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Das neue staatliche Textilsiegel "Grüner Knopf" für fair hergestellte Kleidung soll ab sofort den Verbrauchern Hilfestellung geben. Kritiker halten es allerdings für Etikettenschwindel.

"Es geht um Menschlichkeit in einer globalen Welt", sagte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) am Montag in Berlin bei der Vorstellung des neuen Siegels. Er soll sozial- und umweltverträglich hergestellte Kleidung kennzeichnen.

70 Unternehmen haben laut Müller bislang ihr Interesse an dem Siegel bekundet. 27 von ihnen können ab sofort Produkte verkaufen, die damit ausgezeichnet sind. Dazu gehören auch Discounter wie Aldi, Lidl oder Rewe und Tschibo.

Grüner Knopf könnte "hohe Standards sabotieren"

Die christliche Initiative Romero hat im SWR dazu aufgerufen, den Grünen Knopf noch mindestens ein Jahr zu ignorieren. "Wir können dem Siegel nicht vertrauen", sagte Maik Pflaum, der bei Romero für den Bereich Kleidung zuständig ist. "Es hat viel zu viele Defizite und führt uns in die Irre. Ich habe größte Bedenken, dass es sogar nach hinten losgeht."

Standards von bereits bestehenden Textilsiegeln könnten ausgehöhlt werden. Unternehmen würden möglicherweise den Grünen Knopf bevorzugen, weil die Richtlinien weniger streng seien. "Dann wird ein hoher Standard sabotiert und die Industrie greift nach der einfachen und billigen Variante", sagte der Kleidungsexperte von Romero.

"Politik ist endlich Forderungen nachgekommen"

Ganz anders beurteilt Antje von Dewitz, Geschäftsführerin von VAUDE Sport, den Grünen Knopf. Bislang sei nachhaltige Produktion in der Textilindustrie immer nur auf freiwilliger Basis geschehen. Nun sei die Politik endlich den langjährigen Forderungen nach klaren, strengeren Rahmenbedingungen gefolgt.

"Der Grüne Knopf ist ein Meta-Siegel, das auf strengen Kriterien basiert und den Konsumenten Orientierungshilfe gibt", sagt von Dewitz im SWR-Interview.

Verbraucher wollen bewusst einkaufen - aber nicht teurer

Kriterien wie ökologisch, fair und nachhaltig seien für den Konsumenten wichtig, so von Dewitz weiter. Die Bereitschaft, bewusst zu kaufen sei in der Bevölkerung durchaus vorhanden.

Ich bin begeistert, dass jetzt politische Unterstützung kommt. Denn der Bedarf ist bei den Konsumenten da, der Wunsch danach ist da - aber die Bereitschaft dafür mehr auch mehr auszugeben, ist noch nicht da.

Antje von Dewitz, Geschäftsführerin von VAUDE Sport

Was bislang fehlte war eine übersichtliche Kennzeichnung: „Die Komplexität ist sehr hoch und die Menschen wissen nicht, wem oder was sie vertrauen können, welches Siegel wirklich gut ist“, so die Geschäftsführerin des Outdoor-Kleidungsherstellers. „Noch ist Nachhaltigkeit nett, aber es darf nicht viel kosten“, erklärt von Dewitz. Deshalb freue sie sich über den Grünen Knopf und unterstütze das Siegel.   

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