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Studie zu versteckten Energiekosten Greenpeace: Verzerrung beim Strompreis

Wären erneuerbare Energien ohne Förderung überhaupt überlebensfähig? Ökostromanbieter Greenpeace Energy sagt: Ja - vorausgesetzt man sieht sich an, was konventionell erzeugter Strom wirklich kostet.

Greenpeace Energy hat beim Forum ökologisch- soziale Marktwirtschaft (FÖS) eine Studie in Auftrag gegeben, die die Kosten für erneuerbare Energien und für konventionell erzeugten Strom vergleichbar macht.

Dazu haben die Autoren ermittelt, welche versteckten Kosten es beim Strom aus Atomkraft und Kohlekraft gibt - etwa durch Folgekosten oder Subventionen. Auf Grundlage dieser Zahlen ließ sich berechnen, wie hoch eine konventionelle Energienumlage wäre, wenn man diese versteckten Kosten auf den Strompreis umlegen würde - so wie es das Erneuerbare Energiengesetz (EEG) für die erneuerbaren Energien vorgibt.

Keine Umlage heißt: versteckte Kosten zahlt der Staat

Die konventionelle Energienumlage hätte im Jahr 2016 bei 11,4 Cent gelegen. Zum Vergleich: Die Umlage aus dem erneuerbare Energiengesetz lag bei 6,35 Cent pro Kilowattstunde Strom. Noch deutlicher wird der Unterschied, wenn man die Gesamtsumme der versteckten Kosten der konventionellen Energien mit der Umlage für die erneuerbaren Energien vergleicht.

Die Kosten der Umlage im laufenden Jahr beziffern die Studienautoren auf rund 24,5 Milliarden Euro. Die versteckten Kosten für konventionelle Energien, die nicht umgelegt werden, dagegen auf 38 Milliarden Euro. Das ist etwa anderthalb Mal so viel. Die erneuerbaren Energien sind laut Studie deutlich günstiger. Zudem weisen die Autoren darauf hin, dass für Kohle- und Atomkraftwerke auch dann noch hohe Kosten anfallen, wenn sie längst keinen Strom mehr erzeugen.

Verursacher sollen Milliardenkosten zahlen

Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy sieht angesichts dieser Lage eine "eklatante Marktverzerrung zu Lasten der erneuerbaren Energien und der Verbraucher." Er fordert von der nächsten Bundesregierung, die Milliardenkosten für die konventionelle Stromerzeugung den Verursachern in Rechnung zu stellen, anstatt über eine Abschaffung des EEG zu diskutieren.

Genau das will aber die FDP: Schon 2014 hat Generalsekretärin Nicola Beer das EEG teuer, wirkungslos und zutiefst ungerecht genannt. Ihr Parteikollege Hermann Otto Solms hat vor kurzem darauf hingewiesen, dass die FDP die Umlage abschaffen will.

Die Autoren der Studie sagen dagegen: Wenn die versteckten Zusatzkosten bei Atom- und Kohlestrom endlich einberechnet würden, dann wären die erneuerbaren Energien größtenteils ohne Förderung wettbewerbsfähig.

Von Kilian Pfeffer, Berlin | Online: Christine Veenstra

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