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Seit Jahren tobt in Syrien der Krieg. Er verwandelt Städte in Geistersiedlungen, nimmt Menschen ihr Zuhause und forderte bisher Hunderttausende Tote. Aktuell ist vor allem die Provinz Idlib unter Beschuss - das öffentliche Interesse ist verhalten.

Mehr als 200.000 Menschen fliehen aus Idlib. Russland und Syrien beschießen dort nahezu alles: Krankenhäuser, Schulen, Marktplätze - und der Westen sieht zu, weitgehend regungslos.

Im Audio hören Sie das ganze Interview von Pascal Lechler mit der Journalistin Kristin Helberg:

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"Dieser Konflikt bricht mit allen völkerrechtlichen Konventionen"

"Wo bleibt der Aufschrei der internationalen Gemeinschaft? Diese Frage kann man sich seit Jahren in Syrien stellen", sagt die Journalistin Kristin Helberg im SWR. "Dieser Konflikt bricht mit allen völkerrechtlichen Konventionen, die wir uns in den letzten Jahren gegeben haben."

In Idlib wiederholt sich, was seit 2015 bereits in den Vororten von Damaskus und in Ostaleppo passiert ist: "Ein rücksichtsloser Krieg, der vor allem darauf abzielt, Zivilisten zu vertreiben." Das Assad-Regime will das Gebiet zurückerobern - vor allem ohne die Menschen dort. Denn unter ihnen seien viele Gegner von Baschar al-Assad, so Helberg. In der Provinz Idlib halten sich schätzungsweise etwa drei Millionen Zivilisten auf.

"Wir haben uns an diese Horror-Nachrichten gewöhnt"

"Die Empörung fehlt seit Jahren - wir haben uns an diese Horror-Nachrichten gewöhnt. Sie entlocken uns kaum noch einen Aufschrei." Die westliche Öffentlichkeit gehe nicht auf die Straße - und das, obwohl medizinische Einrichtungen angegriffen werden.

"Wir hatten Jahre, da ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) an jedem dritten Tag ein medizinsiches Zentrum getroffen worden. Da wundert man sich schon, dass es im Westen wohl sehr vielen Menschen egal geworden ist."

Kristin Helberg, Journalistin

Nur noch drohende Flüchtlingswellen rütteln den Westen auf

Der einzige Punkt, der noch wachrüttle, seien drohende Flüchtlingswellen. Bereits 2015 sei man daran gescheitert, die Menschen in Syrien zu schützen - was zu Fluchtbewegungen geführt habe. Für den Schutz fordere man zwar eine UN-Resolution, so Helberg. Der Westen kämpft aber auch ohne UN-Mandat in Syrien gegen den IS.

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