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Hauptsache billig - Supermarktketten achten nicht genug auf die Arbeitsbedingungen bei ihren Lieferanten. Das kritisiert die Hilfsorganisation Oxfam in ihrem Supermarkt-Check.

Die Corona-Infektionen in der Schlachtindustrie haben vielfach skandalöse Arbeitsbedingungen wieder neu ins Bewusstsein gerückt. Die Hilfsorganisation Oxfam kritisiert in ihrem Supermarkt-Check jetzt ein weiteres Glied in der Kette: die Händler – und zwar wegen der Arbeitsbedingungen bei ihren Zulieferern. Oxfam zeigt auch auf, wie die Supermärkte hier Einfluss nehmen könnten.

Löhne und Rechte im Check bei Discountern und Supermärkten

Existenzsichernde Löhne, Menschen- und Arbeitnehmerrechte sowie Transparenz – das waren Aspekte auf die Oxfam 16 Supermarkt-Ketten abgeklopft hat. Und zwar in Deutschland, Großbritannien, den USA und den Niederlanden.

Mann trägt frisch geerntete Bananen (Foto: Colourbox)
Oxfam kritisiert, in Lateinamerika, Asien und Afrika müssten Erntearbeiter*innen für Hungerlöhne und unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen arbeiten.

Das Ergebnis der Oxfam-Prüfer: Die Konzerne tun zu wenig dagegen, dass die Menschen, die Essen für die Supermarktregale herstellen, ausgebeutet werden.

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Preisdruck für Hungerlöhne in internationalen Lieferketten verantwortlich

Die Folge seien oft Hungerlöhne für Beschäftigte in den weltweiten Lieferketten, so Oxfam. Ist bei der Auswahl der Lieferanten ausschließlich der niedrige Preis ausschlaggebend, oder geht es auch danach, ob die Arbeitsbedingungen menschenwürdig sind?

Bei dieser Frage könne, so Oxfam, bisher keines der untersuchten Unternehmen punkten. Für den Preiskampf der Supermärkte zahlten am Ende die Beschäftigten in den Lieferketten weltweit. Die Konzerne trügen mit Preisdruck und unfairen Verträgen mit Lieferanten dazu bei, dass Menschen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten müssten.

Arbeiterinnen auf einer Teeplantage in Assam (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/epa/dpa)
Als Beispiel nennt die Organisation eine Befragung von Arbeiter*innen auf Teeplantagen im indischen Assam letztes Jahr. Mehr als die Hälfte der Befragten habe nicht genug zu essen gehabt. picture alliance/epa/dpa

Verbesserungen bei deutschen Supermärkten, aber keine Wende

Rewe, Aldi und Lidl hätten sich in den vergangenen drei Jahren durchaus verbessert: Es gebe Projekte mit Kleinbauern, mehr Transparenz über die Zulieferer, und man wolle Beschwerdemechanismen einrichten. Bei Lidl loben die Prüfer beispielsweise, dass das Unternehmen einen Großteil der direkten Zulieferer mittlerweile öffentlich mache. Das sei ein Meilenstein, weil viele Unternehmen bisher behaupteten, dass dies nahezu unmöglich sei.

„Das Zwischenfazit lautet: Veränderungen ja, Wendepunkt nein. Die Supermärkte müssen dringend ihre Preispolitik gegenüber Zulieferern ändern, damit diese auch Löhne zahlen können, die für den Lebensunterhalt ausreichen.“


Edeka als Schlusslicht im Oxfam-Check

Keine deutsche Kette schaffte mehr als ein Drittel der möglichen Punkte. Edeka ist im internationalen Vergleich Schlusslicht. Als einziger deutscher Supermarkt im Check habe Edeka eine Selbstverpflichtung zur Durchsetzung von existenzsichernden Löhnen in globalen Lieferketten nicht unterzeichnet, berichtet Oxfam. 

Vorne liegen die britischen Ketten Tesco und Sainsbury’s. Auch diese beiden Ketten erreichten aber nicht einmal die Hälfte der möglichen Punktzahl. In Großbritannien sind die Supermärkte gesetzlich dazu verpflichtet, über ihre Menschenrechtspolitik zu berichten. Oxfam fordert von der deutschen Politik ein Lieferkettengesetz.

„Es kann nicht sein, dass es vom Gutdünken der Unternehmen abhängt, ob sie die Menschen schützen, die unser Essen produzieren."

Die Hilfsorganisation Oxfam hat ihren Supermarkt-Test zum dritten Mal veröffentlicht.

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