona-Jahr wie das vergangene verkraftet, ist alles andere als sicher. Allein auf Mallorca leben laut einer Studie der Universität der Balearen inzwischen doppelt so viele Mallorquiner in extremer Armut wie 2019. Insgesamt sind 320.000 Menschen betroffen, mehr als ein Viertel der Bevölkerung. Es geht also um weit mehr als Hotelkonzerne und Restaurants. Für Spanien geht es auch um einen Weg aus großem Elend und um den sozialen Frieden.

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