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Studie zu Windrädern und Vogelschlag Streit um tote Rotmilane

Sind Vögel wie der Rotmilan durch Windkraftanlagen bedroht? Eine neue Studie besagt: Trotz vieler Windräder gibt es deutlich mehr Greifvögel, auch im Südwesten. Und damit geht der Streit los.

Ein Rotmilan fliegt an Windrändern vorbei

Der Milan und die Windkraft - nicht immer einfach

Von Dirk Rodenkirch, SWR Hauptstadtstudio, und Stefanie Peyk, SWR-Umweltredaktion

Windkraftanlagen in Deutschland sind angeblich keine "Schredder" für Greifvögel wie Rotmilan, Seeadler und Co. Die am Donnerstag in Berlin vom Grünen-Politiker Hans-Josef Fell vorgestellte Studie des Schweizer Umweltbüros KohleNusbaumer kommt zu dem Schluss, dass die Bestände vieler Greifvogelarten deutlich gewachsen sind, obwohl in den vergangenen zehn Jahren etwa 26.000 Windkraftanlagen gebaut wurden.

Mehr Rotmilane als vorher in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Der Bestand des Rotmilans in Deutschland habe in dieser Zeit um 40 Prozent zugenommen, sagt Fell. Das gelte auch für die Bestände in Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg hätten sich die Rotmilan-Zahlen sogar verdreifacht. Fell zieht daraus den Schluss, dass die Windenergie nicht artengefährdend ist.

Oliver Kohle, Autor der Studie, sagt:


Die Studie bilanziert: Durch Windräder werden kaum Greifvögel getötet. Am häufigsten kämen sie durch Unfälle mit Stromleitungen ums Leben oder weil sie von Jägern abgeschossen würden, sagte Autor Oliver Kohle. Dessen Büro ist auch für die Windkraftbranche tätig.

Naturschützer: Informationen werden irreführend vermengt

Deutliche Kritik an der Untersuchung üben Natur- und Tierschutzverbände. Der Naturschutzbund (NABU) und die Deutsche Wildtier-Stiftung sehen in der Studie aus Lausanne ein interessengeleitetes Papier der Windkraft-Lobby. Angaben aus nicht vergleichbaren Quellen würden in irreführender Weise vermengt, so der NABU. So erhoffe sich ein Teil der Branche, die Windkraft ohne Rücksicht auf den Artenschutz ausbauen zu können, etwa ohne Mindestabstände einhalten zu müssen.

Lars Lachmann (NABU) meint:


Die Studie erwecke den Eindruck, es gebe keinen Konflikt zwischen der Windenergie und dem Schutz von Greifvögeln. Es sei jedoch wissenschaftlich belegt, dass Greifvögel immer wieder mit den Flügeln von Windmühlen zusammenprallen. Der NABU geht davon aus, dass in Deutschland jährlich rund 1.000 Rotmilane tödlich an Windrädern verunglücken. Beim Mäusebussard liege die Zahl vermutlich sogar mehr als zehn Mal so hoch.

In der norddeutschen Tiefebene, wo es besonders viele Windräder gibt, habe die Zahl der Rotmilane bis vor kurzem stark abgenommen. Und dort, wo die Windkraft bisher kaum eine Rolle spielt, gehe es dem Rotmilan deutlich besser - vor allem in Baden-Württemberg.

Nur wenige tote Vögel werden an Windrädern gefunden

Energiewende oder Artenschutz - was geht im Zweifel vor? Die Beteiligten geraten sich dabei schnell in die Haare, zumal es beim Thema Windenergie auch um viel Geld geht. Jede Seite zitiert die Studien, die in die eigene Argumentation passen. Ein Grund, warum beim so genannten Vogelschlag Unterschiedlches behauptet wird ist, dass tatsächlich immer nur einzelne tote Vögel unter Windrädern gefunden werden. Das zieht die Streitfrage nach sich, wie groß die Dunkelziffer ist - ob zum Beispiel tote Bussarde vom Fuchs gefressen werden und wie viele Greifvögel tatsächlich sterben.

Eine noch unveröffentlichte Studie, die das Bundeswirtschaftsministerium fördert, schätzt ab, dass selbst der eigentlich häufig vorkommende Mäusebussard durch die Windkraft in Norddeutschland gefährdet ist. Dabei rechnen die Forscher von nur zwölf tot gefundenen Bussarden hoch. Der Verhaltensforscher Oliver Krüger von der Uni Bielefeld erläutert: Die Kollision von Greifvögeln zumindest mit Windenergieanlagen sei ein sehr seltenes Ereignis. Aber weil Greifvögel eine niedrige Siedlungsdichte hätten und nur wenige Küken pro Jahr großzögen, könnten sich auch solch seltene Unfälle auf den Bestand auswirken.

Grundsätzlich befürworten Naturschützer Klimaschutz durch Windräder, denn auch durch den Klimawandel können Tierarten aussterben. Der NABU schlägt deshalb vor, Windräder an einzelnen Orten zu konzentrieren und dafür andere Gebiete großflächig freizuhalten.


Onlineredaktion: Biggi Hoffmann / Martina Schlick