Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Unterschriften gegen neue Abflugroute. Ein Kommentar

Fluglärm-Gegner, die grünen Egoisten

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Martin Rupps

Vier Bürgerinitiativen wehren sich gegen eine neue Abflugroute vom Stuttgarter Flughafen aus. Sie handeln egoistisch, meint Martin Rupps, weil die neue Route Menschen in direkter Nachbarschaft zum Flughafen entlastet.

Bürgerinitiativen aus dem Kreis Esslingen haben der Landesregierung 15.000 Unterschriften gegen Fluglärm übergeben. Sie wehren sich gegen Pläne des Stuttgarter Flughafens, eine Abflugroute über ihre Gemeinden zu legen. Betroffen ist auch der Raum Nürtingen, der Wahlkreis von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Ein "runder Tisch" hatte Ende Oktober einen Beschluss vorläufig auf Eis gelegt.

Ein Flugzeug auf dem Rollfeld vor einem Abfluggebäude (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Marijan Murat)
Ein Flugzeug auf dem Stuttgarter Flughafen vor dem Start. Eine geplante neue Abflugroute sorgt für Widerstand in einigen Gemeinden picture alliance/dpa | Marijan Murat

Ich muss bekennen, dass ich beim Thema Fluglärm parteiisch bin. Ich wurde auf der Weidacher Höhe, sozusagen unter startenden und landenden Flugzeugen, groß. Der Pfarrer meiner Kommunionskirche musste beim Predigen innehalten, weil das Kirchenschiff bei einem Landeanflug zitterte. Aus dieser alltäglichen Erfahrung heraus – vergleichbar mit Straßen- oder Bahnlärm - habe ich kein Verständnis für Menschen, die im Umkreis eines Flughafens wohnen, aber einen stillen Himmel fordern.

Sankt-Florian-Prinzip auf Schwäbisch

Natürlich, Fluglärm macht krank. Doch wo ein Flughafen ist, müssen Maschinen ja wohl starten und landen können. Bereits an dieser Selbstverständlichkeit scheitert der Gemeinsinn vieler Zeitgenossinnen und -genossen. Die Menschen in Flughafen-fernen Gemeinden würden durch die neue Abflugroute mit Lärm belastet, die in Flughafen-nahen Gemeinden gleichzeitig entlastet. So geht "Heiliger Sankt Florian/Verschon‘ mein Haus, zünd‘ and’re an!" auf Schwäbisch.

Wenn ein Mitglied der Bürgerinitiative "Vereint gegen Fluglärm" im SWR Gespräch sagt, er müsse in seinem Zuhause ohnehin bereits den Straßenverkehr ertragen, kann ich das nur für weinerlich halten. Als Beispiel eines grünen Egoismus, der die persönliche Komfortzone weit ausdehnt über das eigene Zuhause hinaus. Ein Industriestaat wie Deutschland braucht weiterhin Infrastrukturen der Moderne – einen Flughafen und  - jawohl – den Bahnhof "Stuttgart 21". Die Lasten solcher Verkehrszentren – etwa der Fluglärm - gehören auf alle Gemeinden in der Umgebung gerecht verteilt.

Stuttgart/Nürtingen

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